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25.01.2007

07:00 Uhr

Bulle & Bär

HVB: Viel falsch machen können die Aktionäre nicht

VonRalf Drescher

Alessandro Profumo hat sich entschieden. Der Chef der Großbank Unicredit möchte sich die Hypo-Vereinsbank (HVB) und die österreichische Bank Austria-Creditanstalt (BA-CA) nicht länger mit ein paar Minderheitsaktionären teilen.

FRANKFURT. Da er an beiden Instituten die erforderliche Mehrheit von 95 Prozent hält, will er die übrigen Eigner nun per Zwangsabfindung herausdrängen. Dass er einen Squeeze-out bisher ausgeschlossen hatte, juckt ihn nicht.

Die Reaktion des Aktienmarktes zeigt, dass Profumo ohnehin kaum jemand geglaubt hat. Die Aktie der HVB stieg gestern um rund fünf Prozent. Verglichen mit anderen Squeeze-out-Ankündigungen ist das bescheiden. Vor Wochenfrist, als die Allianz ihre Pläne zur vollständigen Integration der Allianz Leben bekannt gab, sprang deren Kurs um bis zu 20 Prozent. Dass der Squeeze-out bei der HVB allgemein erwartet worden war, zeigt auch die Kursentwicklung der vergangenen eineinhalb Jahre. Seit der Übernahmeofferte der Italiener hat sich der Wert der HVB-Aktien in etwa verdoppelt.

„Es war abzusehen, dass das kommt“, sagt Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Dennoch hat dem Rechtsanwalt die Mitteilung der Unicredit die Zornesröte ins Gesicht getrieben. Sein Vorwurf: Die Italiener hätten den Wert der HVB gezielt verringert, um den Squeeze-out so günstig wie möglich zu bekommen. Hintergrund ist ein Beschluss der außerordentlichen Hauptversammlung im Oktober 2006, durch den die Wiener BA-CA von der HVB auf Unicredit übergeht. „Damit hat die Bank ihr wertvollstes Asset verloren“, schimpft Petersen.

Gegen diesen „aktionärsfeindlichen Akt“ sind Aktionärsschützer vor Gericht gezogen. Aber selbst im Erfolgsfall dürfte das den Squeeze-out nicht stoppen. Zwar wird das Getöse auf der Hauptversammlung der HVB am 16. Mai groß sein, letztlich wird der Beschluss zur Auszahlung der Minderheitseigner aber fallen.

Für die verbliebenen HVB-Aktionäre stellt sich damit nur noch die Frage nach dem Preis. Bisher gibt sich Unicredit bedeckt, ein unabhängiger Gutachter soll den Wert der Bank taxieren. Die WestLB riet gestern dazu, HVB-Aktien mit einem Kursziel von 34,60 Euro zu „halten“. Das wäre aber weniger als der aktuelle Kurs von rund 36,20 Euro. Andere Händler spekulierten gestern auf höhere Abfindungen von bis zu 38 Euro.

Viel falsch machen können Anleger jedenfalls nicht, wenn sie an ihren HVB-Aktien festhalten. Sobald das Angebot von Unicredit nur minimal die Erwartungen verfehlt, werden Investoren die Italiener mit Anfechtungsklagen überziehen. Dann muss ein Schlichter den fairen Preis festlegen. Nach geltender Rechtsprechung des BGH muss dieser mindestens dem Durchschnittskurs in den drei Monaten vor dem Beschluss zum Squeeze-out entsprechen. Und dafür, dass der HVB-Kurs bis dahin nicht mehr unter das aktuelle Niveau fällt, werden die verbliebenen Spekulanten schon sorgen.

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