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02.07.2012

12:13 Uhr

Chartgespräch

„Der Dax wird aufs Neue fallen“

VonUlf Sommer

Der Dax legt am Montag weiter zu. Doch Charttechniker Klaus Deppermann warnt vor einem erneuten Einbruch. Signale dafür gebe es in Hülle und Fülle. Eine Wende sieht der Experte erst unter 5.000 Punkten.

Experten befürchten, dass die Talfahrt des Dax noch lange nicht vorüber ist. dpa

Experten befürchten, dass die Talfahrt des Dax noch lange nicht vorüber ist.

DüsseldorfDer Dax fällt, wenn sich Anleger keine Impulse mehr von der Politik zur Lösung der Schuldenkrise erhoffen, so wie am Donnerstag. Er steigt, wenn die Politik wider Erwarten doch liefert, so wie am Freitag. Sind in solchen Zeiten überhaupt Prognosen möglich, die auf einer Interpretation der Kurscharts beruhen?

"Kurzfristig nein", sagt Klaus Deppermann von der BHF-Bank, "doch politische Börsen haben kurze Beine." Insofern ist eine Prognose doch möglich. Über den Tag hinaus orientieren sich die Kurse nicht an Beschlüssen der Politik, die morgen ohnehin überholt sind.

Der Tag an den Märkten (Stand 17:30)

Dax

- 0,19 Prozent (Schlusskurs vom Freitag)

Euro Stoxx 50

+ 0,1 Prozent

Dow Jones

- 0,3 Prozent

Nikkei

+ 0,1 Prozent

Euro

1,2302 Dollar (+/- 0 Prozent)

Gold

1.602 Dollar (- 0,7 Prozent)

Öl (Brent)

106,40 Dollar (+ 1,2 Prozent)

Doch vielleicht wäre es besser gewesen, auf eine Prognose zu verzichten. Denn Deppermann ist pessimistisch. Er sieht die Börsen nach der kurzen Rally von Freitag neuerlich fallen. "Der Dax und weltweit fast alle anderen Börsenindizes befinden sich seit März auf Talfahrt. Es gibt keine Anzeichen für ein Ende." So gebe es bislang keinerlei Anzeichen auf einen Ausverkauf, einen Sell-Out - das heißt rasant fallende Kurse bei hohen Umsätzen.

Börsianer zum EU-Gipfel

Oliver Roth, Kapitalmarktstratege bei Close Brothers

„Die Banken können sich nun leichter in der Krise rekapitalisieren als das bisher der Fall war. Bislang waren ja hauptsächlich die Nationalstaaten dafür verantwortlich. Diese Last ist den Staaten nun von den Schultern genommen, und damit wird zum Beispiel der Staatshaushalt von Spanien wesentlich entspannter.
Auch die nordeuropäischen Staaten werden dadurch entlastet, weil die Zinsen auf italienische oder spanische Staatsanleihen deutlich sinken dürften, und das ist gut für die gesamten Geschäftsbeziehungen.“

Citigroup

„Die Kursentwicklung geht über das hinaus, was gerechtfertigt ist. Erstens bedarf es Klarheit darüber, wie und in welchen Fällen Regierungen den ESM in Anspruch nehmen können. Wenn es nur zur Rekapitalisierung von Banken ist, wäre es nicht weitgehend genug, um die zugrundeliegenden Belastungen zu lindern. Zweitens bleiben beträchtliche Umsetzungsrisiken.
Die Regierungen müssen der EZB für ihre neuen Aufsichtsaufgaben Rechte übertragen. Dies könnte sich als umstrittener herausstellen als es die unmittelbare Marktreaktion vermuten lässt. Nach derartigen Ankündigungen ist der anfängliche Optimismus verpufft, sobald sich die Politiker an die Details machen. Wir würden uns nicht wundern, wenn sich dieses Muster wiederholt.“

