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06.01.2006

07:00 Uhr

Bulle & Bär

Lufthansa als attraktiver Nachzügler

VonC. Kirchner

Eigentlich ist es seit 40 Jahren leicht, mit der Aktie von Lufthansa Geld zu verdienen. Man kaufe einfach, wenn die Aktie wegen Anschlägen, Kriegen, Seuchenängsten oder Rezession am Boden liegt. Man verkaufe, wenn sie sich anschließend – wie stets in der Vergangenheit – wieder kräftig erholt hat und der Optimismus blüht. Die nächste Krise kommt bestimmt.

DÜSSELDORF. Ein Grund mehr vor allem für Konjunkturoptimisten, der Lufthansa-Aktie derzeit besondere Beachtung zu schenken. Ohne negative Überraschungen wie ein steigender Ölpreis oder ein Tarifkonflikt ist die Lufthansa-Aktie ein attraktiver Nachzügler aus dem Kreis der Dax-Werte. Von blühendem Optimismus keine Spur: Mehr als die Hälfte der Lufthansa-Analysten rät nur zum Halten oder gar Verkaufen der Aktie. Mehr noch: Die Aktienkurse der Konkurrenten Air France und British Airways flogen der Lufthansa sowohl seit dem Kurstief im März 2003 als auch im abgelaufenen Jahr davon.

Dabei läuft es operativ rund: Das Kostensenkungsprogramm ist ebenso im Plan wie die Integration der 2005 übernommenen Swiss. Im abgelaufenen Jahr erwirtschaftete Lufthansa nach ersten Schätzungen ein Ergebnis von über 500 Mill. Euro. Sorgenkinder bleiben die Restrukturierung der Catering-Tochter LSG Sky Chefs und die Kapazitätserweiterungen der Billig-Airlines sowie der arabischen Airlines wie Emirates, Qatar und Etihad. Mit ihnen konkurriert Lufthansa auf den hochlukrativen Strecken in die Boomländer China und Indien. „Lufthansa hingegen wird bis 2007 seine Kapazitäten nur moderat erhöhen. Jeder Nachfrageschub durch das Wirtschaftswachstum wird daher die Auslastung und damit den Gewinn steigern“, erläutert MM-Warburg-Analyst Nils Machemehl.

Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 für das laufende und elf für das kommende Jahr ist die Aktie indes kein echtes Schnäppchen mehr. Doch die Finanzsituation des Konzerns ist ausgezeichnet: Lufthansa wird an der Börse mit 5,8 Mrd. Euro bewertet, verfügt aber über liquide Mittel von vier Mrd. Euro. Selbst nach Abzug der Verbindlichkeiten errechnen Analysten eine Nettoliquidität von rund einer halben Mrd. Euro zum Jahresende 2005. Das ist nicht nur ein Polster für das größte Kursrisiko, den weiter hohen Ölpreis. Die gute Finanzlage sichert auch die Dividendenzahlungen von geschätzten 0,30 Euro je Aktie für 2005 und 0,40 Euro für 2006, aus denen sich eine Dividendenrendite von 3,1 Prozent errechnet.

Zwar sind die meisten Fluglinien noch immer den Beweis schuldig, jenseits der zyklischen Auf und Abs nachhaltig Mehrwert für Aktionäre zu schaffen. Auch die Lufthansa notiert derzeit – bereinigt um Aktiensplits und Währungsumstellungen – auf einem Kursniveau, das die Aktie bereits 1966, 1986 und 1996 gesehen hat. Doch der langfristige Trend stimmt optimistisch: Bis 2025, schätzen etwa die Analysten der Deutschen Bank Research, wächst das globale Passagieraufkommen im Zuge der Globalisierung um im Schnitt vier Prozent im Jahr.

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