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20.06.2011

08:14 Uhr

Bulle & Bär

Spekulanten nehmen Spanien ins Visier

VonIngo Narat

Die Rettung Griechenlands dürfte schwierig werden und auch Spanien und Italien wackeln. Anleger sollten Kurs auf den sicheren Hafen nehmen.

Demonstrant in Griechenland. Quelle: dapd

Demonstrant in Griechenland.

FrankfurtFernsehbilder strahlen häufig eine Schweinwirklichkeit aus. Die kurzen Filmsequenzen über das Treffen der deutschen Kanzlerin mit dem französischen Präsidenten sind ein gutes Beispiel. Die Länderführer verbreiten beste Stimmung nach ihrem Griechenland-Deal. Die Botschaft soll sein: Es wird alles gut.

Erneut versuchen sich die Politiker an einer sogenannten Rettung. Die Rettung wurde schon mehrere Male ausgerufen, und jedes Mal musste man anschließend feststellen, dass die Lage schlimmer war als vorher. Nun soll es also anders werden.

Die Börsianer lassen sich von den Fernsehbildern nicht täuschen. Sie schauen auf die nackten Zahlen, auf die Wirtschaft und den Staatshaushalt. Da sieht es desolat aus. Vor allem aber fehlt die Perspektive für den großen Schwung nach vorne. Es mangelt einfach an ökonomischer Substanz. Zyniker mögen anmerken, der Euro wird jetzt zum Codewort für „eine unmögliche Rettungsoperation“.

Unterdessen haben die Börsianer schon ihren nächsten Wackelkandidaten innerhalb der Euro-Zone ausgemacht. Es ist Spanien. Die Renditen der zehnjährigen Staatstitel stoßen seit Monaten immer wieder bei rund fünfeinhalb Prozent an eine Decke. Höhere Renditen würden aus charttechnischer Sicht und damit bei reiner Betrachtung des Kurvenverlaufs bedeuten: Gefahr im Verzuge.

Auch Italien wackelt. Erst am Wochenende drohte die Ratingagentur Moody’s dem Land mit einer Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit.

Viele Warnsignale legen eine defensive Anlagestrategie nahe

Von einer wirklichen Lösung der Probleme der Euro-Zone sind die Politiker weit entfernt. Gleichzeitig drängen die Staatsschuldenprobleme auch in anderen Teilen der Welt, insbesondere den USA. Zu allem Überfluss drohen wichtige Volkswirtschaften mit Konjunkturabschwächungen. Per saldo kann das nur heißen: Es ist nicht die Zeit für mutige Investments.

Die Anleger beginnen, das zu erkennen. Sie senken ihre Risiken. Ein Warnsignal liefert beispielsweise der große Markt für hochverzinsliche und risikoreiche Dollar-Ramschanleihen von Unternehmen. Dieser Markt war bisher eine Fluchtburg für Anleger, die mit den Minizinsen erstklassiger Anleihen nicht zufrieden waren. Aber jetzt ziehen sich die Anleger zurück: Die Kurse der Ramschbonds sacken durch.

In so einem gefährlichen und kaum kalkulierbaren Umfeld ist Kapitalerhalt für einen typischen Privatanleger wichtiger als die Jagd nach hohen Renditen. Im Depot sollten vor allem Bundesanleihen und Edelmetalle höhere Anteile haben.

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