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01.02.2008

08:52 Uhr

Bulle & Bär

Mit dem miesen Januar ist es nicht getan

VonIngo Narat

Der Run auf "sichere Häfen" aus Angst vor den Folgen der Kreditkrise fordert seinen Tribut. Während bei Aktien die Hausse der vergangenen Jahre möglicherweise beendet ist, werfen Staatsbonds und Festgeld jetzt nur noch magerste Zinsen ab

FRANKFURT. Als hätte es nicht gereicht: der historisch einmalig schlechte Januar an den Aktienmärkten. So viel Verlust zum Jahresstart war noch nie. Bisher konnte man sich auf die Regel verlassen, dass der Monatsverlauf ein guter Indikator für das gesamte Jahr ist. Dieses Mal möchte man daran nur ungern erinnert werden. Aber der Anleger hat noch weit mehr zu leiden. Mit dem miesen Januar ist es nicht getan.

Zwar haben viele deutsche Privatanleger keine Aktien, vielmehr über die Maßen Zinsanlagen. Sie waren geschützt vor dem Sturm. Aber die Zukunft wird für alle Sparer härter, seien sie Aktienfreunde, Geldmarktfans oder den Zinspapieren zugeneigt. Bei Aktien ist die Hausse der vergangenen Jahre möglicherweise beendet. Anleihen bringen nach ihrem jüngsten Renditesturz nur noch geringe laufende Erträge. Der Run auf "sichere Häfen" aus Angst vor den Folgen der Kreditkrise fordert seinen Tribut. Deshalb werfen Staatsbonds und Festgeld jetzt nur noch magerste Zinsen ab.

Damit ist es bei den sicheren Häfen aber nicht getan. Zusätzlich knabbert die steigende Inflation an der ohnehin sinkenden Verzinsung. Es ist durchaus möglich, dass die realen Renditen - nominal minus Inflation - in negatives Terrain rutschen. Netto würde der Anleger dann verlieren. Die Amerikaner sind mit ihren Dollarpapieren nach Rechnung einiger Experten schon unter die Null abgetaucht.

Zu guter Letzt machen auch die Berater und Anbieter von Finanzprodukten Druck auf die Anleger. Bei Investmentfonds beispielsweise werden immer mehr neue Produkte mit zusätzlichen erfolgsabhängigen Gebühren an die Frau und den Mann gebracht, so wie es bei reinen Hedge-Fonds üblich ist.

Erst in dieser Woche warb Union Investment für einen globalen Aktienfonds, der in Maßen auch auf fallende Kurse setzen kann und damit als halber Hedge-Fonds daher kommt. Er greift neben einer laufenden Gebühr von jährlich 1,5 Prozent noch ein Viertel des Mehrertrages im Verhältnis zum Weltaktienindex ab. Das ist nicht unanständig, so lange der Anleger darüber informiert wird. Aber es zehrt an der Rendite.

Weniger kundenorientiert sind allerdings die veränderten Verkaufspraktiken in einigen Banken. So manches Finanzhaus steht wegen der Kreditkrise unter Druck. Cash muss her. Und das Geld muss vom Anleger kommen. Also schrauben die Banker die Umsatzvorgaben für ihre Berater nach oben. Scharf formuliert: Was in der Subprime-Misere verzockt wurde, sollen die Kunden wieder hereinbringen. Das kann klappen. Dann werden eben doppelt so viele Kunden wie bisher angerufen und in andere Produkte gedrängt - das bringt doppelt so hohe Gebühreneinnahmen.

Rettung verspricht nur die Beschäftigung mit Finanzfragen. Sonst wird der Anleger gleich mehrfach abgewatscht - und merkt es nicht einmal.

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