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04.01.2011

18:30 Uhr

Chartanalyse

„Im zweiten Halbjahr droht Aktien Gegenwind“

VonRalf Drescher

Der Dax kratzt beharrlich an der Marke von 7000 Punkten und auch andere Indizes sind auf dem Weg zu ihren Allzeithochs. So schnell sei ein Ende dieses Aufwärtstrends nicht in Sicht, sagt Michael Riesner, technischer Analyst der UBS, im Chartgespräch. "Ab dem zweiten Halbjahr wird es aber mehr Gegenwind für Aktien geben."

Trader an der New Yorker Börse: Dem Aufwärtstrend bei Aktien droht erst im zweiten Halbjahr 2011 Gegenwind, sagt UBS-Analyst Michael Riesner. DAPD

Trader an der New Yorker Börse: Dem Aufwärtstrend bei Aktien droht erst im zweiten Halbjahr 2011 Gegenwind, sagt UBS-Analyst Michael Riesner.

DÜSSELDORF. Am Ende hat es der Dax nicht geschafft. Die 7 000-Punkte-Marke hat der Leitindex zum Jahresschluss klar verfehlt. Unter dem Strich steht für 2010 aber ein Plus von 16 Prozent, damit hat der Dax alle anderen Indizes führender Finanzplätze abgehängt.

Auf 13 Prozent Kursplus brachte es der amerikanische S&P-500-Index. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass es für das wichtigste Wall-Street-Barometer mittelfristig weiter aufwärts geht: "Der Bullenmarkt ist intakt. Kurzfristig ist der Markt zwar überkauft und der Optimismus unter den Anlegern ist zu hoch, so dass es unter Umständen einen holprigen Start in das Jahr 2011 geben könnte", sagt Michael Riesner, technischer Analyst der UBS. Er rechnet aber damit, dass der US-Aktienmarkt nach einem kurzen Luftholen spätestens ab Februar einen neuen Anlauf nach oben starten wird.

"Mit dem Sprung über den wichtigen Widerstand bei 1 230 Punkten hat der S&P den Boden für einen weiteren Anstieg bereitet. Als Nächstes dürfte die Marke von 1 350 Punkten in den Fokus rücken", erwartet Riesner. Er hält amerikanische Aktien zwar generell für "überkauft". Allerdings fehle es an Indikatoren, die auf ein schnelles Ende des Aufwärtstrends hinwiesen: "Die Marktbreite ist sehr gut, die überwiegende Zahl der Aktien macht die Rally mit. Außerdem laufen Small- und Midcaps nach wie vor besser als die großen Standardwerte. Am Ende von Bullenmärkten ist das Bild in der Regel umgekehrt."

Positiv stimmt Riesner auch der Blick auf kleinere US-Indizes wie den Russell 2000 oder den Dow Jones Transportation. Beide befinden sich zurzeit auf dem Weg zu ihren Allzeithochs. "Ich glaube nicht, dass der Markt umkehrt, ehe diese Niveaus erreicht sind", sagt er.

Ab dem zweiten Halbjahr erwartet der UBS-Analyst allerdings "eine relativ große Überraschung und deutlich mehr Gegenwind für Aktien, der dem Aufwärtstrend, der seit März 2009 läuft, ein Ende setzt". Stattdessen werde der übergeordnete strukturelle Bärenmarkt wieder in den Fokus der Anleger rücken. Dieser Trend, der mit dem Platzen der Internetblase zur Jahrtausendwende einsetzte, sei intakt. "Innerhalb dieser Bewegung gibt es stärkere Schwankungen nach oben und unten. Aber die Grundrichtung ist nach wie vor abwärts gerichtet. In realen Kursen, also inflationsbereinigt, hat der S&P 500 seit der Jahrtausendwende 40 Prozent verloren", erklärt Riesner.

Zieht man frühere langfristige Zyklen als Muster heran, kann der strukturelle Bärenmarkt noch bis Mitte des Jahrzehnts anhalten. Insbesondere wenn die Anlegerstimmung sehr stark ins Positive drehe, drohten neue Rückschläge. "Wenn das Sentiment zu heiß läuft, wird eine Korrektur irgendwann nötig", sagt Riesner. Eine solche könnte auch leicht Kursverluste von 20 Prozent und mehr bringen. Erst für die zweite Hälfte des laufenden Jahrzehnts rechnet er wieder mit einem lang anhaltenden Bullentrend.

Eine Einschränkung für seine Prognosen gibt Riesner aber selbst: "Wir leben in Zeiten extrem üppiger Liquidität, wie wir sie bisher noch nie gesehen haben. Das darf man als Analyst nicht unterschätzen. Zwar ist es heute noch nicht absehbar, aber sollte es im nächsten Jahr eine dritte oder gar vierte Runde des Quantitative Easing in den USA geben, werden alle technischen Modelle Makulatur sein."

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