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08.01.2007

06:32 Uhr

Bulle & Bär

Russlands Gasgigant lockt

VonGerhard Mauerer

Man wird sich an Gazprom gewöhnen müssen. Nicht nur als Sponsor des Fußballbundesligisten FC Schalke 04, sondern auch als Gaslieferant – und als mögliches Investment. Zwar ist die Scheu vor russischen Einzelwerten gerade bei Privatanlegern groß, doch könnte es durchaus lohnen, sich Aktien des weltgrößten Erdgasförderers ins Depot zu legen.

MÜNCHEN. Gazprom, 1992 gegründet und 1998 in eine AG umgewandelt, ging aus dem Ministerium für Gasindustrie der Sowjetunion hervor. Noch heute übt die russische Regierung bedeutenden Einfluss auf das größte Unternehmen des Landes aus. Die russische Föderation hält gut die Hälfte der Aktien, Aufsichtsratschef ist der Putin-Vertraute und stellvertretende Ministerpräsident Dmitri Medwedew. Der Börsenwert des mit 330 000 Beschäftigten größten Arbeitgebers Russlands beträgt sagenhafte 206 Mrd. Euro – mehr als Eon, RWE, Deutsche Telekom und Volkswagen zusammen. Dabei ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2007 von gut elf im Branchenvergleich moderat.

Der hohe Börsenwert hat gute Gründe: Gazprom ist mit Abstand Weltmarktführer bei Gasexporten, fördert ein Fünftel der weltweiten Erdgasproduktion und verfügt über ein Sechstel der wirtschaftlich gewinnbaren Gasreserven der Welt. Hilfreich ist auch das Monopol auf Erdgasexporte aus Russland.

Dies gewährt Gazprom eine enorme Marktmacht – zu beobachten war dies erst kürzlich im Streit mit Weißrussland über Gaspreise. Die Weißrussen mussten klein beigeben und eine Preissteigerung um mehr als das Doppelte hinnehmen. Bereits im Vorjahr konnte Gazprom erhebliche Preiserhöhungen für Lieferungen unter anderem in die Ukraine durchsetzen. So verdoppelte sich das Nettoergebnis zur Hälfte des Geschäftsjahres 2006/07 zuletzt auf rund zwölf Mrd. Dollar. Die Analysten von Morgan Stanley errechneten kurz vor Weihnachten ein Aufwärtspotenzial für die Aktie von 36 Prozent und erwarten dank steigender Gaspreise eine positive Entwicklung des Papiers.

Der Einfluss der Regierung auf das Unternehmen erwies sich in der Vergangenheit trotz immer wiederkehrender Vorwürfe über Mauscheleien für Anleger als Vorteil. Während Gazprom selbst im Ausland stetig expandiert, hält Russland im Inland seine schützende Hand über den Konzern. Der Kreml weigert sich, die Europäische Energiecharta zu ratifizieren, die ausländischen Unternehmen mehr Zugang zu russischen Gasfeldern gewähren würde. Auf diese Weise genießt Gazprom daheim eine Quasi-Monopolstellung und kann im Ausland das erklärte Ziel verfolgen, der weltweit führende Energiekonzern zu werden. Dahin ist es ein weiter Weg. Exxon-Mobil bringt es auf eine Marktkapitalisierung von 325 Mrd. Euro. Doch viele Experten trauen der Aktie 2007 deutlich Kurssteigerungen zu. Morgan Stanley riefen das Papier zu einem ihrer Favoriten des Jahres aus.

gastautor@handelsblatt.com

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