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31.05.2012

14:09 Uhr

Bulle & Bär

Was Ratings für Mittelstandsanleihen nicht erzählen

VonLaura de la Motte

Mit Scope hat eine weitere Agentur Ratings zu Mittelstandsanleihen verfasst. Doch der Durchblick für die Anleger nimmt dadurch nicht unbedingt zu. Die Bewerter der Firmen messen mit unterschiedlichem Maß.

Air Berlin-Flieger am Flughafen Berlin Tegel: Die Fluglinie erzielt bei Scope das Rating „CCC-“. Reuters

Air Berlin-Flieger am Flughafen Berlin Tegel: Die Fluglinie erzielt bei Scope das Rating „CCC-“.

FrankfurtDie Ratingagentur Scope hat gestern eigene Bewertungen für ausgewählte Emittenten von Mittelstandsanleihen veröffentlicht. Die Ergebnisse bieten Anlegern ein weiteres Hilfsmittel, die Risiken der Bonds besser einzuschätzen. Doch gleichzeitig offenbart der Versuch, eine Zweitmeinung zu den bisherigen Ratings anzubieten, ein Problem: Viele Unternehmen sind zu intransparent.

Mittelstandsanleihen gibt es seit knapp zwei Jahren. In den speziellen Börsensegmenten tummeln sich derzeit 45 Emittenten. Ihre Bonds haben ein durchschnittliches Volumen von 30 bis 50 Millionen Euro. Bis auf wenige Ausnahmen müssen alle Unternehmen ein Rating vorweisen. Aus Kostengründen nutzt die große Mehrzahl die Dienste der Auskunftei Creditreform. Vereinzelt gibt es Einschätzungen von Euler Hermes.

Die Investoren, vornehmlich Vermögensverwalter und Kleinanleger, haben sich in der Vergangenheit das ein oder andere Mal gewundert, wie gut einige Unternehmen bewertet wurden. Die häufigsten Noten sind BB und knapp dahinter sogar BBB. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Emittenten während der meist fünfjährigen Laufzeit ihrer Anleihe pleitegehen, liegt demnach bei neun beziehungsweise zwei Prozent.

Während Creditreform auch qualitative Faktoren wie das Management miteinbezieht, hat Scope ausschließlich Finanzkennzahlen ausgewertet. Die Ergebnisse fallen im Schnitt eine Stufe schlechter aus. Zur Begründung führt Scope die zuletzt gesunkenen Eigenkapitalquoten und gleichzeitig die gestiegene Verschuldung an. So erhält zum Beispiel Seidensticker bei Scope die Note B, bei Creditreform ist es BB+. Scope betont, dass selbst ein gutes Management die Bonität eines Unternehmens nicht entscheidend verbessern kann.

Da Scope die Noten ohne Auftrag ermittelt hat, stehen nun auch Einschätzungen für bisher von der Ratingpflicht befreite Unternehmen wie Air Berlin (CCC-), Dürr (BB) oder SAG Solarstrom (B-) zur Verfügung, wobei Scope aber keine Ausfallraten angibt. Während Creditreform zudem Kontakt zum Unternehmen hält und die Note gegebenenfalls anpasst, basiert die Einschätzung von Scope nur auf den öffentlich zugänglichen Daten, genauer dem Jahresabschluss 2011. Den haben bisher erst 17 der 45 Emittenten vorgelegt. Ähnlich geht es der Agentur URA, die Ratings für die Anleihen der Mittelständler vergibt. Eine zeitnahe Bewertung ist so unmöglich. Aber erst dann hätten externe Ratings einen echten Nutzen für Anleger.

Die Autorin ist erreichbar unter: delamotte@handelsblatt.com

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