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30.07.2012

08:51 Uhr

Chartgespräch

Dax entgeht dem Absturz - und startet durch

VonJörg Hackhausen

Für den Dax sah es übel aus. Doch er hat gerade noch die Kurve gekriegt. Nun sei sogar eine kleine Rally drin, sagt ein Charttechniker. Er prophezeit den Anstieg über 7.000 Punkte.

Dax-Kurve an der Börse in Frankfurt. dpa

Dax-Kurve an der Börse in Frankfurt.

DüsseldorfEs war ganz schön knapp: Dem Deutschen Aktienindex (Dax) drohte der Absturz, doch er hat sich gefangen. Jetzt sind die Aussichten nach Meinung von Dirk Oppermann wieder besser. "Der Dax kann schon bald in Richtung 6.900 Punkte steigen", sagt der Experte für Charttechnik der DZ Bank. "Sogar das Hoch aus dem März bei 7.200 Punkten rückt wieder in greifbare Nähe."

Danach hatte es in der vergangenen Woche zunächst überhaupt nicht ausgesehen. Der Index sackte kräftig ab, fast bis auf 6.300 Punkte. Es sah nach einem kleinen Ausverkauf aus. Für kurze Zeit fiel der Dax sogar unter die 200-Tage-Linie. "Das war ein ganz kritischer Moment", meint Oppermann.

Musterschüler und Sitzenbleiber - so verschuldet sind die Euro-Länder

Platz 1

Das am höchsten verschuldete Land der Euro-Zone ist - wer hätte es gedacht - Griechenland. Bei satten 175 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegt die Schuldenquote des Mittelmeerlandes. Ein kleiner Lichtblick: Immerhin haben es die Griechen in den vergangenen Jahren geschafft, ihr extrem hohes Haushaltsdefizit zu drücken: Nahm die Regierung 2009 noch neue Kredite in Höhe von 15,6 Prozent des BIP auf, wird sich die Defizitquote im Jahr 2012 - nicht zuletzt dank europäischer Hilfe - auf 7,3 Prozent des BIP verringern.

Platz 2

Auf Platz zwei der am meisten verschuldeten Euro-Länder landet Italien. Mit 123 Prozent des BIP stehen die Italiener laut Eurostat in der Kreide. Die Märkte bestrafen das mit höheren Zinsen, die der Regierung von Premierminister Mario Monti das Leben schwer machen. Mit einem harten Sparkurs steuert Rom dem entgegen: Die Defizitquote sank von 5,4 Prozent im Jahr 2009 auf voraussichtlich 2,0 Prozent in diesem Jahr.

Platz 3

Irland hatte vor allem unter der Bankenkrise zu leiden. Weil das kleine Land seine Banken stützen musste, hat es einen Bruttoschuldenstand von 116,1 Prozent des BIP. Auch das Haushaltsdefizit des früheren keltischen Tigers war in der Folge beängstigend hoch und lag 2010 bei 31 Prozent des BIP. Inzwischen konnte die Regierung das Defizit auf 8,3 Prozent senken - was immer noch deutlich zu hoch ist.

Platz 4

Genau wie Griechenland und Irland musste sich auch Portugal unter den Rettungsschirm flüchten. Das Land ächzt unter einer Schuldenquote von 113,9 Prozent der BIP. Auf Druck der EU reduzierten die Portugiesen ihr Haushaltsdefizit in den vergangenen Jahren deutlich: Waren es 2009 noch 10,2 Prozent des BIP, wird die Defizitquote in diesem Jahr voraussichtlich auf 4,7 Prozent sinken.

Platz 5

Auch Belgiens Schuldenquote hat mit 113,9 Prozent vom BIP eine kritische Höhe erreicht. Bei Haushaltsdefizit hingegen sehen die Belgier inzwischen wieder ganz gut aus: Nach satten 10,2 Prozent im Jahr 2009 werden sie die in den Maastricht-Kriterien festgelegte Defizitquote von drei Prozent in diesem Jahr vorrausichtlich exakt einhalten.

Platz 6

Deutschlands Nachbarland Frankreich hat eine Verschuldungsquote von 90,5 Prozent des BIP. Ökonomen halten diese Schuldenlast für gerade noch tragbar, die Maastricht-Kriterien hingegen verletzen die Franzosen deutlich: Sie sehen eine Quote von höchstens 60 Prozent vor. Auch das französische Haushaltsdefizit ist mit 4,5 Prozent vom BIP im Jahr 2012 zu hoch.

