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07.01.2011

09:37 Uhr

Bulle & Bär

Im Wein ist nicht nur Wahrheit, sondern auch jede Menge Rendite

VonChristian Schnell

Dass der Preis für einen guten Wein nach oben offen sein kann, ist kein Geheimnis. Das gilt jetzt allerdings auch für die Börse. Chinesische Investoren kaufen Weine mit bekannten Namen, noch bevor er in der Flasche ist - und treiben damit die Preise in die Höhe.

Wein: Begehrtes Handelsgut. Quelle: gms

Wein: Begehrtes Handelsgut.

FRANKFURT . Von Zyklikern ist oft die Rede, wenn es der Wirtschaft nach langer Durststrecke wieder gutgeht. Dann profitieren Unternehmen aus der Automobilindustrie, der Softwarebranche oder dem Halbleitersektor. Zu diesem Kreis zählen seit einigen Jahren auch edle Weine. Deren Preise steigen seit einem Jahr so, als hätte es die Finanzkrise nie gegeben.

Bestes Beispiel für diese Entwicklung, die den Dax, Gold und die Schwellenländer in den Schatten stellt, ist der Liv-ex Fine Wine 100 Index. Dieses Preisbarometer der London International Vintage Exchange gibt es seit dem Jahr 2004. Enthalten sind 100 Weine verschiedener Jahrgänge, von denen wiederum 90 aus dem Bordeaux stammen. Der Rest kommt aus dem Burgund, der Champagne und von der Rhône. Nur einer ist aus Italien.

Der Index, der seit einiger Zeit auch in den Börsenterminals von Bloomberg und Reuters zu finden ist, hat sich seit seinem Start vor sieben Jahren mehr als verdreifacht, allein im vergangenen Jahr kamen 35 Prozent hinzu. Die einzige markante Delle gab es nach der Pleite von Lehman Brothers im September 2008.

Die Chinesen treiben die Preise

Gerade weil es im vergangenen Jahr so rasant nach oben ging und ein Ende dieser Entwicklung nicht in Sicht ist, machen sich viele Kenner zu Recht Sorgen. Getrieben werden die Preise nämlich aus Asien. Speziell wohlhabende Chinesen haben die edlen Tropfen für sich entdeckt und kaufen bei Auktionen oder auch den sogenannten Subskriptionen, speziell im Bordeaux. Da wird der Wein schon geordert, wenn er sich noch im Reifeprozess befindet und noch gar nicht in Flaschen abgefüllt ist.

Genau hier liegt das Problem: Die neuen Kunden - vor allem die aus China - wollen nur große Namen: Petrus und Lafite-Rothschild, Latour, Mouton-Rothschild, Haut-Brion oder Margaux. Das treibt die Preise bei diesen weltbekannten Topweingütern. Die eine Klasse tiefer angesiedelt sind, stoßen indes kaum auf Interesse und treten preislich auf der Stelle.

Weil es hier also im weitesten Sinne um den Besitz von Statussymbolen geht, ist die weitere Entwicklung so extrem schwer prognostizierbar. Einerseits kommen immer mehr Menschen in Asien zu Wohlstand und wollen dies auch entsprechend zeigen. Zum anderen unterliegen gerade neue Statussymbole - und das sind edle Weine in Asien - einer gewissen Mode. Gut möglich, dass die Geschmäcker sich schneller ändern als gedacht. Die Zeiten, in denen hierzulande nahezu jeder zweite Freiberufler eine Harley-Davidson fuhr, sind schließlich auch schon wieder vorbei.

Für Weintrinker hat die jüngste Entwicklung dennoch einen Vorteil: Abseits von den berühmten Weingütern finden sich jede Menge gute Tropfen mit günstigem Preis-Leistungs-Verhältnis.

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