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13.05.2015

12:20 Uhr

Bundesanleihen

Höhere Bund-Rendite lockt Anleger

VonAndrea Cünnen

Erleichterung bei Finanzminister Schäuble: Bei der heutigen Auktion zehnjähriger Bundesanleihen wird der Bund alle Papiere los. Allerdings muss er Investoren für die neuen Bonds wieder deutlich mehr Rendite bieten.

Der Finanzminister muss für zehnjährige Bundesanleihen Investoren wieder mehr auf den Tisch legen. dpa

Wolfgang Schäuble

Der Finanzminister muss für zehnjährige Bundesanleihen Investoren wieder mehr auf den Tisch legen.

FrankfurtDas hat es für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lange nicht mehr gegeben. Erstmals seit Januar 2014 muss Deutschland am Anleihemarkt bei der Versteigerung einer zehnjährigen Anleihe den Investoren mehr Geld bieten als bei der vorigen Auktion. Der Bund stockte die in zehn Jahren fällige Anleihe um drei Milliarden Euro auf und bot dafür im Schnitt eine Rendite von 0,65 Prozent. Damit zahlt der Bund fünfmal so viel wie vor einem Monat. Damals lag die Rendite bei der Aufstockung bei nur 0,13 Prozent.

Mehr als jetzt hat Deutschland für eine zehnjährige Anleihe den Investoren zuletzt im vergangenen November bieten müssen. Damals damals lag die Rendite bei einer Aufstockung bei 0,74 Prozent – und die Rendite sank bis April weiter und weiter.

Die Folge: So günstig wie vor einem Monat hatte sich der Bund – und damit der Steuerzahler – nie zuvor über eine so lange Laufzeit refinanziert. Im Handel war die Rendite danach noch kurze Zeit weiter gefallen, und zwar bis auf unfassbar niedrige 0,05 Prozent. Seither wendet sich das Blatt jedoch: Die Kurse fallen und die Renditen sind innerhalb kurzer Zeit so deutlich gestiegen wie seit mindestens einem Jahrzehnt nicht.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Für den Renditeanstieg, der die ganze Euro-Zone betrifft, gibt es einen bunten Cocktail von Gründen: Die Konjunkturaussichten in der Euro-Zone haben sich etwas verbessert, die Inflationserwartungen sind gestiegen, prominente US-Investoren haben sich kritisch zu Bundesanleihen geäußert, und im Mai werden keine Staatsanleihen der Euro-Anleihen fällig.

Den Investoren fließt also kein Geld aus auslaufenden Euro-Staatsbonds zu, das sie reinvestieren können. Das alles kulminiert im Ausverkauf, weil sich Investoren in Erwartung weiter fallender Bond-Renditen falsch positioniert hatten, von der Marktentwicklung überrollt wurden und jetzt gegensteuern müssen.

Kommentare (3)

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Herr Michael Müller

13.05.2015, 12:53 Uhr

Wenn die Zinsen dann irgendwann in den nächsten 10 Jahren steigen, ist das Geheule bei den Anlegern groß und die Rufe nach Entschädigungen wegen Falschberatungen sind schon jetzt zu hören...

Account gelöscht!

13.05.2015, 13:12 Uhr

@ MM: Wieso? Bunds werden doch am Laufzeitende zu 100 % getilgt. Dein beschriebenes " Problem " hat man doch nur wenn man zwischenzeitlich verkauft. Nur dann sollte man sich erst gar kein festverzinslichen Wertpapiere ins Portfolio legen.

Ps: Institutionelle Adressen haben natürlich auch Anleihen im Depot-A Bestand mit anderen Prämissen.


Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.


Ralph

Investmentbanker (CFA, Eurex- und Xetra-Lizenz)
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading

Handelsbuch mit 5,0 Mio. € Handelslimit, genehmigt durch die hinterlegte Sicherheit in physischen Gold auf dem Margin-Konto

Herr Michael Müller

13.05.2015, 14:21 Uhr

Ich weiß, dass sie zu 100% getilgt werden sollten. Ein Schuldenschnitt ist bei Bunds eher unwahrscheinlich :-)

Leider wissen das die wenigsten "zittrigen Hände" und reagieren entsprechend falsch und suchen dann einen Schuldigen für das eigene Unvermögen.

Michael

Selfmade-Multimillionär und Privatier mit 37,2 Mio Euro Aktiendepot (keine Kredite, keine Derivate)

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