Platz 7

Auch Deutschland, das sich gerne als Musterschüler der Euro-Zone sieht, drückt eine hohe Schuldenlast: 81,2 Prozent beträgt die Bruttoschuldenquote im Jahr 2012 - zu hoch für Maastricht. Beim Haushaltsdefizit hingegen sieht Europas größte Volkswirtschaft inzwischen richtig gut aus: Eurostat schätzt, dass Schäubles Defizitquote in diesem Jahr nur noch bei 0,9 Prozent des BIP liegt - der zweitbeste Wert aller Euro-Staaten.

Platz 8

Das letzte Land, das Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm suchte, war Spanien. Dabei ist die Bruttoschuldenquote der Iberer gar nicht so hoch: mit 80,9 Prozent liegt sie unter der von Deutschland. Deutlich zu hoch ist allerdings das Haushaltsdefizit Spaniens: Kredite in Höhe von 6,4 Prozent muss die konservative Regierung in diesem Jahr aufnehmen - weniger als im letzten Jahr (8,5 Prozent) aber immer noch zu viel.

Platz 9

Bei Zypern wird immer gemunkelt, dass das Land als nächstes unter den Rettungsschirm schlüpfen könnte. Den Inselstaat drückt eine Schuldenquote von 76,5 Prozent des BIP. Immerhin: Das Haushaltsdefizit konnten die Zyprioten spürbar reduzieren: Es sankt von 6,3 Prozent des BIP im Vorjahr auf 3,4 Prozent in diesem Jahr. Die Maastricht-Grenze ist damit wieder in Reichweite.

Platz 10

Die Mittelmeerinsel Malta weist eine Bruttoverschuldungsquote von 74,8 Prozent des BIP auf. Im europäischen Vergleich reicht das für Platz zehn. Das Haushaltsdefizit von Malta bewegt sich innerhalb der Maastricht-Kriterien und wird in diesem Jahr voraussichtlich bei 2,6 Prozent liegen.

Platz 11

Deutschlands südlicher Nachbar Österreich weist eine Verschuldungsquote von 74,2 Prozent des BIP auf - Platz elf in Europa. Auch das Haushaltsdefizitdefizit der Alpenrepublik ist mit aktuell drei Prozent vom BIP vergleichsweise gering. Im Jahr 2011 hatte es mit 2,6 Prozent sogar noch niedriger gelegen.

Platz 12

Die Niederlande gelten ähnlich wie Deutschland als Verfechter einer strengen Haushaltspolitik. Das macht sich bemerkbar: Die Verschuldungsquote liegt bei nur 70,1 Prozent vom BIP. Weniger erfolgreich haben die Niederländer in den vergangen Jahren gewirtschaftet: Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 5,6 Prozent und hat sich danach nur leicht verringert. Im Jahr 2012 peilt die Regierung ein Defizit in Höhe von 4,4 Prozent des BIP an.

Platz 13

Slowenien ist das erste Land im Ranking, dessen Verschuldungsquote die Maastricht-Kriterien erfüllt: Sie liegt im Jahr 2012 bei 54,7 Prozent des BIP. Schlechter sieht es bei den Haushaltszahlen aus: Nach einen Defizit in Höhe von 6,4 Prozent des BIP im Jahr 2011 steuert die Regierung in diesem Jahr auf 4,3 Prozent zu. Die Gesamtverschuldung steigt also.

Platz 14

Ein Musterbeispiel für solide Haushaltsführung ist Finnland: Die Bruttoverschuldungsquote der Skandinavier liegt bei 50,5 Prozent und bewegt sich damit locker in dem Rahmen, den der Maastricht-Vertrag vorgibt. Auch die Haushaltszahlen können sich sehen lassen: In den vergangenen vier Jahren lag Finnlands Defizit nie über der Drei-Prozent-Marke. Im Jahr 2012 werden es nach Prognose von Eurostat gerade einmal 0,7 Prozent sein.

Platz 15

Auch die Slowakei weist eine niedrige Gesamtverschuldung auf: Die Bruttoverschuldungsquote liegt bei 49,7 Prozent des BIP. In den vergangen Jahren allerdings hatten die Slowaken zunehmend Probleme: Bei acht Prozent des BIP lag das Haushaltsdefizit im Jahr 2009, in diesem Jahr werden es laut Eurostat-Prognose 4,7 Prozent sein.

