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15.01.2007

06:47 Uhr

Bulle und Bär

Kleiner Trick für Altana-Aktionäre

VonGertrud Hussla

Eigentlich müssten sich Anleger über eine Ausschüttung freuen. Besonders, wenn sie so stattlich ausfällt, wie jetzt bei Altana. Wenn da nur die Steuer nicht wäre. Doch es gibt einen simplenen Trick, nicht zahlen zu müssen.

DÜSSELDORF. Nachdem Altana seine Pharmasparte für 4,6 Milliarden Euro verkauft hat, wird der Erlös an die Aktionäre verteilt. Davon profitiert besonders die Großaktionärin Susanne Klatten, der gut 50 Prozent von Altana gehören. Aber auch die Kleinaktionäre sehen Geld. Neben der regulären Dividende von 1,30 Euro stehen ihnen 32 Euro je Aktie Sondererlös ins Haus.

Doch jetzt fängt das große Wehklagen an. Denn Kleinaktionäre müssen nach dem Halbeinkünfteverfahren die Hälfte der Ausschüttung versteuern. Das kann ganz schön happig werden. Zum Jahresanfang sind die Sparerfreibeträge halbiert worden. Selbst wer als Single nur Altana-Aktien und sonst nichts anderes im Depot hat (eine sehr waghalsige Strategie), hätte den neuen Freibetrag mit 48 Aktien ausgeschöpft. Alle weiteren Ausschüttungen müssten versteuert werden.

Anleger zahlen dann zweimal. Einmal die Steuer, zum Zweiten erwartet sie noch ein kräftiger Kurseinbruch. Denn nach Dividende und Sonderausschüttung ist die Aktie nur noch etwa 15 Euro wert. Wenn die Gaben verteilt sind, dürfte sich der Kurs dort einpendeln.

Auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 19. Dezember hat das bereits für reichlich Diskussion gesorgt. Nachdem die Presse das Thema diese Woche aufgegriffen hat, wies Altana eilends unter der Überschrift „Keine bittere Pille“ darauf hin, dass Anleger ja vor der Hauptversammlung am 3. Mai ihre Titel verkaufen und damit die Kursgewinne steuerfrei mitnehmen können. Gleichzeitig – eine für einen Dax-Konzern sehr ungewöhnliche Produktempfehlung – könnten Anleger ein Altana-Chemie-Zertifikat der Deutschen Bank kaufen, das lediglich den Wert der nach dem Verkauf übrig gebliebenen Chemiesparte abbilde. Das Zertifikat kostete zuletzt 15,25 Euro. Über diese Empfehlung will man im Konzern inzwischen nicht mehr viele Worte verlieren.

Das ist auch gescheiter so. Das Zertifikat muss nicht sein. Wer die Steuern umgehen will, verkauft am besten die Aktie vor der Hauptversammlung. Die Ausschüttungen sind im Kurs von derzeit knapp 48 Euro enthalten, die Kursgewinne sind steuerfrei, sofern der Investor die Aktie länger als ein Jahr gehalten hat. Nach der Ausschüttung können Altana-Liebhaber die Aktie zum niedrigeren Kurs wieder kaufen. Dazu brauchen sie kein kompliziertes Zertifikat. Nur wer der Chemiesparte bis Anfang Mai noch kräftige Kursgewinne zutraut, sollte jetzt zum Zertifikat greifen.

Ein Verkauf dürfte sich meistens auch für diejenigen lohnen, die Altana vor weniger als einem Jahr gekauft haben. Selbst wenn etwaige Kursgewinne besteuert werden, dürfte das immer noch weniger kosten, als die Steuern auf die Ausschüttung und dazu der erwartete herbe Kursverlust.

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