Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.07.2012

18:30 Uhr

Bundesschatzbriefe

Bund will Privatanleger loswerden

VonFrank Matthias Drost, Andrea Cünnen

ExklusivEine Schildkröte sollte Anleger für Bundesanleihen begeistern. Jetzt begräbt der Bund seine ehrgeizigen Pläne und steigt aus dem Geschäft mit privaten Kunden aus. Was mit den Konten passieren soll, ist noch unklar.

Schildkröte in Not: Die Werbefigur Günther Schild sollte Anleger von Bundeswertpapiere überzeugen. Die Werbekampagne stammte von der Agentur "Zum Goldenen Hirschen". PR

Schildkröte in Not: Die Werbefigur Günther Schild sollte Anleger von Bundeswertpapiere überzeugen. Die Werbekampagne stammte von der Agentur "Zum Goldenen Hirschen".

Berlin/Frankfurt/DüsseldorfGünther Schild darf sich bald ausruhen. Die grüne Werbe-Schildkröte - angeblich mindestens 115 Jahre alt und Aushängeschild für die Privatkundenoffensive der Finanzagentur - wird demnächst nicht mehr benötigt. Noch wirbt das Reptil mit grüner Schleife und Brille zwar noch für Anleihen des deutschen Staates. Nach Informationen des Handelsblattes steigt der Bund aber aus dem Geschäft mit privaten Kunden aus. Nur noch bis Ende 2012 können Privatkunden ihr Geld über die Finanzagentur direkt in Bundesschatzanweisungen, Bundesobligationen und Bundesanleihen investieren.

Danach ist der Erwerb nur noch über Kreditinstitute möglich. Über diese einschneidende Veränderung, die mit zu hohen Kosten begründet wurde, informierte das Bundesfinanzministerium (BMF) die Mitglieder des Bundesfinanzierungsgremiums, einem Unterausschuss des Haushaltsausschusses, in einem Brief. Dieser liegt dem Handelsblatt vor.

„Nicht leicht“ sei dem BMF diese Entscheidung gefallen, heißt es in dem Brief. Monatelange Untersuchungen wurden angestellt. Alternativ wurde die Option durchgespielt, das Privatkundengeschäft auszubauen, um es profitabel zu gestalten. „Nach gründlicher Prüfung sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass die … damit verbunden Kosten und der möglicherweise zu erwartende Nutzen in keinem ausgewogenen Verhältnis zu den damit verbundenen wirtschaftlichen Risiken stehen“, heißt es in dem Brief.

Zuletzt soll das Geschäft mit Privatkunden weniger als zwei Prozent zur Refinanzierung des Staates beigetragen haben. Derzeit halten private Kunden rund 8,5 Milliarden Euro auf gut 330.000 Konten. Was mit diesen Konten passiert, ist bislang unklar. Auf harsche Kritik stößt die Entscheidung bei der Opposition. Der haushaltpolitische Sprecher der SPD, Carsten Schneider, hält sie für einen „schweren Fehler“. Die Bundesregierung hatte einst noch eine andere Strategie und warb etwa ab dem Jahr 2008 in TV-Spots mit der Schildkröte Günther Schild für die Finanzierungsschätze des Bundes.

Kommentare (24)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

RDA

02.07.2012, 18:41 Uhr

Na ist doch klar, dass die keine Konten mehr für Privatkunden führen wollen. Das Geld gibt´s doch bald direkt von der EZB..

Account gelöscht!

02.07.2012, 19:08 Uhr

Das finde ich ausgezeichnet.
Als neues Maskottchen würde ich einen Lemming wählen .....

Bankkaufmann

02.07.2012, 19:12 Uhr

Auf Seite zwei des Artikels liegt der Hase begraben. Nun erhalten die Banken wieder eine Möglichkeit im WP-Handel.
Der Anleger wird sich noch wundern........

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×