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20.11.2012

11:05 Uhr

Chartanalyse

„Der Dax kann neue Höchststände erreichen“

VonJörg Hackhausen

Müssen wir uns um den Dax sorgen? Als der Index kurz unter 7.000 Punkte sackte, waren viele Anleger besorgt. Ein Charttechniker erklärt, warum ihm nicht bange ist und was er von „psychologisch wichtigen“ Marken hält.

Wird es noch etwas mit der Jahresendrally? Chartanalyst Scherer hält das für wahrscheinlich. dpa

Wird es noch etwas mit der Jahresendrally? Chartanalyst Scherer hält das für wahrscheinlich.

DüsseldorfWenn es so weitergeht, muss der Dax bald zum Psychiater. Der Arme ist hin- und hergerissen. Jeden Tag muss er kämpfen – um eine „psychologisch wichtige“ Marke. So steht es jedenfalls in den Zeitungen, und auch bei der Börsenschalte im Fernsehen wird in diesen Tagen gerne auf die psychologische Verfassung des Dax verwiesen. Alles nur, weil der Index am vergangenen Freitag kurz unter 7.000 Punkte gefallen ist. Und weil dieses Marke nach Ansicht einiger Beobachter psychologisch so bedeutsam ist, wurde dies gleich als düsteres Vorzeichen gedeutet. Nun gehe es erst recht abwärts, hieß es.

Das Gegenteil passierte: Gestern schaffte es der Index wieder locker wieder über die 7.000, er legte mehr als 200 Punkte zu. Was steckt wirklich hinter dem Geheimnis der runden Zahl? Das muss jemand wissen, der sich beruflich mit den Zahlen befasst: Jörg Scherer ist technischer Analyst bei der Bank HSBC Trinkaus. Er verbringt seine Zeit damit, Börsenkurse und Charts zu analysieren, um daraus einen Trend für die Zukunft abzuleiten.

Und wie wichtig sind nun die 7.000 Punkte, Herr Scherer? „Wollen Sie eine ehrliche Antwort hören? Das hat für mich keine Bedeutung!“ Die angeblich so wichtige Marke befeuere allein das Interesse der Medien, sage aber ansonsten nichts aus. „Die 6.998 oder die 6.995 oder jede andere Punktzahl ist mindestens genauso wichtig“, sagt der Charttechniker.

Welche Aktien die Analysten verschmähen - Deutschland

Hannover Rück

Branche: Versicherung

Analystenurteile: 31

davon positiv: 7

positiv in Prozent: 23%

Vossloh

Branche: Maschinenbau

Analystenurteile: 18

davon positiv: 4

positiv in Prozent: 22%

Beiersdorf

Branche: Konsum

Analystenurteile: 36

davon positiv: 8

positiv in Prozent: 22%

Aixtron

Branche: Elektronik

Analystenurteile: 32

davon positiv: 7

positiv in Prozent: 22%

Rational AG

Branche: Großküchen

Analystenurteile: 11

davon positiv: 2

positiv in Prozent: 18%

Bang & Olufsen

Branche: Unterhaltungselektronik

Analystenurteile: 6

davon positiv: 1

positiv in Prozent: 17%

Puma

Branche: Bekleidung

Analystenurteile: 26

davon positiv: 4

positiv in Prozent: 15%

Merck KGaA

Branche: Pharma

Analystenurteile: 29

davon positiv: 4

positiv in Prozent: 14%

Fuchs Petrolub

Branche: Öl

Analystenurteile: 17

davon positiv: 2

positiv in Prozent: 12%

Fielmann

Branche: Handel

Analystenurteile: 18

davon positiv: 2

positiv in Prozent: 11%

Deutz AG

Branche: Motoren

Analystenurteile: 10

davon positiv: 1

positiv in Prozent: 10%

Douglas Holding

Branche: Handel

Analystenurteile: 13

davon positiv: 0

positiv in Prozent: 0%

SGL Carbon

Branche: Chemie

Analystenurteile: 16

davon positiv: 0

positiv in Prozent: 0%

Quelle: Factset, DZ Bank

Nach Ansicht von Scherer haben die Schwierigkeiten für den Dax sowieso schon früher begonnen. Schon in der Vorwoche sei der Aufwärtstrend, der immerhin seit Juni währte, gebrochen worden. Doch das findet Scherer nicht weiter tragisch. Kritisch werde es erst dann, wenn die Marke von 6.885 Punkten in Gefahr gerate. Die markiert den Beginn eines früheren Abwärtstrends im Mai 2011. Darunter sollte der Dax laut Scherer nicht fallen, sonst drohe neues Ungemach.

