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28.01.2010

06:58 Uhr

Bulle & Bär

Schwellenländer werden zur Spielwiese für Spekulanten

VonFrank Wiebe

Über die Schwellenländer wird im Moment nicht nur ungeheuer viel geredet, es fließt auch eine Menge Geld in die Regionen. Doch die schnelle Erholung bringt auch Risiken mit sich. Ein Teil des Kapitals, das in diese Länder fließt, sucht nämlich keine langfristige Anlage, sondern springt nur kurzfristig auf den Zug auf.

DÜSSELDORF. Über die Schwellenländer wird zurzeit nicht nur ungeheuer viel geredet - in Davos und anderswo. Es fließt auch eine Menge Geld in die Regionen, wie die Zahlen und die Prognosen des Großbankenverbands IIF zeigen: Die Flut des privaten Kapitals steigt demnach von 435 Mrd. Dollar im vergangenen auf fast 800 Mrd. Dollar im kommenden Jahr. Und das Bruttoinlandsprodukt der 30 größten Schwellenländer wird laut IIF 2011 etwa 57 Prozent des Werts der USA, der Euro-Zone und Japans zusammen erreichen.

Zugleich warnt das IIF aber ebenso wie der Internationale Währungsfonds davor, dass mit der schnellen Erholung der Schwellenregionen auch Risiken verbunden sind. Ein Teil des Kapitals, das in diese Länder fließt, sucht keine langfristige Anlage, sondern springt nur kurzfristig auf den Zug auf. Damit könnten die Märkte nervöser werden, außerdem steigt die Gefahr politischer Interventionen.

Die Schwellenländer sind alles andere als ein einheitlicher Block. Nicht nur, dass die Konjunkturaussichten unterschiedlich sind: starkes Wachstum vor allem in Asien, mit Abstrichen auch in Afrika, aber deutlich weniger in Osteuropa. Hinzu kommen die Aufsplitterung in viele Währungsräume und die Tatsache, dass in den meisten Ländern, selbst in China, die Kapitalmärkte noch recht unterentwickelt sind. Daher haben diese Märkte nur eine begrenzte Aufnahmefähigkeit für spekulatives Kapital.

Fließt zu schnell zu viel Geld in sie hinein, dann kann zweierlei passieren. Entweder die Regierung begrenzt - wie etwa Brasilien - künstlich den Zufluss, oder sie versucht wie China den Boom zu dämpfen. In der Nach-Finanzkrisen-Ära wird derartige Maßnahmen auch niemand mehr im Brustton der Überzeugung als marktfeindlich verdammen können. Auf diese Weise holen sich Investoren in Schwellenländern aber immer auch ein politisches Risiko ins Depot.

Nicht auf Modetrends setzen

Die andere Gefahr: Einzelne Schwellenmärkte überhitzen sich. Das kommt einer klassischen Blase gleich - auch wenn man noch nicht von einer großen Blase im gesamten Bereich der Schwellenländer ausgehen muss.

Für Anleger ergeben sich zwei Konsequenzen. Erstens werden die Schwellenregionen für jeden, der wirklich global investieren möchte, zu einem Kerninvestment. Je mehr ihr wirtschaftliches Gewicht steigt, desto weniger kann man sie nur als "Abrundung" des Depots ansehen. Auf der anderen Seite sollten Investoren aber auf eine vernünftige Streuung innerhalb des Sektors achten und sich hüten, zu spät einzelnen Modetrends aufzusitzen. Wenn Länder von den Marketingabteilungen der Banken entdeckt werden, kann es häufig schon zu spät sein.

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