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04.01.2008

18:15 Uhr

Bulle & Bär

Treffsichere Prognosen für Anleiherenditen

VonAndrea Cünnen

Mit den Prognosen für die Entwicklung der Anleiherenditen haben Fachleute schon häufig falsch gelegen. Nicht so im vergangenen Jahr. Volkswirte sagten voraus, dass die zehnjährigen Kapitalmarktzinsen im Euro-Raum nur moderat steigen würden. Und sie hatten Recht.

FRANKFURT. Von Frühjahr bis zum Sommer wurde den Zinsauguren zwar etwas mulmig zumute, als überraschend positive US-Konjunkturdaten die Anleihen in der Gunst der Anleger sinken ließen und damit die Renditen kräftig stiegen. Dann kam jedoch die Subprime-Krise und mit ihr die Ängste vor einer Abschwächung der US-Wirtschaft und die Flucht in sichere Anlagen. Die Renditen sanken wieder deutlich. Erst die Furcht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen - anders als die US-Notenbank - doch nicht senken oder sogar noch erhöhen könnte, ließ die Renditen zum Jahresende wieder etwas steigen.

Unter dem Strich liegen zehnjährigen Bundesanleihen derzeit mit einer Rendite von 4,2 Prozent etwas über ihrem Stand von Ende 2006. Der Renditeanstieg beziehungsweise Kursrückgang war jedoch moderat, so dass den Anlegern im Schnitt noch ein positiver Gesamtertrag von knapp zwei Prozent aus Zinseinnahmen und Kursentwicklung blieb.

Für das laufende Jahr prognostizieren die Kapitalmarktexperten wiederum, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe in etwa auf dem aktuellen Niveau verharren dürfte. Die Chancen, dass sie damit erneut richtig liegen, stehen gut. Gegen deutlich sinkende Renditen spricht, dass die EZB angesichts der höheren Inflation die Leitzinsen allenfalls leicht senken kann, um die Konjunktur zu stützen. Im Euro-Raum gibt es zudem keine Rezessionsängste. Für die USA sehen Volkswirte zwar Rezessionsgefahren, aber nicht als Hauptszenario.

Gegen deutlich steigende Renditen spricht aber, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr wohl langsamer wachsen wird als in den vergangenen Jahren und sich die Folgen der Subprime-Krise erst noch genauer in den Unternehmensbilanzen - allen voran denen der Banken - zeigen werden. Deshalb werden auch die Währungshüter im Euro-Raum die Leitzinsen trotz der Warnungen vor einer anhaltend höheren Inflation wohl kaum erhöhen.

Privatanleger sollten sich bei der Geldanlage in Staatsanleihen dennoch nicht auf zehn Jahre festlegen. Dafür sind die Renditeunterschiede zwischen lang- und kurzlaufenden Anleihen nach wie vor zu gering. Zehnjährige Bundesanleihen werfen gerade mal 0,4 Prozentpunkte mehr Rendite ab als Zweijährige. Schon im vergangenen Jahr, als die langlaufende Anleihen zeitweise sogar etwas weniger Rendite brachten als Kurzläufer, waren deshalb Anleihen mit kurzer Laufzeit bei den Investoren besonders gefragt. Bundesanleihen mit Laufzeit von ein bis drei Jahren brachten den Anlegern wegen der auch auf Jahressicht gestiegenen Kurse einen Gesamtertrag von 3,8 Prozent und damit fast doppelt so viel wie zehnjährige Zinspapiere.

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