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27.05.2015

13:33 Uhr

Bundesanleihen

Banken lassen den Bund sitzen

VonAndrea Cünnen

Deutschland bekommt seine Anleihen nicht los. Zumindest die nicht, die über 30 Jahre laufen. Kein Wunder: Die Kursrisiken sind immens, die Rendite wiegt dies nicht auf. Zittern muss der Finanzminister dennoch nicht.

Der Bund hat es nicht geschafft, langlaufende Anleihen über zwei Milliarden Euro zu platzieren. Reuters

Finanzminister Schäuble

Der Bund hat es nicht geschafft, langlaufende Anleihen über zwei Milliarden Euro zu platzieren.

Frankfurt„Trau keinem über 30“: An diese Kampfansage der 1968er-Jugend an die Erwachsenenwelt könnte sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erinnert fühlen, wenn er sich den Kapitalmarkt ansieht. Denn dort kommen deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von über 30 Jahren nicht gut an. Am heutigen Mittwoch blieb der Bund bei der Auktion dieser Anleihe erneut auf einem Teil sitzen – zum fünften Mal hintereinander in dieser Laufzeit. Für das angebotene Volumen von zwei Milliarden Euro gab es Kaufaufträge über lediglich 1,5 Milliarden Euro.

Viele Anleger seien mit Blick auf die Risiken von länger laufenden Anleihen vorsichtig, meint dazu Rainer Guntermann, Analyst bei der Commerzbank. Das ist verständlich, weil die Kursrisiken bei Anleihen mit der Länge der Laufzeit enorm steigen. So ist der Kurs der 30-jährigen Anleihe im Zuge des Ausverkaufs an den Anleihemärkten seit Mitte April um mehr als 15 Prozent eingebrochen. Der Kurs der zehnjährigen Anleihe fiel dagegen nur um gut vier Prozent, der Kurs der zweijährigen Anleihe nur um minimale 0,1 Prozent.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Die sich gegenläufig zu den Kursen entwickelnden Renditen der Anleihen sind aber immer noch niedrig und von daher für langfristig orientierte Anleger wenig attraktiv. So wurde die jetzt platzierte 30-jährige Anleihe mit einer durchschnittlichen Rendite von nur 1,18 Prozent zugeteilt. Das sind nur wenig mehr als die 1,07  Prozent zu denen der Bund die Anleihe im Januar aufstockte und sich dabei über diese Laufzeit so günstig refinanzierte wie noch nie.

Mitte April war die Rendite im Handel sogar auf das historische Tief von weniger als einem halben Prozent gefallen. Seither ist die Rendite wieder gestiegen und der Kurs hat rund fünf Prozent zugelegt. Experten erklären die mangelnde Nachfrage aktuell auch damit, dass die Anleihe, die am 15. August 2046 und damit in gut 31 Jahren fällig wird, noch nicht unter das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) fällt. Die EZB und die nationalen Notenbanken kaufen nur Anleihen mit einer Laufzeit zwischen zwei und 30 Jahren.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

27.05.2015, 15:38 Uhr

Ist das ein Wunder ? Langlaufende Anleihen reagieren aufgrund der sog. Duration (= Fachtermini für Zinsreagibilität) am empfindlichsten auf Renditeveränderungen - natürlich nach oben wie nach unten.


Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.


Ralph

Investmentbanker (CFA, Eurex- und Xetra-Lizenz)
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading

Handelsbuch mit 5,0 Mio. € Handelslimit, genehmigt durch die hinterlegte Sicherheit in physischen Gold auf dem Margin-Konto

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