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04.09.2016

14:28 Uhr

Carl Icahn und Co.

„Aktivisten“ beflügeln die Kurse

VonFrank Wiebe

Aktivistische Investoren kaufen Unternehmensanteile und mischen sich in die Geschäftspolitik ein. Sie sind noch echte Kapitalisten – doch sollten Anleger ihnen folgen? Studien zeigen erstaunliche Ergebnisse.

Der Milliardär und aktivistische Hedgefonds-Manager Carl Icahn bei einem Fernsehinterview: Ein Untersuchung der Aktienkurse der beteiligten Unternehmen zeigt, dass sich seine Aktivitäten auch für die betroffenen Aktionäre lohnen. Reuters

Carl Icahn

Der Milliardär und aktivistische Hedgefonds-Manager Carl Icahn bei einem Fernsehinterview: Ein Untersuchung der Aktienkurse der beteiligten Unternehmen zeigt, dass sich seine Aktivitäten auch für die betroffenen Aktionäre lohnen.

New YorkEs sind bekannte Namen wie Carl Icahn mit seiner gleichnamigen Firma, Jeffrey Smith mit Starboard Value oder Nelson Peltz mit Trianon: Aktivistische Investoren, die Anteile an Unternehmen kaufen und sich dann in die Geschäftspolitik einmischen. Ihr Ziel ist häufig, die Ausschüttungen zu erhöhen, oft auch, die Strategie zu ändern, das Management auszutauschen oder die betreffende Firma zum Verkauf ganzer Unternehmensteile oder zu Fusionen mit Konkurrenten zu zwingen. In einem Umfeld, wo immer mehr Anleger auf passives Management setzen, oder wo Anlageentscheidungen von Computern getroffen werden, sind die Aktivisten noch echte Kapitalisten aus Fleisch und Blut.

Aber wie erfolgreich sind sie wirklich? Der Analyst Andrew Birstingl von Fact-Set Insight hat nachgerechnet. Er hat insgesamt 269 Kampagnen von Aktivisten von Anfang 2010 bis Anfang August 2016 unter die Lupe genommen. Ein klares Ergebnis ist dabei: Schon der Einstieg eines Aktivisten stützt sehr häufig den Kurs.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

In 82 Prozent aller Fälle notierte die Aktie des betreffenden Unternehmens am Tag nach der Ankündigung des Einstiegs höher als am Tag davor. In diesem kurzen Zeitraum haben die Investoren im Schnitt 3,9 Prozent verdient – im Jahr 2016 waren es sogar 5,9 Prozent. Am meisten hat sich das Spiel im Einzelhandel gelohnt. Im Juli 2014 bescherte der Einstieg des Investors Jana Partners dem Unternehmen Pet-Smart einen Kurssprung von mehr als 15 Prozent – das war der höchste Wert im untersuchten Zeitraum.

Aber wie geht es weiter? Zwischen dem Einstieg eines Investors und dem Ende seiner Kampagne gab es nur in 47 Prozent der Fälle eine bessere Kursentwicklung als bei vergleichbaren Unternehmen derselben Branche. Dabei war es offenbar nicht immer leicht, das Ende zu definieren. Es kann zum Beispiel der Ausstieg sein, oder aber eine Einigung mit dem Management über bestimmte Veränderungen. Die 47 Prozent sind zunächst ein schwacher Wert.

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