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25.01.2008

11:20 Uhr

Bulle & Bär

T-Aktie nur eine kurze Wette

VonUlf Sommer

Den heftigsten Januar-Sturm in der Geschichte der Deutschen Börse hat die Deutsche Telekom beinahe schadlos überstanden - vergleicht man ihren Kursverlust mit dem des Dax. Letzterer fiel seit Jahresbeginn um 15 Prozent. Die T-Aktie hat nur halb so veil verloren. Experten wissen auch warum und wie es weitergeht.

DÜSSELDORF. Das ist rekordverdächtig: Seit Jahresanfang verliert der Deutsche Aktienindex (Dax) 15 Prozent. In weniger als vier Wochen geht mehr Rendite verloren, als sich mit Staatsanleihen in drei Jahren erzielen lässt. Doch ausgerechnet im größten Januar-Sturm aller Zeiten hält sich die in der Vergangenheit arg gerupfte T-Aktie erstaunlich souverän. Sie verliert "nur" halb so viel an Wert. Dass damit jedoch die lange Durststrecke für die Telekom-Aktionäre endet, erscheint eher unwahrscheinlich.

Rund 260 Prozent legte der Dax zwischen den Jahren 2003 und 2007 zu - doch dieser Höhenflug ging komplett an den Anteilseignern der Deutschen Telekom vorbei. Wie ein schwerer Klotz pendelte der Kurs in den vergangenen fünf Jahren zwischen zehn und 17 Euro. In besten Zeiten waren es 104 Euro. Doch jetzt entpuppt sich dieser Klotz als Fels in der Brandung. Während die Aktien der boomenden Industrie-Unternehmen wie MAN, Daimler und Siemens um mehr als 20 Prozent seit Jahresbeginn einbrechen, von der Halbierung der Hypo Real Estate ganz zu schweigen, zählt die T-Aktie zu den Top-Titeln im Dax 30.

Doch Vorsicht: In Zeiten wie jetzt versilbern Anleger ihre Aktien und retten, was zu retten ist. Deshalb verlieren jahrelange Gewinner besonders stark an Wert. Weil es aber bei der T-Aktie nichts zu holen gibt, braust der Sturm an ihr vorbei. Sobald der Orkan vorüber ist, und sei es nur eine kleine Unterbrechung zum Luftholen, zeigt sich, was der Fels wert ist. Der gestrige Tag gibt einen Vorgeschmack: Der Dax legt sechs Prozent zu, doch die T-Aktie gehört mit nicht mal drei Prozent relativ gesehen zu den "Verlierern".

Viel spricht dafür, dass die Aktie auch dann nicht zu den Gewinnern gehört, wenn es an den Börsen wieder dauerhaft bergauf geht. Denn an den schlechten Voraussetzungen ändert sich wenig. Mit seinem hohen Personalbestand kann der Ex-Staatskonzern den aggressiven Billiganbietern preislich kein Paroli bieten. Umsätze und Margen bleiben unter Druck.

Um Anleger überhaupt noch bei der Stange zu halten, schüttet die Telekom den gesamten Nettogewinn aus - und gibt noch etwas oben drauf. Die hohe Dividendenrendite schützt zwar vor weiteren Kursverlusten, weil sie bei über fünf Prozent liegt. Doch Kürzungen sind programmiert, sollte der Gewinn sinken.

Zugegeben, in konjunkturell unsicheren Zeiten wie jetzt sind solch defensive Branchen wie die Telekommunikation nicht die schlechteste Wahl. Telefoniert wird schließlich immer. Ja, eigentlich gibt es im Moment keine erfolgversprechendere Branche. Schließlich hebt sich der Telekomsektor von anderen Klassikern wie Pharma und Energie positiv ab, weil Aktien aus dem europäischen Telekomsektor seit Jahren allen anderen hinterherlaufen.

Doch das sind nur Argumente, warum die T-Aktie in der Krise weniger als die anderen verliert. Eine Trendwende sieht anders aus-und die ist bislang nicht in Sicht.

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