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12.01.2010

06:55 Uhr

Bulle & Bär

Warum Anleihen mit Inflationsschutz derzeit kaum lohnen

VonAndrea Cünnen

Viele Anleger fürchten eine steigende Inflation. Kein Wunder: Notenbanken und Regierungen haben weltweit Tausende von Milliarden Dollar in das Finanzsystem gepumpt. Weil aber spezielle, inflationsindexierte Anleihen so gefragt sind, sind die realen Renditen äußerst niedrig.

FRANKFURT. Viele Anleger fürchten eine steigende Inflation. Kein Wunder: Notenbanken und Regierungen haben weltweit Tausende von Milliarden Dollar in das Finanzsystem gepumpt. Da liegt zumindest der Verdacht nahe, dass die Staaten eine höhere Inflation anstreben, um ihre Schulden zu mindern. Noch sind die Teuerungsraten indes moderat. So meldete die Statistikbehörde Eurostat für den Euro-Raum im Dezember einen Anstieg der jährlichen Verbraucherpreise von gerade mal 0,9 Prozent. Von April bis Oktober waren die Verbraucherpreise sogar gesunken.

Dass die Investoren mittelfristig steigende Teuerungsraten fürchten, lässt sich daran ablesen, dass sie verstärkt inflationsindexierte Anleihen kaufen. Deren Kurse sind zuletzt gestiegen, während die Kurse von herkömmlichen Staatsbonds - zumindest bei längeren Laufzeiten - unter Druck gerieten.

Inflationsindexierte Anleihen - in der Fachsprache auch kurz Linker genannt - bieten niedrigere Zinsscheine als herkömmliche Bonds. Dafür werden die Zinskupons und Rückzahlungsbeträge regelmäßig an die Inflationsrate angepasst. Mit den Anti-Inflationsbonds sichern sich Anleger somit eine reale Rendite. Weil diese speziellen Anleihen aber so gefragt sind, sind die realen Renditen inzwischen äußerst niedrig. So rentiert die in gut sechs Jahren fällige inflationsindexierte Bundesanleihe (ISIN: DE0001030500) mit gerade mal 0,79 Prozent.

Teuerungserwartungen gestiegen

Für eine herkömmliche Bundesanleihe (ISIN: DE0001135291) mit sechs Jahren Restlaufzeit bekommen Investoren mit 2,72 Prozent zwar auch nicht viel Rendite. Sie stehen mit dem inflationsgeschützten Papier aber nur dann besser da, wenn die Verbraucherpreise über den gesamten Zeitraum im Schnitt jährlich um mehr als 1,93 Prozent steigen. Genau diese auch Break-Even-Rendite genannte Inflationserwartung lässt sich aus den Renditeunterschieden zwischen herkömmlicher und inflationsindexierter Anleihe ablesen. Vor zehn Monaten Jahr lag die Break-Even-Rendite noch bei nur knapp 0,3 Prozent.

Allerdings sieht es nicht danach aus, dass die Inflation auf absehbare Zeit deutlich steigt. Ein Grund dafür ist, dass die schlimmste Rezession der Nachkriegszeit die Arbeitslosigkeit deutlich erhöht hat. Das hat den Anstieg der Löhne - neben den Ölpreisen der wichtigste Faktor in der Preiseintwicklung - sinken lassen. Und daran dürfte sich zumindest in der nächsten Zeit kaum etwas ändern.

Zudem sollten Anleger mit dem Kauf von Staatsanleihen generell abwarten. Denn wenn sich zum Beispiel abzeichnet, dass die Notenbanken die Leitzinsen erhöhen, werden die Renditen von Staatsanleihen - egal ob inflationsindexiert oder nicht - anziehen.

Kommentare (2)

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Jonas

12.01.2010, 14:03 Uhr

Wahnsinn, die lobbykontrollierten Desinformationszeitschriften raten von inflationspapieren ab.

Leute, kauft die Papiere, jetzt geht's mit der inflation los!

Klaus

07.08.2010, 21:11 Uhr

"...nicht danach aus, dass die inflation auf absehbare Zeit deutlich steigt..."

Da gehen die Expertenmeinungen aber deutlich auseinander. Grundsätzlich sollte man dem Anleger hier die Entscheidung überlassen, je nachdem wie er zum Thema steht. Grundsätzlich ist diese Anleihe eine interessante Konstruktion.

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