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07.05.2012

10:19 Uhr

Bundesanleihen

Die Deutschland-Wette

Nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland verzeichnen die deutschen Bundesanleihen weitere Kursgewinne. Die Anleger spielen Krisenszenarien durch und wappnen sich mit Bundesanleihen und Kreditausfallversicherungen.

Anleger wappnen sich mit Bundesanleihen. dpa

Anleger wappnen sich mit Bundesanleihen.

Frankfurt/LondonDie Angst vor einem Kollaps der Währungsunion hat die Märkte wieder fest im Griff. Sie hat inzwischen auch den deutschen Anleihemarkt erfasst und zu einer scheinbar widersprüchlichen Reaktion geführt. Noch immer greifen Anleger zu deutschen Staatsbonds, weil die Papiere nach wie vor als besonders sichere Anlage gelten. Am Montag nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland haben die deutschen Bundesanleihen weitere Kursgewinne verzeichnet.

Die Rendite der zehnjährigen Bundespapiere lag zuletzt bei 1,56 Prozent zwei Basispunkte niedriger und erreichte damit ein Rekordtief. Der Terminkontrakt Bund-Future stieg um 27 Basispunkte auf 142,32 Prozent. Auch bei den 30-jährigen Bundesanleihen sank die Rendite mit 2,28 Prozent auf ein Allzeittief. Weitere Impulse für die Anleiehen könnten aktuelle Konjunkturdaten bringen. In Deutschland steht der Auftragseingang in der Industrie für März an. Gegenüber dem Vormonat wird ein Anstieg um 0,5 Prozent erwartet.

Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

Wie hoch waren die Verluste privater Gläubiger bei Staatspleiten?

Die Rating-Agentur Moody's hat 13 staatliche Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 untersucht. Danach mussten die Gläubiger 30 Tage nach dem Zahlungsverzug einen durchschnittlichen Abschlag von rund 50 Prozent hinnehmen.

Der Zahlungsausfall schwankte in den einzelnen Ländern aber stark. Gläubiger der Dominikanischen Republik kamen mit einem Minus von fünf Prozent noch glimpflich davon. Für Zeichner russischer Anleihen lag der Verlust mit 82 Prozent um ein Vielfaches höher.

Wurden ausländische Gläubiger benachteiligt?

Grundsätzlich werden ausländische Investoren nicht schlechter behandelt als einheimische Gläubiger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Allerdings gibt es auch hier keine Regeln ohne Ausnahmen: Sowohl die Ukraine als auch Russland räumten den einheimischen Investoren „deutlich bessere Deals“ ein.

Wie schnell erholen sich Länder von einer Staatspleite?

„Sowohl die russische als auch die argentinische Wirtschaft konnten die Krise relativ schnell überwinden, profitierten dabei aber von außergewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen“, heißt es in einer Commerzbank-Studie. In Russland brach die Wirtschaftsleistung im Krisenjahr 1998 um rund 5,5 Prozent ein, ehe sie in den Folgejahren wegen des Rohstoffbooms um durchschnittlich etwa sieben Prozent wuchs.

Auch Argentinien erholte sich dank der steigenden Rohstoffnachfrage rasch. „Anleger sollten diese Erfolge daher nicht bedenkenlos auf andere Länder übertragen“, warnen die Experten der Commerzbank.

Sind Hilfen des IWF eine Garantie gegen Staatspleiten?

Neben den Euro-Ländern hilft auch der IWF mit Geldern aus: Sowohl in Griechenland als auch in Irland ist der erfahrende Krisenhelfer mit im Boot. Aber auch IWF-Hilfen waren in der Vergangenheit keine Garantie gegen Staatspleiten, wie das Beispiel Russland zeigt.

IWF und Weltbank sagten dem vor dem finanziellen Kollaps stehenden Land im Krisenjahr 1998 Hilfen von 22,6 Milliarden Dollar zu. Dennoch bediente der Staat ab August 1998 seine Schulden nicht mehr.

Was passiert, wenn IWF-Auflagen missachtet werden?

Bedingung für IWF-Hilfen sind strenge Auflagen, die aber nicht immer eingehalten werden. Der IWF schnürte 2000/2001 mehrere Hilfspakete für Argentinien - er erhöhte die Kreditlinien, organisierte Kreditzusagen der Weltbank und der spanischen Regierung.

Die Regierung aber sparte nicht wie vereinbart, sondern fuhr ihre Ausgaben im Kampf gegen die Wirtschaftskrise sogar hoch. Argentinien verfehlte damit die mit dem IWF vereinbarten Haushaltsziele.

Der Fonds setzte deshalb im Dezember 2001 die Zahlungen aus. Am 3. Januar 2002 konnte Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen.


Frankreich-Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren verzeichneten nach den Präsidentschaftswahlen, die zu einem Sieg des Sozialisten Francois Hollande führten, ebenfalls Kursverluste. Die Rendite stieg um fünf Basispunkte auf 2,86 Prozent.

Kreditausfallversicherungen (CDS)

Was sind Kreditausfallversicherungen?

