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30.04.2015

11:53 Uhr

Bundesanleihe

Blitzcrash am Anleihemarkt

VonAndrea Cünnen

Der Kursverfall der zehnjährigen Bundesanleihe geht weiter. Die Rendite steigt am Donnerstag auf bis zu 0,37 Prozent. In nur zwei Wochen gab es einen gewaltigen Sprung. Anleger müssen sich auf unruhige Zeiten einstellen.

Der Kurs zehnjähriger deutscher Staatsanleihen sackte um 2,6 Prozent ab. dpa

Der Kurs zehnjähriger deutscher Staatsanleihen sackte um 2,6 Prozent ab.

FrankfurtGeheuer waren die niedrigen Renditen am Anleihemarkt den Anlegern schon seit einiger Zeit nicht mehr. Lange habe er sich geweigert, die Rally aus steigenden Kursen und sinkenden Renditen als Übertreibung zu bezeichnen, meint Nick Hayes, Fondsmanager bei Axa Investment Managers. Doch Mitte des Monats wurde es ihm zu bunt – er zog die Notbremse. Seither kauft er nur noch Anleihen mit kurzer Laufzeit, denn dort sind Kursschwankungen geringer als bei Langläufern.

Wie Recht der Axa-Mann mit seiner Einschätzung hatte, zeigt sich jetzt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die als Benchmark für die langfristige Kapitalmarktzinsen am Bondmarkt gilt, schnellt weiter nach oben. Nachdem sie am Mittwoch bereits um 0,13 Prozentpunkte (13 Basispunkte) auf 0,29 Prozent geklettert war, stieg sie am Donnerstagvormittag auf bis zu 0,37 Prozent. Das ist der höchste Stand seit dem 6. März, dem letzten Wochentagtag, bevor die Europäische Zentralbank (EZB) ihr gigantisches Anleihekaufprogramm startete.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Der EZB-Effekt ist damit zunächst komplett aufgezehrt. Die europäischen Währungshüter um EZB-Chef Mario Draghi haben am 9. März begonnen, Anleihen in großem Stil aufzukaufen. Bis mindestens September 2016 wollen sie jeden Monat Bonds über 60 Milliarden Euro kaufen. Etwa zehn Milliarden Euro davon dürften Schätzungen zufolge auf Bundesanleihen entfallen.

Die Experten der Commerzbank sprechen bereits – wenn auch etwas augenzwinkernd – von einem „Blitzcrash“. Denn in der Tat sind solch heftige Renditeschwankungen bei Anleihen ungewöhnlich. Immerhin lag die Rendite vor zwei Wochen noch auf einem historischen Tief von 0,05 Prozent. Der Kurs ist seither um 2,6 Prozent abgesackt. Wir dürften am Beginn einer Phase mit „größeren Kursschwankungen stehen“, meint Rainer Guntermann, Analyst bei der Commerzbank.

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

30.04.2015, 12:53 Uhr

Ich erinnere mich an einen Ausspruch eines "alten" Frankfurter Bankvorstand, der einmal sagte:

"Man muss nur richtig Druck auf den Kessel geben. Pfeifen tut er allein. Und fliegt eine Niete weg, muss man sie ersetzen."

Druck ist auf dem Kessel. Pfeifen tut er auch schon. Was ansteht ist, dass eine Niete wegfliegt. Und dann muss man sie ersetzen.

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