Jörg Krämer & Christoph Weil, Volkswirte der Commerzbank

„In einer turbulenten Nachtsitzung haben sich die Regierungschefs überraschend grundsätzlich darauf geeinigt, den Banken der hochverschuldeten Krisenländern künftig direkt Hilfen zu gewähren und damit deren Staatshaushalte zu entlasten. (...)
Gemeinsame Anleihen tauchen nach Merkels klarem Nein nicht im Kommuniqué des Gipfels auf. Wir bleiben allerdings bei unserer Prognose, dass Deutschland solchen Anleihen am Ende zustimmen dürfte, wenn die Existenz der Währungsunion gefährdet wäre.“

Tim Waterer, Händler bei CMC Global Markets

„Der Markt ist ein bisschen überrascht, dass etwas substanzielles bei dem Gipfel herausgekommen ist. Die Details zum Zeitrahmen der Umsetzung dieses Plan wird darüber entscheiden, ob die aktuellen Kursgewinne nachhaltig sind.“

Holger Schmiedung, Berenberg-Chefvolkswirt

„Um den Markt zu beeindrucken, sind Eingriffe der EZB notwendig - etwa Interventionen am Anleihenmarkt oder erhebliche Liquiditätsspritzen für die Banken. Ohne EZB geht es nicht.“

"Eine Talfahrt endet fast nie mit niedrigen Umsätzen." Erst wenn jeder Verkaufswillige seine Order erfolgreich platziert habe, bestehe eine gute Chance für ein Ende der Talfahrt. Der Experte sieht den Dax sehr bald wieder fallen und eine Wende "erst im August oder spätestens im September mit Kursen knapp unter 5000 Punkten". Das Abwärtspotenzial beträgt demnach weitere 20 Prozent. Neben den geringen Umsätzen stimmen den Experten die miserable Verfassung vieler anderer Aktienindizes pessimistisch.

Kommentare (6)

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Ohweiohweiohwei

02.07.2012, 12:52 Uhr

Der Dax wird von Grossbanken gesteuert! Der Dax wird wieder fallen, wenn man merkt das der Schuldenerweiterungsfond (manche Vollidioten bezeichnen ihn faelschlicher Weise auch als Rettungsfond) wieder nicht ausreicht. Nach einer erneuten Aufstockung wird dann der Dax wieder kurzfristig nach oben katapultiert. Da der Goldpreis ebenso manipuliert wird und mit dem Dax faellt, ist der bestmoegliche Zeitpunk Gold nachzukaufen, wenn die Banken eine aufstockung der Schulden fordern. Der beste Zeitpunkt Aktien zu kaufen ist der gleiche Zeitpunkt, aber wer unterstuetzt noch Banken, die das Geld ihrer Kunden verzocken und bereits pleite sind.

Optimist

02.07.2012, 13:12 Uhr

Tolle Einschätzung:
"Der Dax wird entweder fallen oder doch steigen".
War schon immer der Meinung, dass Charttechnik Spökenkiekerei ist oder allenfalls ( auf neudeutsch ) "Selffullfilling-Prophecy", wenn genug Leute daran glauben.
Was ich vielmehr vermute ist, dass die Politik auf Biegen und Brechen ( dass heißt, mit wievielen Anreizen und teuren Programmen auch immer ) einen Kollaps des Banken- und Wirtschaftssystems verhindern wird.
Ich glaube zwar nicht an Inflation ( weil ich keine Warenknappheit sehe ), halte aber dennoch wegen der Neigung der Politik zu Konjunkturspritzen ausgewählte Aktien für keine schlechte Idee!!

sugar

02.07.2012, 14:05 Uhr

Wenn man die Kurve am heutigen Montag, den 2. Juli 2012 ansieht, so krüppelt diese Kurve geradezu vor sich hin: dünner Markt! Die Onlinebanken schreiben von "Fortsetzung freundlicher Verlauf" oder so ähnlich um die dummen Kleinbürger zu animieren, endlich deren GIER nachzugeben.
Ich sehne mich nach den Zeiten zurück, als fundamental-wirtschaftliche Daten den Kurs bestimmten. Große Firmen sind heute genauso Zockerwerte wie Solarfirmen. Das Sommerloch hat gerade geöffnet, nur ohne Eis. Der Dax wird hier noch tief fallen.

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