Ebenso wichtig ist für den Charttechniker die 200-Tage-Linie. Diese ist einer der meist beachteten Indikatoren in der Chartanalyse – sie zeigt den gleitenden Durchschnitt der vergangenen 200 Handelstage an. Fällt der Index darunter, ist das immer ein schlechtes Zeichen. Aktuell verläuft die Linie ziemlich genau bei 6.826 Punkten. Davon ist der Dax noch ein Stück weit entfernt. Scherer glaubt, dass das auch so bleibt: „Es wäre zu früh, den Bullen für tot zu erklären.“ Er geht im Gegenteil davon aus, dass die Börse am Ende des Jahres noch einmal durchstarten kann. Seine Prognose: „Ein Anlauf auf die Jahreshöchststände bei gut 7.400 Punkten ist möglich.“

Die besten Börsenfilme

Rang 1

Wall Street I

Hauptdarsteller: Charlie Sheen und Michael Douglas
Jahr: 1987
Der Klassiker der Börsenfilme, in dem der Wall-Street-Guru Gordon Gekko seinem Jünger beibringt, dass es immer „nur um die Kohle geht“. Ein Film der die Gier kritisiert - und ein bisschen vergöttert.

Rang 2

Wolf of Wall Street

Hauptdarsteller: Leonardo Di Caprio
Jahr: 2014
Aufstieg und Fall des Börsenmaklers Jordan Belfort. Mit krummen Börsengeschäften und Geldwäsche wird Belfort in den 1990er-Jahren zum Millionär. Er feiert eine einzige Orgie mit Parties, Sex und Drogen. Doch die Ermittler sind ihm auf der Spur. Basiert (weitgehend) auf wahren Begebenheiten. Regie führte Martin Scorsese.

Rang 3

High Speed Money

Hauptdarsteller: Ewan McGregor und Anna Friel
Jahr: 1999
Ein Film über die Pleite der Barings Bank und die Rolle, die die Börsengeschäfte des Nick Leeson dabei spielten. Basierend auf einer wahren Geschichte und dem Buch von Nick Leeson.

Rang 4

Margin Call – Der große Crash

Hauptdarsteller: Kevin Spacey und Paul Bettany
Jahr: 2011
Ein Mitarbeiter einer Großbank entdeckt eine Menge fauler Papiere bei seiner Bank. Damit die Bank nicht pleitegeht, müssen die „faulen Eier“ schnell das Nest verlassen - egal um welchen Preis.

Rang 5

American Psycho

Hauptdarsteller: Christian Bale und Justin Theroux
Jahr: 2000
Der Investmentbanker Patrick Bateman möchte zur Elite gehören. Nichts ist ihm wichtiger als materieller Reichtum. Doch er hat ein Problem: In seinen Depressionen tötet er wahllos Obdachlose und Prostituierte - denkt er.

Rang 6

Die Glücksritter

Hauptdarsteller: Dan Aykroyd und Eddie Murphy
Jahr: 1983
Die steinreichen und exzentrischen Gebrüder Duke, beides Warentermin-Börsenmakler, schließen eine Wette ab und wollen sehen, ob Erfolg angeboren ist. Dazu tauschen sie ihren Vorstandsvorsitzenden gegen einen Bettler ein. Doch der Bettler hat auch ein Wörtchen mitzureden.

Rang 7

Inside Job

Hauptdarsteller: Matt Damon (Erzähler im engl. Original)
Jahr: 2010
Ein Dokumentarfilm über die Finanzkrise 2007. Der Film bekam 2011 einen Oskar für den besten Dokumentarfilm. Der Name des Films verrät dabei schon, worum es geht: Inside Job ist die englische Bezeichnung für den Fall, wenn ein Insider seinem Unternehmen schadet.

Rang 8

Das Geld anderer Leute

Hauptdarsteller: Danny DeVito und Gregory Peck
Jahr: 1991
Eine Filmkomödie, in der der „Liquidator“ Konkurrenten aufkauft und ausschlachtet. Doch an einem Fall hat er besonders zu knabbern, denn er verliebt sich in die feindliche Anwältin. Schlüsselszene ist die Aktionärsversammlung der Firma, die übernommen werden soll.

Rang 9

Let’s make Money

Regie: Erwin Wagenhofer
Jahr: 2008
Dokumentarfilm über das System der Finanzwirtschaft - und wie man sein Geld für sich arbeiten lassen kann.

Rang 10

Enron – The smartest guys in the room

Hauptdarsteller: Peter Coyote (Erzähler)
Jahr: 2005
Ein Dokumentarfilm über eine der größten Firmenpleiten der USA. Eine Geschichte über Bilanzbetrug und geheime Machenschaften.

Rang 11

Wall Street 2

Hauptdarsteller: Michael Douglas und Shia LaBeouf
Jahr: 2010
Die Fortsetzung des Klassikers „Wall Street“. Gordon Gekko tritt wieder auf den Plan, nur etwas älter. Schließlich hat er die letzten 23 Jahre im Gefängnis verbracht.

Rang 12

Risiko - Der schnellste Weg zum Reichtum

Hauptdarsteller: Giovanni Ribisi und Vin Diesel
Jahr: 2000
Um bei seinem Vater Eindruck zu schinden, übernimmt Seth Davis eine Stelle aus Börsenmakler. Dort erfährt er, dass die hohen Gewinne der Firma mit illegalen Methoden erwirtschaftet werden.

