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07.06.2016

17:29 Uhr

Bundesanleihen

Renditen fallen auf Rekordtief

An den Bondmärkten haben am Dienstag die Käufer das Heft in die Hand genommen. Die Renditen fielen auf breiter Front, die zehnjährige Bundesanleihe weist nur noch ein minimales Plus auf.

Die Euro-Skulptur leuchtet vor der Europäischen Zentralbank: Die EZB setzt mit ihrem Anleihenkaufprogramm die Bondmärkte unter Druck. dpa

Eurozone

Die Euro-Skulptur leuchtet vor der Europäischen Zentralbank: Die EZB setzt mit ihrem Anleihenkaufprogramm die Bondmärkte unter Druck.

FrankfurtZunehmende Sorgen vor konjunkturellen und politischen Risiken in Europa treiben Anleger verstärkt in Bundesanleihen. Die Rendite der zehnjährigen Bonds fiel am Dienstag auf ein Rekordtief von 0,048 Prozent.

„Die wichtigsten Gründe, weshalb Anleger derzeit in Bundesanleihen flüchten, sind zunehmende politische Risiken und das Brexit-Referendum“, sagte Analyst Peter Chatwell vom Brokerhaus Mizuho. Nach einem möglichen Brexit, über den die Briten am 23. Juni abstimmen, könne es in mehreren Ländern Bestrebungen nach Unabhängigkeits-Referenden geben, sagte Chefvolkswirt Patrick Zweifel von Pictet Asset Management. Europa könne daher mehr leiden als Großbritannien.

Zusätzlichen Druck auf die Renditen der Bundesanleihen übe das Anleihe-Ankaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. Sie kaufte zuletzt vermehrt Staatsanleihen aus Deutschland, Italien und Frankreich. Mit dem auf 1,74 Billionen Euro angelegten Ankaufprogramm wollen die Währungshüter die Renditen von Staatsanleihen senken, um sie für Banken als Anlageobjekt unattraktiver zu machen. Die Geldhäuser sollen nach dem Willen der EZB mehr Geld an die Wirtschaft in Form von Krediten geben.

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Mit deutschen Anleihen lässt sich kaum noch etwas verdienen, die durchschnittliche Rendite liegt sogar unter Null. Nun will die EZB auch Firmenanleihen kaufen. Experten rechnen mit „erheblichen Marktverzerrungen“.

Bereits gestern ist erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ist die sogenannte Umlaufrendite in den negativen Bereich gefallen. Nach Angaben der Bundesbank rutschte am Montag die Verzinsung der im Umlauf befindlichen Staatspapiere mit einer Laufzeit von drei bis 30 Jahren von plus 0,01 Prozent am Freitag auf minus 0,02 Prozent.

„Die Fed und Brexit sind die größten treibenden Faktoren für die Bewegung am europäischen Anleihemarkt“, sagte Daniel Lenz, Marktstratege bei DZ Bank AG in Frankfurt. Als Ergebnis der Rede von Yellen am Montag sei eine Leitzinsanhebung der Fed im Juni klar vom Tisch, merkte Lenz an.
Die Renditen spanischer und italienischer Staatsanleihen sanken um rund drei und etwa vier Basispunkte auf zuletzt 1,44 Prozent und 1,47 Prozent. Spaniens Notenbank senkte am Dienstag den Inflationsausblick für 2016 auf minus 0,5 Prozent gegenüber der letzten veröffentlichten Prognose vom April von minus 0,1 Prozent.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Am Primärmarkt platzierte Deutschland 2026 fällige inflationsindexierte Anleihen über 789 Mio. Euro zu einer Rendite von minus 0,81 Prozent. Österreich begab zehnjährige Anleihen im Volumen von 600 Mio. Euro zu 0,448 Prozent Rendite gegen 0,525 Prozent Rendite bei der letzten Auktion. Vom Land Hessen kam ein zehnjähriges Papier über 1,125 Mrd €, die Rendite lag sechs Basispunkte unter dem mittleren Swapsatz. Die Niederlande begaben 4,812 Mrd. Euro an 2022 fälligen Anleihen zu minus 0,233 Prozent.

Auch am Markt für Unternehmensanleihen sorgte das ab Mittwoch in Umsetzung befindliche EZB-Anleihekaufprogramm für Unternehmenspapiere für nahezu beispiellose Renditetiefs.


Von

rtr

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