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19.07.2011

13:07 Uhr

Bulle & Bär

Sehnsüchtiges Warten auf die Lösung der Krise

VonChristian Schnell

Die Märkte wollen endlich ein neues Thema – die Schuldenkrise zieht schon viel zu lange die gesamte Aufmerksamkeit von Anlegern und Wissenschaftlern, Banken und Versicherern auf sich.

Die Impulse für die Märkte sind dieser Tage stets die selben. Quelle: ap

Die Impulse für die Märkte sind dieser Tage stets die selben.

Frankfurt Die Frage ist relativ leicht zu beantworten: Welche Themen beherrschen momentan die Märkte? Die Schuldenkrise, weltweit natürlich. Aber danach muss man schon überlegen. Die Quartalssaison in den USA hat gerade begonnen, noch nicht mit der ganz großen Medienpräsenz. Die Banken-Stresstests, zuletzt mit überraschend großer Medienwirkung, sind schon wieder um die Ecke. Und dann gibt es noch die Diskussion über Sinn und Unsinn von Ratings und den Agenturen, die diese vergeben. Abgerundet wird alles von den üblichen Konjunkturnachrichten – eine Art Wasserstand der wirtschaftlichen Befindlichkeit.

Womit wir wieder bei der Schuldenproblematik wären – dem Dauerbrenner der vergangenen 15 Monate. Damals, im Mai 2010, kamen erstmals die Probleme von Griechenland ans Licht. Es folgten andere Staaten wie Portugal, Irland, Spanien und Italien. Japan und die USA vervollständigen das Bild einer Welt, die rundherum verschuldet ist. Und deren Lage sich im Moment gerade weiter zuspitzt.

An den Märkten steht dieses Thema im Moment aus Mangel an anderen bedeutenden Ereignissen an allererster Stelle. Es zeigt den Ernst der Lage, aber noch viel mehr, nämlich dass man sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich eine Lösung präsentiert zu bekommen. Aktuell geht es von einem Sondergipfel zum nächsten, ohne dass eine Lösung in Sicht wäre.

Die Reaktion ist stets absehbar

Die Märkte reagieren jedes Mal mit Erleichterung, wenn es mal wieder so etwas wie eine Entscheidung geben könnte, um sich im Gegenzug sofort wieder in ihren Schmollwinkel zu verziehen, wenn es damit erneut nichts geworden ist. Dieses Spiel wird sich so lange fortsetzen, bis die Politiker endlich eine Lösung, vor allem eine tragfähige, geschaffen haben.

Die Märkte sind dabei schon weiter als diejenigen, die regieren. Immer mehr Banken und Versicherer, Wissenschaftler und Anleger bringen Vorschläge für eine Umschuldung. Sie wollen dieses leidige Thema endlich loswerden, ehe es Dimensionen annimmt, die sie nicht mehr bewältigen können.

Noch eine zweite Lösung wäre denkbar, täte sich unerwartet an den Märkten ein neues, viel gewaltigeres Thema als die Schuldenkrise auf. Ein Thema, das erstens ein großes Überraschungsmoment hätte – und zweitens eine Dimension mit globaler Bedeutung. Dann würden sich Börsianer darauf stürzen. In den vergangenen Monaten gab es das schon mehrmals, nach dem Beben in Japan oder den Unruhen in Nordafrika beispielsweise. Stets war dann die Schuldenkrise temporär nur ein Nebenschauplatz. Aber auch stets hatte man es zu dieser Zeit versäumt, mit deutlich weniger Öffentlichkeit als im Moment eine Lösung vorzubereiten.

Die Märkte sehnen sich nach einem neuen Thema. Davor liegt es an den Politikern, das bisherige Leitthema endlich zu lösen.

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