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17.05.2011

10:49 Uhr

Bulle und Bär

Was die Inflation bremsen könnte

VonIngo Narat

Die Mehrheit der Finanzexperten sieht die Inflation auf uns zukommen. Doch es gibt auch einige Gründe, die gegen eine Geldentwertung hierzulande sprechen - wie etwa die rigorose Inflationsbekämpfung in China.

Supermarkt in Shanghai: Besonders China kämpft gegen die Inflation. Quelle: dpa

Supermarkt in Shanghai: Besonders China kämpft gegen die Inflation.

FrankfurtDie Preise steigen. Jeder Verbraucher merkt das. An der Zapfsäule wird Benzin immer teurer. Die Preise für Kaffee, Kakao oder Baumwolle haben Höhenflüge hinter sich. Es riecht nach Inflation. Auch eine große Mehrheit von Finanzexperten ist sich dessen sicher. Diese Fachleute empfehlen deshalb konsequent: Anleihen eher verkaufen, Aktien dagegen kaufen - auch als Inflationsschutz.

Aber kann es anders kommen? Es gibt einige Tendenzen, die die Inflation zumindest hierzulande bremsen könnten.

Die Auslöser könnten in den Schwellenländern liegen, die bereits jetzt unter einer hohen Inflation leiden. Länder wie China kämpfen massiv gegen Geldentwertung, ziehen die Zinsen immer weiter an. Inflation ist für sie nicht hinnehmbar. Gerade die sprunghaft steigenden Nahrungsmittelpreise schüren soziale Unruhen. Die Kehrseite der Inflationsbekämpfung in diesen Ländern könnte allerdings eine globale Eintrübung der Konjunktur sein. Das könnte die Inflation weltweit drücken. Eine sinkende Nachfrage nach Rohstoffen aus den Emerging Markets wäre eine zusätzliche Inflationsbremse.

Es ist durchaus denkbar, dass in den kommenden Wochen wieder mehr Investoren aus Risikoanlagen wie Aktien und Rohstoffen flüchten, weil eine weitere Konjunkturverbesserung fraglich wird und Krisen wie die in der Eurozone zu einer defensiven Strategie drängen. Darüber hinaus fehlt demnächst im internationalen Finanzsystem viel Geld: Die amerikanische Notenbank beendet Ende nächsten Monats ihr großes Kaufprogramm für US-Staatsanleihen. Dann kommt zur Konjunkturbremse noch eine akute Liquiditätsbremse.

So ist ein neuer Run auf sichere Anlagen denkbar. Und Staatsanleihen würden dann die Gewinner sein. Die belastenden Schuldenexzesse und die Diskussionen über die künftige Zahlungsfähigkeit der Staaten dürften dann erst einmal in den Hintergrund rücken.

Die Finanzmärkte richten sich möglicherweise schon auf dieses Szenario ein. In den vergangenen Wochen sind die Kurse amerikanischer und deutscher Staatsanleihen nicht mehr gefallen, sondern gestiegen. Und die Aktienkurse haben ihren Höhenflug gestoppt. Einige Indizes deuten die künftige Schwäche vielleicht schon an: Wichtige Branchen wie die Banken tendieren in diesem Jahr leicht abwärts.

Unruhige Sommermonate deuten sich an. Doch für Aktienanleger gibt es einen Trost: So massive Turbulenzen wie zur Zeit der Lehman-Pleite im Herbst 2008 oder im Frühjahr 2009 sind unwahrscheinlich. Bei harten Rückschlägen würden die Notenbanken wieder eingreifen und die Aktienmärkte stabilisieren.

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