Platz 16

Geldsorgen sind in Luxemburg ein Fremdwort. Die Verschuldungsquote des Großherzogtums liegt bei niedrigen 20,3 Prozent. Der Regierung gelingt es in den meisten Jahren auch, mit den eingenommenen Steuermitteln auszukommen. In den vergangenen drei Jahren lag das Haushaltsdefizit stets unter einem Prozent des BIP. Die anvisierten 1,8 Prozent in diesem Jahr sind da schon ein Ausreißer nach oben.

Platz 17

Hätten Sie es gewusst? Der absolute Haushalts-Musterschüler der Euro-Zone ist Estland. Das baltische Land hat eine Gesamtverschuldung, die bei extrem niedrigen 10,4 Prozent des BIP liegt - ein echter Spitzenwert. 2010 und 2011 gelang es der Regierung sogar, einen kleinen Haushaltsüberschuss zu erwirtschaften. In diesem Jahr läuft es etwas schlechter: Voraussichtlich wird die Regierung Kredite in Höhe von 2,4 Prozent des BIP aufnehmen. Die Maastricht-Kriterien halten die Esten damit aber immer noch locker ein.

Die 200-Tage-Linie ist einer der meist beachteten Indikatoren in der Charttechnik - sie zeigt den gleitenden Durchschnitt der vergangenen 200 Handelstage an. Fällt der Dax unter diese Linie, dann ist das für Charttechniker ein Warnsignal: Es drohen weitere Verluste. Nur weil der Index die entscheidende Marke schnell wieder zurückerobern konnte, kam es nicht zu einem noch heftigeren Absturz. Das sagen jedenfalls die Charttechniker.

Chart: Dax kämpft mit der 200-Tage-Linie.

Chart: Dax kämpft mit der 200-Tage-Linie.

Tatsächlich dürfte auch Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), nicht ganz unschuldig daran gewesen sein, dass es für die Aktienmärkte wieder aufwärts ging. Er verkündete am Donnerstagmittag, die EZB werde alles tun, um den Euro zu retten. Und wenn der Präsident der EZB so etwas sagt, dann heißt das übersetzt: Die Notenbank wird im Notfall noch mehr Geld bereitstellen - entweder wird sie die Zinsen senken, den Banken billiges Geld leihen oder Papiere aufkaufen, die sonst kaum einer haben will. Das wiederum freut die Investoren. Sie trauen sich in Aktien zu investieren.

Kommentare (4)

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Stula

30.07.2012, 09:38 Uhr

So etwas Lächerliches, der Dax-Anstieg liegt einzig in der vagen Hoffnung begründet, dass die Notenbanken wieder einmal das Scheunentor öffnen und den Markt fluten. Die Geldjunkies könnten damit kurzfristig ihre Dosis bekommen; nur ein Junkie braucht immer mehr und das in kürzeren Abständen. Wer Glück gehabt hat, ist bei 6.000 rein. Jetzt noch phantastische Kaufsignale zu suggerieren, ist der wiederholte Versuch, die letzten "dummen" Kleinanleger zum Kaufen zu bewegen, um dann endlich selbst Kasse machen zu können.

Account gelöscht!

30.07.2012, 10:41 Uhr

Der Bericht lag wohl schon etwas länger in der Schublade? Kann man beim Handelsblatt ja die Uhr nach stellen, wann so was immer veröffentlicht wird.

Später folgen noch Berichte mit welchen Aktien man durch die Krise kommt und welche Aktien 2012 die Anleger reich gemacht haben ;-)

Trader

30.07.2012, 11:24 Uhr

Es ist tatsächlich lächerlich, dass hier die Charttechnik aussagekräftig sein soll. Allein die Aussagen Draghis haben zu diesem "Run" geführt - so wie schon seit Monaten die Politik mit ihren ständig wechselnden Aussagen und Verhaltensweisen das Auf und Ab der Märkte bestimmt. Mit Charttechnik hat das ganz und gar nichts zu tun. Herr Draghi wusste sicherlich, welche Auswirkungen seine Aussagen haben würden. Vielleicht hat er sich ja zuvor mit ausreichend Calloptionen eingedeckt. Es ist nur auch traurig, dass das Handelsblatt einen solch' fachlich unqualifizierten Artikel bringt. Zumal es oben rechts gleichzeitig auf den Punkt gebracht ist: "Anleger setzen auf EZB" - und eben nicht auf die Charttechnik.

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