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12.07.2011

11:41 Uhr

Bulle & Bär

Komplexe strukturierte Produkte fordern Anleger

VonUdo Rettberg

Europa hat die Dominanz der USA nur auf einem Feld gebrochen – bei der Kreation strukturierter Finanzprodukte. Diese Kombination einzelner Anlageinstrumente entstehen, haben in Europa eine riesige Fangemeinde.

Quelle: dpa

Frankfurt In den USA sind Zertifikate, Aktienanleihen oder Optionsscheine weniger populär. Und das ausgerechnet in dem Land, das die Welt des Kapitals klar dominiert, sowohl hinsichtlich der Zahl der Anleger als auch was Funktionsweise und Liquidität der Märkte betrifft. Die Wall Street – Synonym für den pulsierenden Finanzdistrikt in New York – ist das Herz der globalen Finanzmärkte und gibt ihnen den Takt vor. Doch bei strukturierten Finanzprodukten hat Europa die Führungsrolle erobert. Das macht Banken, die diesen riesigen Markt kreiert haben, stolz.

US-Aufseher betrachten Derivate als Keimzelle für die nächste Krise

Bei genauer Analyse wird aber deutlich, dass sich die USA bei der Entwicklung dieser Produkte offensichtlich bewusst zurückhalten. Die US-Behörde Financial Industry Regulatory Authority (Finra) äußert sich kritisch zu strukturierten Produkten. Grund: Man will weitere Krisen-Keimzellen vermeiden. Finra-Chef Richard Ketchum sieht einerseits die atemberaubende Entwicklung der jungen Märkte, weist andererseits jedoch auf die Risiken dieser „komplexen Produkte“ hin. Und zwar sowohl für Privatanleger als auch für Banken – und damit für das gesamte Finanzsystem.

Dass die Finra – besser bekannt unter der einstigen Bezeichnung NASD – kürzlich eine Großbank dazu verurteilt hat, dem ehemaligen Besitzer eines Basketball-Profiklubs die ihm mit strukturierten Produkten entstandenen Verluste vollständig zu erstatten, dürfte diesem Markt an der Wall Street kaum neue Impulse geben. Möglicherweise wird das auch Auswirkungen auf den boomenden Markt in Europa haben.

Finanzwissenschaftler wie Seth Lipner von der City University of New York sehen sich durch das Urteil in ihrer Kritik bestätigt. In der Tat sind diese Investmentvehikel nichts anderes als von Banken emittierte Schuldverschreibungen. Banken geben gegenüber dem Käufer ein Versprechen ab, beim Eintreten bestimmter Kriterien künftig eine finanzielle Leistung erbringen zu wollen. Dass solche Versprechen oft nichts wert sind, wissen wir nicht erst seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Anlegerschützer Lipner fährt deshalb harte Geschütze auf: Mit diesen Finanzprodukten bereichere sich die Wall Street auf Kosten naiver privater Investoren, meint er und fragt: „Wann wird unsere Aufsichtsbehörde diesen Wahnsinn stoppen?“

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