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20.09.2011

11:44 Uhr

Bulle & Bär

Krise macht Aktien nicht überflüssig

VonIngo Narat

Die Abneigung der deutschen Privatanleger gegenüber Aktien wächst - Grund ist die weltweite Krise an den Märkten. Und trotz einer möglichen Verschärfung der Krise sollten Aktien nicht als überflüssig angesehen werden.

Bulle und Bär aus Plastik an der Boerse in Frankfurt am Main. ap

Bulle und Bär aus Plastik an der Boerse in Frankfurt am Main.

Brüssel, FrankfurtSchlechte Meldungen? Daran besteht zurzeit kein Mangel. Jetzt gibt es einen Klassiker in neuem Aufguss: die Abneigung der deutschen Privatanleger gegenüber Aktien und Aktienfonds. Neu ist: Die Börsenstürze im August werden eine Beteiligung am Produktivvermögen noch weniger attraktiv erscheinen lassen als bisher.

Der deutsche Fondsverband erwartet, dass die Privaten in dem Krisenmonat bei den ihnen angebotenen Fonds Nettoverkäufe in einer Größenordnung von bis zu vier Milliarden Euro getätigt haben. Vor allem Aktienfonds dürften betroffen sein. Die tatsächlichen Zahlen werden erst zur Monatswende veröffentlicht. Zum Vergleich: Seit 2006 haben die Deutschen in Aktienfonds der nationalen Anbieter bescheidene 6,6 Milliarden Euro netto angelegt. Um das richtig einzuordnen, muss man nur die Mischfonds, die in mehreren Vermögensformen investieren, dagegenhalten. In diese Fondsgruppe pumpten die Privaten 82,3 Milliarden Euro.

Das sind die Verbandszahlen bis einschließlich Juli. Für August wird bei den Aktienprodukten eine noch bescheidenere Bilanz erwartet. Wenn die Börsen weiter schwächeln, wäre in diesem Kalenderjahr sogar eine rote Zahl denkbar. Abflüsse gab es zuletzt 2007 und im heißen Krisenjahr 2008.

Ein solches düsteres Szenario erscheint möglich. Dazu passt der aktuelle Kommentar von Albert Edwards, der bei der Société Générale regelmäßig unorthodoxe Ausblicke abliefert. Der Querdenker glaubt: Sogar von den abgespeckten Niveaus aus können die US-Aktienkurse um weitere 40 Prozent fallen.

So ein Abschlag dürfte auch massive Folgen für Europa und die deutschen Werte haben. Dabei haben die deutschen Standardtitel in wenigen Wochen in der Spitze bereits ein Drittel an Wert verloren und den Dax auf fast 5000 Punkte verschlankt.

Albert Edwards beruft sich bei seiner Einschätzung auf einen Indikator, der auf historischen Kursverläufen aufbaut und daraus Prognosen ableitet. Er spricht von einer „Killerwelle“, die auf die Anleger zurollt. Der Analyst ist zwar als Dauer-Pessimist bekannt. Dennoch kann er recht haben. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich Gründe für eine weitere Verschärfung der Aktienlage vorzustellen.

Aber selbst ein extremes Krisenszenario macht Aktien nicht überflüssig. Eher ist das Gegenteil der Fall. Gute Unternehmen werden auch große Krisen überstehen. Und möglicherweise werden auch ihre Aktienkurse noch einmal spürbar fallen. Aber das Unternehmen und die Produktionsstätten bleiben bestehen. Das muss man beispielsweise von Staaten und ihren gegebenen Anleiheversprechen nicht unbedingt erwarten.

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