Mit Credit Default Swaps (CDS) - zu deutsch Kreditausfallversicherungen - können sich Investoren gegen einen möglichen Zahlungsausfall zum Beispiel einer Staatsanleihe oder eines Firmenbonds absichern. Kann der Schuldner nicht zahlen, springt der Versicherer ein. Vorausgesetzt er hat ausreichend dafür vorgesorgt - was nicht immer der Fall ist. 2008 stand der damals größte Emittent solcher Produkte, der US-Versicherungsriese American International Group (AIG), kurz vor der Pleite. Damals ging es um CDS auf den Ausfall hochspekulativer Wertpapiere, die Kredite für den amerikanischen Häusermarkt bündelten. Der Versicherungskonzern konnte die Schadenssummen aus den Ausfällen nur zahlen, weil er vorher vom Staat gerettet wurde.

Wer verdient an den CDS?

Zuerst einmal derjenige, der das Risiko versichert - das kann beispielsweise eine Bank sein. Je schlechter ein Land da steht, desto höher die Summe, die für eine Kreditausfallversicherung gezahlt werden muss. Die Prämien für mögliche Ausfälle Griechenlands oder anderer hoch verschuldeter Euro-Staaten sind deutlich gestiegen. Mit Kreditausfallversicherungen wetten aber auch Zocker auf eine schlechtere Bonität der Schuldner, ohne die entsprechenden Staatsanleihen zu besitzen. Dem schiebt die EU weitgehend einen Riegel vor, weil die Praktiken nach gängiger Meinung den Kursverfall von Staatsanleihen künstlich beschleunigt haben. Prinzipiell sollen sich von November 2012 an nur noch Investoren den Schutz über CDS kaufen können, die entsprechende Staatsanleihen halten.

Warum stehen CDS in der Kritik?

CDS werden nicht an der Börse gehandelt, der Markt gilt als wenig transparent und es gibt bisher keine staatliche Kontrolle über die ausgegebenen Papiere. Welche Investoren wie viele CDS auf Griechenland-Anleihen in ihren Büchern haben, ist kaum zu durchschauen. Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Mählmann von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sieht daher „dringenden Handlungsbedarf“. „CDS sind durchaus sinnvoll. Aber es
muss klar sein, wer welches Risiko trägt. Es darf keinen zweiten AIG-Fall geben“.

Was ist das Risiko?

Viele Finanzhäuser haben ihr Engagement in Griechenland-Anleihen verringert. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sie die Papiere verkauft haben. Das Risiko lässt sich auch durch den Erwerb von CDS minimieren. „Die entscheidende Frage ist daher, wo das Risiko geblieben ist. Die Anleihen sind ja nicht verschwunden. Durch die CDS wurde das Risiko lediglich umverteilt“, sagt Mählmann. Zwar führt der amerikanische Finanzdienstleister
Depository Trust & Clearing Corp (DTCC) ein zentrales Register, das Auskunft über die Volumina der Produkte gibt. „Doch CDS müssen nicht darüber laufen. Es gibt nach wie vor keine richtige Transparenz“, kritisiert Mählmann. (Quelle: dpa)


Investoren setzen jedoch nicht nur auf Bundesanleihen, sondern sichern sich verstärkt auch mit Kreditausfallversicherungen, sogenannten Credit Default Swaps (CDS), gegen eine deutsche Staatspleite ab. Diese Investoren rechnen mit einer Zuspitzung der Euro-Krise und fürchten, dass die Misere auch die bislang als grundsolide eingeschätzten deutschen Staatsanleihen treffen könnte.

Kommentare (7)

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Eine_Frage

07.05.2012, 10:30 Uhr

Kein Kommentar aber eine Frage: sollte Deutschland die Währungsunion verlassen und die DM wieder einführen, in welcher Währung würden die in EURO lautende Bundesanleihen zurückgezahlt?
In EURO oder in DM?

What

07.05.2012, 11:13 Uhr

Wenn die Anleihe auf Euro lautet, in Euro.

Pacta sunt servanda.

Ich_bin_aus_Deppendorf

07.05.2012, 11:25 Uhr

Jedenfalls wird auch für die eher nicht so Schnellen immer deutlicher, dass das Euroabenteuer mit dem deutschen(!) Staatsbankrott enden wird.
Da können die Euromantiker noch so viel trommeln und noch so viel Durchhalteparolen funken. Es ist übrigens schon zu spät - ohne Bankrott kommt Deutschland nicht mehr raus.
Dafür quatschen die deutschen Politiker verträumt von den "Vereinigten Staaten von Europa" - aber wer will die denn? Keiner! Es reicht ja auch völlig aus, wenn der Michel gemolken wird. Schade, dass die Deutschen so doof sind. Aber so geschieht ihnen das recht. Immer schon weiter die Blockparteien wählen - und dann wird es schon nicht so schlimm kommen. Die Lehrer und Beamten im Bundestag, die Hilfsarbeiter und Studienabbrecher, die die deutschen Geschicke lenken, haben alles im Griff. *LOL*

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