Rang 13

Kapitalismus – eine Liebesgeschichte

Regie: Michael Moore
Jahr: 2009
Dokumentarfilm des USA-Kritikers Michael Moore. Ganz im Stile Moores wird hier kein Blatt vor den Mund genommen und die USA mit dem alten Rom verglichen: Brot und Spiele, damit das Volk ruhig bleibt und die Finanzmachenschaften der Elite nicht mitbekommt.

Rang 14

The Bank

Hauptdarsteller: David Wenham und Anthony LaPaglia
Jahr: 2001
Der Chef einer Bank wird auf einen Mathematiker aufmerksam, der mit Hilfe einer Software die Börsentrends vorhersagen kann. Die beiden schließen ein Bündnis der Gier, das nicht lange halten kann.

Ausgerechnet die miese Stimmung macht ihn optimistisch. Bei der jüngsten Umfrage der American Association of Individual Investors, die wöchentlich die Stimmung der Anleger ermittelt, kam heraus: Fast die Hälfte der Befragten erwartet fallende, nur 29 Prozent steigende Kurse. „Investoren sind so skeptisch wie nie in diesem Jahr. So viel Pessimismus deutet darauf hin, dass wir uns eher am Ende als am Beginn einer Abwärtsbewegung befinden“, sagt Scherer.

Was wie ein Widerspruch klingt, hat sich oft als verlässlicher, um nicht zu sagen „psychologisch wichtiger“ Kontraindikator erwiesen. Denn meistens kommt es anders, als die Masse denkt. In Wahrheit ist es nämlich gar nicht der Dax, der nervlich angeschlagen ist, sondern mancher Anleger.

Kommentare (3)

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Aufwachen_Kleinanleger

20.11.2012, 11:40 Uhr

Da ist ja wieder so ein Dummschwätzer.

Schade ... im Mittelalter gab's noch die Hexenverbrennung.

Zuversicht

20.11.2012, 11:43 Uhr

Herr Scherer hat wirklich recht. Es kommt nämlich wirklich sehr oft anders als mann denkt. An der Börse wird ja nicht die Vergangenheit bewertet -die Quartalszahlen sind nämlich alle Vergangenheit-, sondern die Zukunft. Und anhand der täglichen Kursbewegungen kann man eben eindeutig erkennen, das die Zukunft jeden Tag anders gewertet wird. So können schlechte Nachrichten durchaus gut sein und gute Nachrichten eben ganau das Gegenteil sein! Morgen kann ich jedenfalls ganz genau sagen, welcher der heutigen Propheten wirklich richtig liegt! Wenn man nämlich nicht mehr weiß, wie man das Thema Griechenland unter den Teppich kehren kann, ist das doch wirklich toll! , also eine gute Nachricht! Und wenn das Problem gelöst wird ist das nur ganz kurz toll und dann wieder schlecht, weil ja kein Geld mehr erfunden werden muß, um den Konsum unter Dampf zu halten! Und dieses cliff in Amerika ist doch nur ganz kurz ein Problem, weil man das Gesetz so ändern wird, das das Gesetz den jetzt noch unerlaubten Zustand legitimieren wird...bis zum nächsten Jahr! Dann reden wir nicht mehr über 16...18...sondern schon über 20 ? Billionen Dollar...das ist doch toll! So viel Geld will erstmal ausgegeben werden und davon kann jeder profitieren... hoffe ich zumindest!Scheiß auf Bonitäten und Abstufungen...die haben immer gelogen und da wir das wissen, machen die ja eh nix anderes als weiter bescheissen...Nö, ich glaube schon das im Grunde ja alles wirklich in Ordnung ist. Bloß keine Panik...das macht es viel schwieriger, das alles richtig zu bewerten und entscheiden...Ich seh den DAX irgendwann bei 45000 Punkten, echt ist mein Ernst...der Nikkei war auch schon mal so bei rund 40000 Punkten....ist eben ein bischen zusammengeschrumpft, aber das hat ja wie gesagt mit dem Hinweis zu tun, das schlechte Nachrichten doch eigentlich ganz gut sind! Das Glas ist auch nur noch deshalb halb voll, weil wir schon so viel umgeschüttet haben, das wir nur noch in halb vollen Gläsern denken.

Account gelöscht!

08.01.2013, 18:06 Uhr

Was nützen alle DAX-Höchststände auf dem Papier, wenn ganz Europa in Schutt und Asche liegt, begraben unter Milliarden von Schulden, für die kaum die Zinsen erwirtschaftet werden können, geschweige denn eine Rückzahlung zu erwarten ist. Die EURO-Schuldenpolitik wird niemals eine Wende herbeiführen. Heilung von dieser Krankkeit EURO kann es nur geben, wenn man selbigen ausmerzt und nie wieder eine europäische Gemeinschaftswährung in Leben ruft.

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