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25.01.2010

16:54 Uhr

Chartgespräch

Der Euro schlägt sich gut

VonUlf Sommer

Der Euro hat zuletzt an Wert gegenüber dem Dollar verloren. Einiges deutet darauf hin, dass die Kurse weiter fallen könnten. Doch der technische Analyst Christoph Müller von der DZ-Bank gibt im Chartgespräch Entwarnung: Kurzfristig bleibt der Euro noch unter Druck, aber auf längere Sicht weist der Weg nach oben.

Der Euro hat zuletzt im Vergleich zum Dollar verloren, doch Einiges spricht auf längere Sicht auf einen Kursanstieg hin. Reuters

Der Euro hat zuletzt im Vergleich zum Dollar verloren, doch Einiges spricht auf längere Sicht auf einen Kursanstieg hin.

DÜSSELDORF. Mehr als zehn Cent hat der Euro in nur sechs Wochen zum Dollar verloren. Lässt sich deshalb von einem Absturz sprechen? Gemessen an den Hiobsbotschaften über ausufernde Staatsschulden und Horror-Spekulationen über drohende Staatspleiten in Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien samt eines Zerfalls des Euro-Währungssystems erscheint es fast wie ein Wunder, dass sich der Euro noch so gut hält - der Dollar also nicht noch stärker von der Misere in Europa profitiert.

Denn vergessen wir nicht: Als die US-Bank Lehman im September 2008 Insolvenz anmeldete und damit die amerikanische Volkswirtschaft ebenso tief ins Herz traf wie die europäische, da erreichte der Euro sehr viel tiefere Kurse als jetzt. Steht dem Euro also diesmal noch das Schlimmste bevor, weil er trotz seiner jüngsten Schwäche immer noch relativ stark bewertet ist?

Die fundamentalen Argumente pro und contra Euro/Dollar lassen sich beliebig fortsetzen. Nicht verschwiegen sei das Szenario einer rascheren Erholung der US-Konjunktur, wie es eigentlich nach jeder Rezession üblich ist. Deshalb sollte wiederum der Dollar mehr Potenzial haben als der Euro.

Nach Bruch der 200-Tage-Linie ging es fulminant abwärts

Nicht zuletzt deshalb - eben wegen der Fülle an durchaus schlüssigen Erklärungen für ein Auf und Ab der Kurse - lassen technische Analysten solch fundamentale Gründe bewusst außen vor. Sie blicken ausschließlich auf die Kurscharts. Beim Euro-Dollar-Kurs zieht Christoph Müller von der DZ-Bank ein eindeutiges Fazit: Kurzfristig bleibt der Euro unter Druck. Doch längerfristig überwiegen für ihn die Argumente, dass die europäische Einheitswährung wieder zulegt.

Neben vielen negativen Trendfolge-Indikatoren spricht nach Ansicht des Chartexperten der Bruch der wichtigen 200-Tage-Linie für einen schwächeren Euro in den kommenden Wochen. Viele Anleger orientieren sich an dem Handelsdurchschnitt der vergangenen 200 Tage.

Leonardo Fibonaccis Unterstützung wackelt bedenklich

Unterschreitet ein Chart diese Linie - so wie der Euro im Dezember - und gelingt es ihm anschließend nicht, diese Linie wieder zu überschreiten - so wie im Januar -, dann springen üblicherweise viele Anleger auf diesen Trend und verstärken ihn dadurch - so wie beim Abprall des Euros an dieser 200-Tage-Linie im Januar. Binnen weniger Tage verlor der Euro fünf Cents.

Müller erwartet, dass die nächste wichtige Unterstützung bei 1,407 Dollar nicht halten wird. Schon in der vergangenen Woche wurde sie touchiert. An dieser Marke verläuft eine wichtige Korrektur (38,2 Prozent) aus dem vorangegangenen Aufwärtstrend. Sie lässt sich aus der Leonardo-Fibonacci-Zahlenreihe nach dem Rechenmeister aus dem 13. Jahrhundert ableiten, die bei Anhängern der Charttechnik viel Aufmerksamkeit genießt. Müller sieht den Euro bis auf 1,374 Dollar fallen. Damit wäre der Aufwärtstrend um 50 Prozent korrigiert.

Hält diese Unterstützung, und darauf deuten die langfristigen Trendfolge-Indikatoren hin, überwiegen für den Experten die Argumente für einen längerfristig starken Euro. Nach der jetzt noch einige Wochen laufenden Korrektur sieht Müller den Euro wieder in Richtung 1,45 Dollar steigen, ehe es langfristig sogar über 1,50 Dollar gehen dürfte.

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