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14.02.2006

07:01 Uhr

Bulle & Bär

Undurchsichtige Fonds-Zertifikate

VonAnke Rezmer

Die Fondsanbieter wollen unbedingt am Boom der Zertifikate-Branche teilhaben. Dafür legen sie sogar selbst die einst gescholtenen Konkurrenz-Produkte auf. Als erstes Fondshaus bietet die Allianz-Tochter Dit zusammen mit der Dresdner Bank ein Fonds-Zertifikat an.

FRANKFURT. Dem Anleger wird bei diesem Hybrid-Produkt kein typisches Zertifikat angeboten, dass auf die Wertentwicklung von Börsenindizes wettet. Diese Papiere kommen wie ein steueroptimierter Dachfonds mit begrenzter Laufzeit daher: Die Investoren partizipieren an der Wertentwicklung eines Index, der aus Fonds gebildet wird. Die Anbieter setzen dabei auf verschiedene Märkte gleichzeitig (Rainbow-Struktur) oder decken ein bestimmtes Thema wie Osteuropa ab.

Das neue Dit-Dresdner-Bank-Zertifikat bezieht sich zum Beispiel auf feste Anteile von fünf Dit-Rentenfonds sowie eines Dit-Aktien- und -Rohstoff-Fonds. Die im Vergleich zum Dachfonds fehlende aktive Steuerung des Portfolios versuchen einige Anbieter auszugleichen, indem sie die Gewichtung der Fonds im Zertifikat erst am Ende der Laufzeit festgelegen. Einige Zertifikateemittenten wie ABN Amro wählen dabei von unabhängigen Research-Firmen gut bewertete Fonds aus. Andere bestücken die Zertifikate dagegen nur mit konzerneigenen Fonds - was angesichts der großen Qualitätsunterschiede im Markt ein zweifelhaftes Konzept ist.

Ein Minuspunkt ist auch, dass der Anleger bei den gut dreißig Zertifikate, die am Markt sind, nur schwer ermitteln kann, welche Kosten außer der Management-Gebühr und dem Ausgabeaufschlag von bis zu dreieinhalb Prozent auf ihn zukommen. Knackpunkt dabei sind die indirekte Kosten: Die Zertifikate-Inhaber nehmen nicht zwingend voll an der Wertentwicklung der Fonds teil, sondern können etwa eine geglättete Performance erhalten, die an bestimmten Stichtagen ermittelt wird. Oft müssen sie zudem auf die Ausschüttungen der Fonds verzichten. Damit und mit dem Ausgabeaufschlag finanzieren die Zertifikateemittenten das Konzept des Zertifikats. Zu welchem Anteil diese Gebühren aber investiert beziehungsweise einbehalten werden, ist meist nicht festzustellen.

Die Kernfrage bleibt, ob sich diese Hybrid-Produkte am Ende lohnen. Rückrechnungen ergeben, dass Anleger mit Rainbow-Strukturen in den vergangenen vierzehn Jahren knapp sieben Prozent pro Jahr erwirtschaftet hätten, wie die Hypo-Vereinsbank für ihr neues „Best of Fonds Zertifikat“ ermittelt. Einfache, konservative Mischfonds, der auf Aktien und Anleihen setzte sowie Rohstoff-Fonds, brachten es in dieser Zeit in der Spitze auf Renditen von gut acht Prozent. Dem Investor bleibt der Steuervorteil des Zertifikates, deren Erträge - zumindest die Bundesregierung ihre Pläne für eine Abgeltungssteuer noch nicht umgesetzt hat - nach einer Frist von zwölf Monaten steuerfrei sind.

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