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03.04.2012

15:44 Uhr

Bulle & Bär

Schluss mit der Kriegsrhetorik!

Politiker behelfen sich in der Euro-Krise mit Kriegsrhetorik, die Aussagen werden immer kurioser. Es stellt sich die Frage, was gruseliger ist, die Krise selbst oder der verbale und faktische Umgang mit ihr?

Bulle und Bär aus Plastik. ap

Bulle und Bär aus Plastik.

FrankfurtEuropas Politiker rüsten sich für den finalen Finanzkampf. In ihren Verbalattacken fahren sie bei der Ausdehnung des Euro-Rettungsschirms immer größeres Geschütz auf. Der Anleger reibt sich die Augen: Was soll man davon halten? Antwort: Es zeugt vom Ernst der Lage, die eigentlich eine Front-Lage ist. Der Kanonendonner dürfte bald wieder an den Börsen zu hören sein.

Die Kriegsrhetorik begann mit Diskussionen um die Feuerkraft des Rettungsschirms. Im Oktober forderte dann der britische Premierminister David Cameron die „große Bazooka“, um die Krise zu bekämpfen. Dann machte EZB-Präsident Mario Draghi im Februar mobil. Für ihn waren die enormen Geldspritzen der Notenbank ins Bankensystem die „Dicke Bertha“.

Das Geschütz aus dem Hause Krupp ist schon ein anderes Kaliber als eine Panzerfaust. Mit der monströsen Bertha traktierten die Deutschen im Ersten Weltkrieg den Feind. Woran Draghi sich aber hätte erinnern sollen: Bertha war ineffektiv und viel zu teuer. Auch diese Kriegsrhetorik war also nicht nur grundsätzlich unpassend, sondern gleichzeitig entlarvend, weil die Kriegswaffe nichts bewirkte.

Jetzt legt der französische Finanzminister noch eins drauf. François Baroin verglich den Rettungsschirm mit der „Atomwaffe im militärischen Bereich“. Die Abschreckung solle möglichst groß sein, um das Risiko zu verringern, dass schwache Länder der Euro-Zone von Spekulanten angegriffen würden.

Die Äußerungen der Politiker werden immer absurder. Der Atomvergleich und seine Begründung offenbaren schlichte Unkenntnis der Lage. Das Kernproblem ist schließlich die Überschuldung der Staaten. Anleger legen mit ihren Dispositionen genau diese Schwäche offen. Politiker dagegen machen Spekulanten zum Schuldigen, um von der eigenen Verantwortung abzulenken. Man muss sich fragen, was beunruhigender ist: Die Krise an sich oder der verbale und faktische Umgang der Politiker mit ihr.

Die Politiker können jetzt kein größeres Geschütz mehr auffahren. Nur noch der Todesstern aus der Star-Wars-Filmreihe hat größere Feuerkraft als die Atomwaffe. Aber Kommandeur Darth Vader gehört zu den Bösen. Das macht die Fiktion realistisch: Der Todesstern und damit die Überschuldung bedrohen die Welt. Die Waffe ist die Gefahr, sie ist nicht die Rettung. Leider fehlt uns ein Luke Skywalker, der den Todesstern ausschalten kann.

Wir müssen uns deshalb auf stark schwankende Kurse an den Finanzmärkten einrichten. Politiker und ihre Aktionen werden dabei eine Rolle spielen. Für den Anleger heißt das: defensiv anlegen. Auf dass die Macht mit ihm sei.

Von

ina

Kommentare (3)

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aspi

03.04.2012, 16:49 Uhr

Leider ist dem noch hinzuzufügen: genauso skrupellos, wie die Presse in den 30er Jahren die Völker in den Krieg gehetzt hat, ist die Presse jetzt wieder: Die "Schuldigen" im Ausland, ohne die es im Inland natürlich viel besser ginge, die anderen, die immer alles falsch machen und unsere eigene Zukunft zerstören. Die unfähigen Politiker, die natürlich immer alles falsch machen, egal, was sie machen, und nicht zuletzt die bösen geldgierigen Banker, die die wahren Mächtigen dieser Welt sind und Ursache für das Elend dieser Welt...

Mazi

03.04.2012, 17:36 Uhr

Die Politiker sind peinlicher und legen die Mängel unseres demokratischen Systems schonungslos offen.

Die Sache mit der Immunität muss weg. Es darf kein deutsches Steuergeld zur Finanzierung von Straftaten eingesetzt werden. Das sind wir unseren Vorfahren, die das Grundgesetz schufen so wie es einst war, schuldig. Der neue Bundespräsident hat auch sicherlich mit Überlegung genau auf diesen Text seinen Eid geleistet.

SurfDieKriseDieKeineIst

03.04.2012, 23:23 Uhr

Welche Krise? Weil auch Staaten jetzt den Basel 1, 2, 3 Bummerang bekommen? Geschieht denen nur Recht.

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