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10.01.2011

07:15 Uhr

Bulle & Bär

Unerhört, was manche Hellseher vorhersagen

VonJörg Hackhausen

Es ist doch in jedem Jahr dasselbe Spiel. Rund um den Jahreswechsel veröffentlichen die Banken ihre Prognosen für die kommenden zwölf Monate. Die meisten Kommentare sind nicht weiter lesenswert. Auf wundersame Weise gleichen sich darin nicht nur die Kursziele für Dax und Co, sondern auch die Argumente, die dafür ins Feld geführt werden. Einige wenige aber ragen heraus aus der Masse.

FRANKFURT. Der Dax steigt auf 9.000 Punkte. Wenn das mal keine mutige Ansage ist. Sie kommt von den Analysten von Silvia Quandt Research. Die meinen, der deutschen Wirtschaft gehe es so hervorragend, dass die Kurse einfach steigen müssen. Mit ihrer Prognose lehnen sich die Analysten weiter aus dem Fenster als alle anderen - und sorgen damit zumindest für etwas Abwechslung.

Bemerkenswert liest sich auch ein Kommentar von Investec Asset Management. Darin heißt es: "Ein Zerfall der Euro-Zone würde sich positiv auf Wirtschaft und Aktienmärkte der betroffenen Länder auswirken. Chaos und Krise sollten eine Chance bieten, die Aktienquote zu erhöhen und wieder in die Euro-Länder sowie den Finanzsektor zu investieren." Investoren sollten nicht zögern und auf bessere Gelegenheiten warten, rät Investec. Gewagt? Sicher. Nützlich? Unbedingt. Jedenfalls als Marketing-Gag.

Kleine Banken wollen auffallen

Wer in dieser Reihe auch nicht fehlen darf, ist die Saxo Bank. Die macht sich jedes Jahr den Spaß, so abgefahrene Vorhersagen zu veröffentlichen, dass ihr am Ende keiner übel nimmt, wenn sie sich als falsch erweisen. Die sogenannten "Outrageous Predictions", zu deutsch: Unerhörte Vorhersagen, sind das Markenzeichen der Saxo Bank. So richtig ernst kann man die zehn Thesen nicht nehmen, aber jeder liest sie gerne.

Für das Jahr 2010 warnten die Dänen vor exzessiver Geldpolitik und sagten eine Flucht in Sicherheit voraus. Die Rendite für Bundesanleihen werde bis auf 2,25 Prozent fallen. Ein guter Tipp. In anderen Punkten lag die Bank indes ziemlich daneben. Mal sehen, wie sich die dänischen Hellseher in diesem Jahr schlagen. Die Prophezeiung für dieses Jahr klingt schon mal vielversprechend: Getrieben von billigem Geld der Notenbanken wird der amerikanische S&P 500 ein Allzeithoch bei 1.600 Zählern erreichen, der russische Aktienindex RTS wird um fast 1.000 Zähler auf 2.500 Punkte zulegen und der Goldpreis bis auf 1.800 Dollar klettern.

Auffällig ist, dass die auffälligsten Prognosen von kleineren Häusern kommen. Die müssen sich nun mal etwas einfallen lassen, damit man sich ihren Namen merkt. Andererseits sei ihnen etwas Aufmerksamkeit gegönnt. Immerhin können sie sich trauen, woran die Analysten der großen Banken nicht mal denken dürfen. Und amüsanter zu lesen sind die Kommentare allemal.

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