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29.03.2006

07:00 Uhr

Bulle & Bär

Neosino erzielt den Ausgleich

VonChristian Schnell

Zwei Gutachten hat der umstrittene Börsenneuling Neosino Nanotechnologies gestern vorgestellt, die beide bestätigen, dass dessen Produkte Nanopartikel enthalten.

FRANKFURT. Zur Erinnerung: Vor knapp drei Wochen hatte im ARD-Magazin „Panorama“ der Potsdamer Professors Markus Antonietti, der am dortigen Max-Planck-Institut den Nanoforschungsbereich leitet, behauptet, man könne statt der Neosino-Produkte auch Bolzplatzstaub schlucken. Das hätte die gleiche Wirkung. Nano-Partikel seien jedenfalls keine enthalten.

Die Experten Werner Kachler vom Zentrum für Wertstoffanalytik (ZWL) und Klaus Rödelsperger, emeritierter Professor an der Gießener Justus-Liebig-Universität, haben nun unabhängig voneinander das Gegenteil bestätigt und „vollflächig Nanopartikel in einer Größe von 10 bis 100 Nanometern“ gefunden.

Und nun? Sicher hat der nie um einen flotten Spruch verlegene Neosino-Vorstandschef Edmund Krix damit aus einem 0:1 kein 2:1 gemacht. Er hat aber zumindest ausgeglichen und in den Tagen nach dem Panorama-Bericht angekratzte Image des erst 16 Monate alten Unternehmens etwas zurecht gerückt.

Für die Investoren gilt jedoch: Sie sind nun auch nicht klüger als vorher. Fachlich nachvollziehen können sie schließlich weder die Messungen der einen noch der anderen Seite. Die schon bei der Börsenpremiere Anfang Januar hochspekulative Aktie ist eine äußerst riskante Wette geblieben. Damit unterscheidet sie sich in keiner Weise von zahlreichen anderen kleinen Wachstumswerten beispielsweise aus der Biotechnologie. Auch hier kauft der Anleger viel Phantasie, der oft nur wenig Umsatz und ein hoher Verlust gegenüberstehen.

Aktuell hat sich das Investment gelohnt, schließlich notiert die zu 55,55 Euro ausgegebene Aktie knapp ein Vierteljahr danach bei über 130 Euro. Den Rückschlag nach dem Panorama-Bericht, als sie um fast die Hälfte eingebrochen war, hat sie längst wett gemacht.

Vom ersten Anlegerskandal im noch jungen Entry Standard, den geschäftstüchtige Anwälte unmittelbar nach dem Panorama-Bericht schon vermuteten, kann jedenfalls keine Rede sein. Vielmehr werden sich die Anleger nun mit der Frage beschäftigen müssen, wie es denn mit dem Unternehmen Neosino, deren angeblicher Wunderprodukte und vor allem der Aktie weitergeht.

Parallelen zu Fußball tun sich erneut auf. Schließlich holte Neosino schon beim Börsengang Bayern-Stürmer Roy Makaay als werbewirksames Zugpferd mit aufs Parkett. Nun ist das Unternehmen wieder im Spiel. Der Ausgang ist offen. Dass Neosino jedoch erneut in Rückstand gerät, ist nicht auszuschließen. Die Auseinandersetzung, ob die Produkte die viel beschworenen Nano-Partikel enthalten und diese wiederum die entsprechende Wirkung auf Regeneration, Fitness und Schönheit haben, ist gerade erst eröffnet.

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