Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2011

08:54 Uhr

Bulle & Bär

Keine Angst vor Inflation und Rentencrash

VonGertrud Hussla

Das Gespenst der Inflation geht wieder um und Experten warnen vor einem drohenden Rentencrash. Doch so schlimm, wie viele sagen, ist die Situation am Rentenmarkt gar nicht. Es zeichnet sich lediglich das Ende einer jahrzehntelangen Hausse für festverzinsliche Wertpapiere ab.

Euro-Münzen und -Scheine: Experten warnen vor einem drohenden Rentencrash und zunehmender Geldentwertung. Müssen sich Sparer Sorgen machen? dpa

Euro-Münzen und -Scheine: Experten warnen vor einem drohenden Rentencrash und zunehmender Geldentwertung. Müssen sich Sparer Sorgen machen?

FRANKFURT. Kaum sind die Finanzkrise und der Einbruch der Aktienmärkte einigermaßen überstanden, müssen Sparer sich neue Sorgen machen. Überall in den Gazetten wird jetzt vor der drohenden Inflation gewarnt, die das Vermögen auffresse. Die Geldentwertung gilt dabei als Gift für Bundesanleihen, die ja eigentlich als stabile Anlage in unsicheren Zeiten gedacht waren. Profis warnen bereits vor der Gefahr eines Rentencrashs - ein Wort, das Laien an so schreckliche Ereignisse wie das Platzen der Dotcom-Blase oder gar den Schwarzen Freitag von 1929 erinnert.

Gemach, gemach! Ein Rentencrash bedeutet nicht, dass sich über Nacht die Ersparnisse halbieren. In den 90er-Jahren hat es zwei solche Rentencrashs gegeben, 1994 und 1999. Viele Sparer haben möglicherweise gar nichts davon gemerkt. Der Ausdruck wird benutzt, wenn festverzinsliche Wertpapiere inflationsbereinigt Verluste abwerfen. Etwa weil die Inflation höher ist als der Zins des Papiers, oder weil die allgemeinen Zinsen im Laufe eines Jahres so rasch gestiegen sind, dass die Kursverluste höher sind als die realen Anleihezinsen.

Die lange Renten-Rally geht zu Ende

Vier Jahrzehnte lang haben sich, von solchen Ausrutschern abgesehen, Rentenpapiere für Anleger ausgezahlt. Denn im Trend sind Zinsen und Inflationsrate stetig zurückgegangen. Damit kamen zum Zinsertrag auch hohe Kursgewinne dazu. Laut Vermögensverwaltung WestLB Mellon haben die Kursgewinne seit 2000 rund ein Drittel zur Rendite beigetragen.

Doch irgendwann können die Zinsen nicht mehr weiter sinken. Zehnjährige Bundesanleihen hatten zeitweise nur noch eine Rendite von gut zwei Prozent. Die jahrzehntelange Rentenhausse geht ihrem Ende entgegen. Zuletzt sind die Kurse schon gefallen. Doch den großen Crash brauchen Investoren dennoch nicht zu fürchten. Allein schon, weil sich der Wertverlust durch Inflation und entsprechend steigende Zinsen in Grenzen halten dürfte. Michael Herzum, Stratege bei Union Investment, verweist darauf, dass steigende Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise Industrieländer viel weniger treffen als Schwellenländer. Auch dürften die Notenbanken dafür sorgen, dass die Inflation nicht aus dem Ruder läuft.

Es gibt also keinen Grund, jetzt hektisch aus Anleihen zu fliehen. Investoren sollten aber bei Neuanlagen nach Alternativen zur Bundesanleihe suchen. Dazu gehören etwa Aktien, die von steigenden Zinsen profitieren, wie Versicherungswerte und ausgewählte Bankentitel. Hält die Konjunkturerholung an, dürften auch die höher verzinsten Unternehmensanleihen an Wert gewinnen. Doch ansonsten gilt: breit aufgestellt bleiben. Festverzinsliche Wertpapiere gehören auch künftig noch ins Depot.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×