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12.03.2012

15:30 Uhr

Chartgespräch

Dax-Anleger müssen sich auf Kurssprünge einstellen

VonUlf Sommer

Die Rally an den Aktienmärkten ist vorbei. Stark schwankende Kurse ohne eine Entscheidung für eine klare Richtung werden die nächsten Monate dominieren, sagt ein Charttechniker.

Die Kurse werden stark schwanken, ohne sich für eine klare Richtung zu entscheiden, sagt der Charttechniker. dpa

Die Kurse werden stark schwanken, ohne sich für eine klare Richtung zu entscheiden, sagt der Charttechniker.

DüsseldorfAktionäre haben es schwer. In den vergangenen Tagen besonders. Nach dem besten Jahresstart seit Jahrzehnten setzte der Dax in der vergangenen Woche zur lang erwarteten Korrektur an. Dreieinhalb Prozent verlor Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer am Dienstag. Die 30 Unternehmen waren binnen weniger Stunden 25 Milliarden Euro weniger wert. Der Tenor vieler Anleger lautete nach diesem düsteren Tag: Jetzt hat die Korrektur begonnen.

Diese hatten auch viele Charttechniker seit langem erwartet. Denn sie hatten oft darauf hingewiesen, dass es während der Rally vielen großen Börsenindizes nicht mehr gelungen ist, ihre alten Hochs zu überwinden. Der Dax scheiterte mehrfach knapp an der 7000er-Marke. Solch eine Gipfel- oder auch Top-Bildung ist ein untrügliches Zeichen von Schwäche – eben weil hohe Verkaufsbereitschaft den weiteren Aufschwung deckelt.

Wo rein, wo raus? - Die Perspektiven der DAX-30 A-C

Adidas

geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 16,4

Dividendenrendite, zahlbar in 2012: 1,4% (zum Teil noch geschätzt)

Einschätzung und Strategie: Aktie ist von den Kennziffern her gut bewertet. Kurs derzeit überreizt.

Quelle: WirtschaftsWoche

Allianz

geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 9,0

Dividendenrendite, zahlbar in 2012: 5,0% (zum Teil noch geschätzt)

Einschätzung und Strategie: Bei 100 Euro aussteigen, mit Stopp 80 Euro halten.

BASF

geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 11,8

Dividendenrendite, zahlbar in 2012: 3,5% (zum Teil noch geschätzt)

Einschätzung und Strategie: Bleibt ein Top-Wert. Zukäufe aber erst zwischen 40 und 50 Euro.

Bayer

geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 11,5

Dividendenrendite, zahlbar in 2012: 2,8% (zum Teil noch geschätzt)

Einschätzung und Strategie: Viel dürfte nicht mehr gehen. In steigende Kurse hinein Gewinne mitnehmen.

Beiersdorf

geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 24,1

Dividendenrendite, zahlbar in 2012: 1,6% (zum Teil noch geschätzt)

Einschätzung und Strategie: Als Beimischung und solide Halteposition in einem Dax-Depot geeignet.

BMW

geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 10,1

Dividendenrendite, zahlbar in 2012: 3,0% (zum Teil noch geschätzt)

Einschätzung und Strategie: Stark positioniert und stark gelaufen. Dabeibleiben mit Stopp 49 Euro.

Commerzbank

geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 7,6

Dividendenrendite, zahlbar in 2012: 0,0% (zum Teil noch geschätzt)

Einschätzung und Strategie: In beiden Richtungen alles drin. Sehr spekulativ, kein Basisinvestment.

Doch die prophezeite Korrektur wollte nach dem düsteren Dienstag nicht starten. Im Gegenteil: Der Dax notiert dank kräftiger Erholung schon wieder nahe seinem Hoch aus diesem Jahr. „Zu viele erwarteten gleichzeitig die Korrektur und verkauften Aktien. Doch diese erholten sich schnell, weil jeder, der verkaufen wollte, dies sehr schnell getan hat“, erklärt Klaus Deppermann von der BHF-Bank die rasante Umkehr nach oben.

Damit bestätigte der Dax einmal mehr seine außerordentliche Trendstärke, die ihn schon lange auszeichnet. Eine Trendstärke, die der Experte für fast alle großen Börsenindizes – große Ausnahme ist der Euro Stoxx 50 – ermittelt. Die Indizien dafür: stetige Gewinne, kaum Rückschläge, rasche Erholungen nach seltenen Rückschlägen und vor allem eine gesunde Marktbreite. Das heißt, vielen Gewinneraktien stehen nur wenige Verlierer gegenüber.

