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19.04.2011

09:57 Uhr

Bulle und Bär

Warum der Goldpreis weiter steigt

VonIngo Narat

Der Goldpreis wird wohl noch weiter steigen - denn die Großanleger investieren weiter und suchen Schutz in dem Edelmetall. Die magische Grenze von 1500 Dollar ist nur ein Zwischenschritt.

Gold ist derzeit ein begehrter Rohstoff. Quelle: Reuters

Gold ist derzeit ein begehrter Rohstoff.

FrankfurtUnbeirrt klettert der Goldpreis von einem Rekord zum nächsten. Jetzt sind die 1500 Dollar pro Unze in Reichweite. Beim Start der großen Hausse zur Jahrtausendwende kosteten die 31 Gramm noch rund 250 Dollar. Der staunende Beobachter fragt sich: Wo ist denn Schluss? Kurze Antwort: noch lange nicht.

Bisher ist kaum ein Großanleger investiert. Die wichtigen amerikanischen Pensionsfonds beispielsweise haben weniger als 0,2 Prozent ihres Kapitals in Gold gesteckt. Noch ein Argument pro Gold: Der Welt-Aktienmarkt ist etwa 30 Billionen Euro groß. Der Welt-Anleihemarkt kommt auf rund 65 Billionen Euro. Für den investierbaren Goldbestand in Form von Barren, Goldfonds, Münzen gehen die Schätzungen Richtung 0,2 Billionen Euro. Anders gesagt: Weit unter einem Prozent des reinen Wertpapiervermögens steckt bisher in Gold. Aber da rollt eine Welle heran. Die Ängste vor den Folgen exzessiver Staatsverschuldung und Geldvermehrung durch die Notenbanken wachsen. Immer mehr Anleger fürchten sich vor Staatspleiten und Inflation. Gold dagegen ist seit Menschengedenken ein sicherer Hafen.

Es gibt erste Pioniere unter den Investoren. Der Stiftungsfonds der Universität von Texas mit 20 Milliarden Dollar Kapital hat eine knappe Milliarde in Gold angelegt – weit mehr als der Branchenschnitt. Er besaß Terminkontrakte, das heißt Zusicherungen auf eine Lieferung von fast 7000 Barren. Aber die Fondsmanager hatten Angst vor einer Goldknappheit, denn es werden viel mehr dieser Verpflichtungen gehandelt, als tatsächlich Gold vorhanden ist. Deshalb ließen sie sich das Metall jetzt ausliefern. Wenn das Beispiel Schule macht, wird der Goldpreis in ganz andere Dimensionen vorstoßen.

Ausgebremst wurde hingegen ein Fonds in den Niederlanden. Die Zentralbank zwang den 300 Millionen Euro schweren Pensionsfonds der Glasarbeiter, einen Großteil seines Goldbestands von 13 Prozent des Kapitals zu verkaufen. Ein so hoher Bestand sei mit den Verpflichtungen gegenüber den künftigen Altersgeldempfängern unvereinbar, hieß es. Die Zentralbank argumentierte, Gold sei ein Rohstoff und unterliege zu hohen Preisschwankungen. Für den Fonds dagegen ist Gold eine Form von Geld. Der Entscheid ist ein Skandal. Gold ist Geld und hat diese Funktion über Jahrtausende behalten. Sein Wert kann nicht durch Zentralbanker oder Politiker verwässert werden – im Gegensatz zu Euro, Dollar und Co.

Die Notenbank wird die Hausse nicht aufhalten können. Sie misst übrigens mit zweierlei Maß. Wie andere Notenbanken hält sie das Gros ihrer eigenen Reserven in Gold. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
 

Kommentare (4)

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Fisiko

19.04.2011, 12:34 Uhr

Wann werden die Bürger endlich lernen, dass die Zentralbanken überflüssig, nein, sogar schädlich sind? In guten Zeiten sorgen sie nicht für Stabilität und in Krisen nehmen sie den Bürgern die letzten Reserven a) per Inflationieren der Währung und b) per verbrecherischer Gesetzgebung (siehe das Beispiel NL-Fond)

Inflation

19.04.2011, 12:45 Uhr

Gold ist werthaltig - Fiat-Money nicht.
Wenn der Goldpreis nicht schon Jahrzehnte manipuliert werden würde, wäre schon längst Ende mit der inflationären Geldvermehrung

keeper

19.04.2011, 12:55 Uhr

ja, was ist denn hier los?!

... als nächstes hinterfragt das Handelsblatt noch den Lagerort der deutschen Goldreserven,
und fordert mit einem lautstarken Appell in der Überschrift:

"Frau Merkel, holen Sie unser Gold zurück!"


p.s.: für alle, die es noch nicht wussten: das deutsche Gold lagert mehrheitlich in den USA (und es gibt skeptische Beobachter, welche behaupten, der Großteil diesen Goldes wurde und wird auf den Markt geworfen, um den Goldpreis zu drücken und den Verfall des Papiergeldes zu kaschieren - ist also längst weg, und wird nur noch als "Goldforderungen" in den Büchern der Bundesbank geführt...)

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