Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.10.2011

11:08 Uhr

Bulle & Bär

Was Banker und Hells Angels gemeinsam haben

VonChristian Schnell

Die Protestaktion "Occupy Wall Street" grenzt Banker mit einem Symbol ab, das auch die amerikanischen Motorradrocker für sich nutzen: 1 Prozent Gesetzlose gegen die restlichen 99 Prozent.

Das Symbol der Anti-Banken-Proteste: 99 Prozent. dpa

Das Symbol der Anti-Banken-Proteste: 99 Prozent.

FrankfurtEs waren zwei Prozentzahlen, die am vergangenen Wochenende auch in Europa vor allem deshalb die Nachrichten beherrschten, weil es sonst nur wenig Erwähnenswertes gab. Die 99 Prozent der Bevölkerung lehnen sich auf gegen das eine Prozent, das Geld, Macht und Spekulantentum in sich vereint. Kurzum: Der Rest gegen die Banker, so lautet die Devise.

Nun wurde dieser 99:1-Vergleich nicht von den Initiatoren von "Occupy Wall Street" erfunden. Die Ursprünge gehen schon auf die Zeit direkt nach dem Zweiten Weltkrieg zurück, als ebenfalls eine große Gruppe einer kleinen unversöhnlich gegenüberstand. Nur dass damals die in der kleinen Gruppe vertretenen "Ein-Prozenter" ihre Minderheitenposition stolz zur Schau trugen - ganz im Gegensatz zu den eher sprachlosen Managern in den Bankentürmen von heute.

Der 99:1-Vergleich stammt ursprünglich aus der Motorradszene und hat seine Anfänge damals wie heute in Amerika. Als es dort 1947 in Hollister eine Massenschlägerei gab, erklärte die American Motorcyclist Association: "99 Prozent der Motorradfahrer sind gesetzestreue Bürger, nur ein Prozent ist gesetzlos." Noch heute tragen deshalb Hells Angels & Co. auf ihren "Kutten" den Aufnäher "1 %". Und jeder in der Szene weiß, was gemeint ist.

Sind Banker damit nun so etwas wie Outlaws? Die Gesetzlosen, die sich ihr Recht nehmen, wie sie wollen, wenn nötig auch mit Gewalt? Hier gibt es doch feine Unterschiede - haben die Gefolgsleute in den Banken, die die Dinge in die richtige Richtung treiben, in der Regel keine breiten Schultern, sondern tragen Anzug und Krawatte und heißen Lobbyisten. Und unterwegs sind sie nicht auf zwei Rädern, sondern auf vier oder abgeschirmt in der Business-Class oder in der ersten Klasse der Bahn.

Damit stellt sich unweigerlich die Frage, warum sich das eine Prozent diesmal nicht offen dazu bekennt, ein elitärer Club zu sein. Es muss ja kein ordinärer Aufnäher auf speckiger Lederjacke sein. Denkbar wären eher ein kleines eingewebtes Emblem in der Krawatte, Manschettenknöpfe mit der entsprechenden Prägung oder ganz schlicht ein kleiner Anstecker am Revers. Er müsste aber als Symbol für den massiven Kursanstieg der vergangenen Jahre schon aus Gold sein.

Wenn dann die 99-Prozenter mit jetzt wieder so populären Masken des britischen Anarchisten Guy Fawkes - der wollte im Jahr 1605 das englische Unterhaus sprengen - den Einprozentern mit den Goldemblemen am Revers gegenüberstehen, das wäre doch mal ein schönes Bild für die Fernsehanstalten. Mehr Symbolik ginge dann wirklich nicht mehr.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×