Wo rein, wo raus? - Die Perspektiven der DAX-30 D-H

Daimler

geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 9,0

Dividendenrendite, zahlbar in 2012: 4,7% (zum Teil noch geschätzt)

Einschätzung und Strategie: Kurs noch nicht ausgereizt, bleibt ein Favorit 2012. (Mehrertrag bei schwankenden Kursen über Bonus-Pro-Zertifikat erzielbar.)

Quelle: WirtschaftsWoche

Deutsche Bank

geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 7,4

Dividendenrendite, zahlbar in 2012: 2,3% (zum Teil noch geschätzt)

Einschätzung und Strategie: Zuletzt sehr schwache Geschäfte, zudem Milliardenklagen. Meiden.

Deutsche Börse

geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 11,2

Dividendenrendite, zahlbar in 2012: 6,6% (zum Teil noch geschätzt)

Einschätzung und Strategie: Geschäft brummt, nach der gescheiterten Fusion mit der NYSE weitere Kurschancen.

Deutsche Post

geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 10,9

Dividendenrendite, zahlbar in 2012: 4,9% (zum Teil noch geschätzt)

Einschätzung und Strategie: Auf dem aktuellen Niveau sollten engagierte Anleger aussteigen (spekulative Strategie auf fallende Kurse über Hebel-Short-Zertifikat).

Deutsche Telekom

geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 14,6

Dividendenrendite, zahlbar in 2012: 8,0% (zum Teil noch geschätzt)

Einschätzung und Strategie: Mit engem Stopp bei 7,90 Euro noch halten. Mittelfristig Kursgefahren.

E.On

geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 9,9

Dividendenrendite, zahlbar in 2012: 5,9% (zum Teil noch geschätzt)

Einschätzung und Strategie: Hohe Dividende nutzt wenig: Kurs dürfte über kurz oder lang wieder fallen.

Fresenius Medical Care

geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 17,7

Dividendenrendite, zahlbar in 2012: 1,3% (zum Teil noch geschätzt)

Einschätzung und Strategie: Langfristig aussichtsreich, derzeit aber einfach zu teuer. Positionen abbauen.

Fresenius

geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 14,9

Dividendenrendite, zahlbar in 2012: 1,1% (zum Teil noch geschätzt)

Einschätzung und Strategie: Günstiger als die Tochter FMC. Aktie hat noch etwas Spielraum nach oben (Mehrertrag bei schwankenden Kursen über Bonus-Pro-Zertifikat erzielbar).

HeidelbergCement

geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 13,0

Dividendenrendite, zahlbar in 2012: 0,8% (zum Teil noch geschätzt)

Einschätzung und Strategie: Hoffnungsrally auf bessere Konjunktur stützt den Kurs – noch. überwiegen Risiken.

Henkel Vz.

geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 14,1

Dividendenrendite, zahlbar in 2012: 1,6% (zum Teil noch geschätzt)

Einschätzung und Strategie: Kein Schnäppchen, aber einigermaßen solide. Unter 40 Euro aufstocken (zweistellige Rendite über Discountzertifikat bei sich seitwärts bewegenden Kursen erzielbar).

Das klingt in einer Hausse banal, ist es aber keineswegs. In der beispiellosen Hausse 1999/2000 war es sogar umgekehrt: Wenige Gewinner, dafür aber Aktien mit hoher Marktkapitalisierung wie Deutsche Telekom, Mannesmann und SAP trieben damals den Dax nach oben. Fast unbemerkt verlor aber die Mehrzahl der Aktien an Wert. Solch einer schlechten Marktbreite folgt gewöhnlich – und folgte auch damals – eine nachhaltige Trendwende nach unten.

Kommentare (5)

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Brannigan

12.03.2012, 16:03 Uhr

Kostolany würde hierzu sagen:
'Dummköpfe, die weit über ihrem geistigen Niveau leben.'
Bitte sein Buch 'Börsenseminar' lesen - dann läuft's auch an der Börse, war bei mir jedenfalls so ...
Wünsche Ihnen allen gute Investments!

Anonymous

12.03.2012, 16:19 Uhr

Und wer nicht den ganzen Tag am Bildschirm kleben will, um den Ticker zu verfolgen bzw. die richtigen Ein- und Ausstiegsmarken nicht zu versäumen, kann es auch bequemer haben, nämlich mit Discountzertifikaten mit vernünftigem Cap. Den Banken ist natürlich wegen der Gebühren wiederholter Kauf und Verkauf lieber. Aber hin und her macht bekanntlich die Taschen leer.

maui

13.03.2012, 07:37 Uhr

AUch so ein Blödsinn, diese Leerprodukte. Eigentlich sollten es LEHRPRODUKTE sein: wer nicht den ganzen Tag vor dem Schirm kleben will, kauft: BASF, NESTLE, APPLE.
Aber, das scheint "abgelutscht" zu sein. Dumme Mass..e..

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