Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.07.2011

00:00 Uhr

Chancen für Anleger

Schuldenkrise macht Wall Street attraktiv

VonChristian Schnell

Es klingt ungewöhnlich - aber die Schuldenkriese der USA macht die Wall Street für Anleger attraktiv. Es bieten sich jede Menge Chancen, aus der Krisensituation Vorteile zu ziehen.

Die New York Stock Exchange. Quelle: dapd

Die New York Stock Exchange.

FrankfurtSpitz auf Knopf steht es dieser Tage in den USA, glaubt man den Finanzexperten. Gelingt es nicht, bis zum kommenden Dienstag eine Lösung für die überbordenden Schulden zu finden, dann ist das Land de facto pleite. Die Ratingagenturen vergeben dann nicht mehr die Bestnote, und die Aufnahme neuer Schulden würde noch teurer. Das beschäftigt die Märkte so sehr, dass selbst Europas Schulden in den Hintergrund getreten sind.

Wer also die Meldungen über den Verlauf der Verhandlungen zwischen Demokraten und Republikanern verfolgt, der kann den Eindruck gewinnen, ein taumelnder Riese würde nur darauf warten, endgültig niedergeschlagen zu werden.

Doch es gibt auch ganz andere Entwicklungen, die in den Medien weniger präsent sind. Da ist ein Volk, das es als entscheidenden Lerneffekt aus der Finanzkrise geschafft hat, seine ureigene Konsummentalität zu ändern. Wurde noch vor Jahren viel auf Pump eingekauft und die überdimensionierten Einkaufswagen, Vans und Pick-ups ordentlich befüllt, so zeigt sich seit geraumer Zeit ein anderes Bild: Die Amerikaner sparen - und zwar so nachhaltig, dass es an deutsche Tugenden erinnert. Amerikaner konsumieren und investieren bewusst - und denken dabei an die Zukunft.

Das machen auch die vielen ausländischen Unternehmen, die jenseits des Großen Teichs kräftig investieren. Nicht nur die großen Autobauer wie BMW, Daimler oder Volkswagen haben zuletzt neue Werke gebaut oder sind dabei, die bisherigen auszubauen. Auch die kleinen Zulieferer, deren Namen oft nur in der Branche selbst bekannt sind, folgen und stocken ihre Präsenz auf. In einem Land, das kurz vor dem Zahlungsausfall stünde, würde man das wohl nicht machen.

Die Topunternehmen treiben die Kurse an der Wall Street

Kurstreiber an den Börsen aber sind die einheimischen Unternehmen selbst. Ihnen geht es weiter gut bis sehr gut, wie die aktuellen Quartalszahlen beweisen. Quer durch alle Branchen steigen Umsatz und Ergebnis - teilweise mit völlig unerwarteten Konsequenzen. Wer hätte gedacht, dass Fiat wegen überraschend guter Verkäufe bei der noch vor kurzem maroden Tochter Chrysler seine Prognose anheben kann? So geschehen. Oder dass der Onlinehändler Amazon auch im warmen Frühjahr so viele Bücher, DVDs und CDs verkauft hat, dass die Aktie gestern regelrecht nach oben katapultiert wurde.

Die Wall Street einzig auf die Schuldenprobleme der USA zu reduzieren, wäre beinahe fahrlässig. Das hieße doch, all die kurstreibenden Nachrichten außer Acht zu lassen. Für Anleger ergeben sich im aktuellen Umfeld noch immer jede Menge Chancen. Deswegen hat sich der Dow Jones als maßgebliches Stimmungsbarometer der US-Wirtschaft in den vergangenen Wochen seit der Schwäche im Juni wieder spürbar erholt. Einige Anleger zögern wegen der Diskussion über die US-Schuldenkrise noch, ihr Engagement auszubauen. Doch wahrscheinlich lauern sie nur, um sich bald noch günstiger mit Wertpapieren einzudecken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×