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08.06.2016

10:50 Uhr

Bundesanleihe

Rendite sinkt auf neues Rekordtief

Es geht weiter bergab: Am Mittwoch gab die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe erneut nach und setzte ihren Kurs in Richtung Null-Prozent-Rendite fort. Derweil beginnt die EZB mit dem Kauf von Firmenbonds.

Die richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihen bringen gerade noch 0,04 Prozent Rendite.

Wenig mehr als nichts

Die richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihen bringen gerade noch 0,04 Prozent Rendite.

FrankfurtDie Zinsen am deutschen Anleihemarkt fallen immer tiefer. Am Mittwochvormittag erreichte die Rendite der am Markt besonders beachteten Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit ein neues Rekordtief. Im Tief fiel der Effektivzins auf 0,03 Prozent. Damit wurde nicht nur das am Vortag erzielte Rekordtief unterboten, auch der bisherige Tiefstand vom April 2015 von 0,05 Prozent wird mittlerweile klar unterschritten.

Negativ wie etwa in der Schweiz war der Zehnjahreszins in Deutschland allerdings noch nie.

Erst am Montag war die Umlaufrendite der Bundesanleihen mit einer Laufzeit von drei bis 30 Jahren zum ersten Mal in den negativen Bereich gefallen. Nach Angaben der Bundesbank rutschte die Umlaufrendite von plus 0,01 Prozent am Freitag auf minus 0,02 Prozent.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Fachleute nennen im Wesentlichen zwei Gründe für die fallenden Marktzinsen. Zum einen verweisen sie auf die zuletzt deutlich verringerten Zinserwartungen an die US-Notenbank Fed. Nach schwachen Arbeitsmarktdaten hatte sich Fed-Chefin Janet Yellen zu Anfang der Woche zurückhaltend zum geldpolitischen Kurs geäußert.

Zum anderen verweisen Experten auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese bleibt nicht nur auf absehbare Zeit extrem locker. Auch sorgen die hohen Käufe von Staatsanleihen für zunehmenden Zinsdruck. Anleihefachleute der Commerzbank sprechen von einer „sich selbst verstärkende Abwärtsspirale“.
Hinzu kommt als ein dritter Grund die Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft und den Folgen eines Brexit. Beides treibt immer mehr Anleger in den „sicheren Hafen“ Bundesanleihen.

Genährt wurde der Konjunkturpessimismus von enttäuschenden Konjunkturdaten aus China. Die Exporte der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft gingen im Mai überraschend stark um 4,1 Prozent zurück. Zudem senkte die Weltbank ihre Prognose für das globale Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf 2,4 von zuletzt 2,9 Prozent.

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Mit deutschen Anleihen lässt sich kaum noch etwas verdienen, die durchschnittliche Rendite liegt sogar unter Null. Nun will die EZB auch Firmenanleihen kaufen. Experten rechnen mit „erheblichen Marktverzerrungen“.

Unabhängig davon kauft die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin Staatsanleihen im Volumen von 80 Milliarden Euro monatlich. Am Mittwoch sammelte sie zudem erstmals Bonds von Großkonzernen am Kapitalmarkt ein.

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