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27.08.2012

11:05 Uhr

China-Immobilien

Die Angst vor dem großen Crash

Schattenbanken verkaufen Produkte, die kein Mensch versteht. Windige Berater versprechen Kleinsparern Renditen, die sie niemals erfüllen können. In China werden Erinnerungen an den Ausbruch der US-Immobilienkrise wach.

Chinesischer Investor: Viele Produkte versteht kein Mensch. dpa

Chinesischer Investor: Viele Produkte versteht kein Mensch.

TaiheDer Name "Goldener Elefant Nr. 38" klingt vielversprechend. Gilt doch der Elefant in vielen asiatischen Kulturen als Glücksbringer und Symbol für Stärke und Weisheit. Dieser spezielle Elefant soll seinen Besitzern vor allem eines bringen: satte Gewinne. Jährlich - so verspricht es der Verkaufsprospekt für das in China vertriebene Kapitalanlageprodukt - sollen 7,2 Prozent Rendite abfallen. Das ist viel - mehr als das Doppelte von dem, was einem chinesischer Sparer sonst für seine Einlagen zusteht.
Was der Prospekt nicht verrät: Hinter dem "Goldenen Elefanten" verbirgt sich ein fast leerstehender Wohnkomplex in einem der ärmsten chinesischen Landstriche; zwischen Reisfeldern am Ende einer Schotterpiste in der Stadt Taihe in der östlichen Provinz Jiangxi. "Die haben noch nicht mal eine anständige Straße gebaut", schimpft Li Chun, ein Kfz-Mechaniker, der in dem besagten Komplex wohnt.

Der "Goldene Elefant Nr. 38" ist nur eines von Tausenden dieser vermögensbildenden Produkte, die bei betuchten Chinesen reißenden Absatz finden. Der Umsatz damit ist nach Angaben der chinesischen Vermögensberatung CN Benefit im ersten Halbjahr 2012 um mehr als 40 Prozent auf über zwölf Billionen Yuan (1,5 Billionen Euro) explodiert. Experten warnen mittlerweile aber vor einer Blase, die Alarmzeichen mehren sich. Wie in den USA könnten Verluste mit solchen Produkten schnell die Märkte in Mitleidenschaft ziehen, sind sich Banker sicher.
Aufgesetzt werden diese Produkte meist von Chinas "Schattenbanken", wie die unregulierten Vermögensverwalter oft genannt werden. Seit der Öffnung Chinas ab 1979 entstanden, fahren sie inzwischen ein Fünftel des Neugeschäfts der Finanzbranche ein. Ihre ursprüngliche Mission: Die renditeträchtige Kreditvergabe an risikoreichere Unternehmen, die die Banken nicht bedienen wollten.

Die schwärzesten Börsentage seit 1987

Vor 1987

Beim größten Crash der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987 - als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index um 23 Prozent einbrechen ließen - hatte es den Dax noch nicht gegeben. Der deutsche Index, in dem die 30 börsennotierten Top-Unternehmen abgebildet sind, wurde erst am 1. Juli 1988 eingeführt. Auf Dax-Basis zurückberechnet hatten sich die Verluste an diesem Tag in Frankfurt aber auf gut neun Prozent belaufen.

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

In Reaktion auf den später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow verliert der Dax gut neun Prozent.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise verliert der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent und schließt mit 3.567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

5. August 2002 und 3. September 2002

US-Rezessionsängste drücken den Dax um 5,7 beziehungsweise 5,8 Prozent in die Tiefe. Darüber hinaus sorgt die Unsicherheit über die Lage im Irak für Aktienverkäufe.

24. März 2003

Wenige Tage nach Beginn des Irak-Krieges wachsen die Zweifel an den Finanzmärkten. Viele Anleger fürchten, der Krieg könnte sehr viel länger als von den USA erwartet dauern. Der Dax stürzt um 6,1 Prozent ab.

21. Januar 2008

Angst vor einer Rezession in den USA drückt den Dax um sieben Prozent auf 6.790 Punkte ins Minus.

15. September 2008

Die Pleite von Lehman drückt den Dax um moderate 2,7 Prozent.

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

01. Dezember 2008

Konjunktursorgen lassen den Dax um rund sechs Prozent fallen.

15. März 2011

Vier Tage nach der Erdbebenkatastrophe flüchten die Anleger weltweit aus den Aktienmärkten. Die Kernschmelzen in Fukushima erschüttern das Vertrauen zusätzlich: Der Nikkei-Index schließt 10,6 Prozent im Minus, der Dax verliert zeitweise 5,6 Prozent.

8. August 2011

Die USA verlieren am Wochenende bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer. Obwohl dies keine Überraschung ist, reagieren die Anleger mit Aktienverkäufen in großem Stil. Als an der Wall Street der Dow-Jones-Index 3,4 Prozent abstürzt, beschleunigt der Dax seine Talfahrt und verliert bis zu 5,2 Prozent auf 5921 Punkte.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

Das hat sich in den vergangenen Jahren aber drastisch geändert. Inzwischen arbeiten die Banken eng mit den Investmentgesellschaften zusammen. Ein typisches Geschäft funktioniert so: Die Bank leiht einer Provinzregierung Geld für ein Bauprojekt. Peking kontrolliert das Institut und verlangt, riskante Kredite loszuwerden. Daraufhin verkauft die Bank das Darlehen an die Investmentgesellschaft. Diese wiederum zerlegt den Kredit und kreiert daraus - teils unter Beimischung anderer Kredite - das sogenannte "Vermögensbildende Produkt". Über die Bank werden diese oft recht kurz laufenden Produkte dann mit hohen Renditeversprechen an Privatinvestoren weiterverkauft.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

27.08.2012, 13:38 Uhr

mit anderen Worten...

in China werden die Menschen genauso belogen und betrogen wie in den USA, Europa, Australien, Afri.....

Wie hier die amerikanische Immobilienblase verharmlost wird ist kaum noch zu ertragen. Das war Betrug, peinlich genau geplanter und präzise ausgeführter Betrug.

Von wegen "...irgendwann blickten aber nicht einmal Experten mehr durch. Das System brach schließlich zusammen..."

Glaubt Ihr wirklich, auf dieser Ebene geschieht irgendetwas einfach so? Vier Jahre nach Lehmann, die meisten Schweinereien sind mittlerweile aufgedeckt- nur nicht veröffentlicht worden und Ihr macht immer noch auf "das konnte doch keiner kommen sehen"?

Das ist doch kein Journalismus, das ist geplante Volksverdummung, Handlangermentalität! Der Verdacht, nein eigentlich schon die Überzeugung, dass Banken, Konzerne und Medien mit der selben gespaltenen Zunge Lügen verbreiten, erhärtet sich bei immer mehr Menschen - nicht nur bei mir.

Ihr schützt ein menschenverachtendes und betrügerisches System durch Propaganda vor seiner Entlarvung.

r-tiroch@t-online.de

27.08.2012, 15:08 Uhr

desshalb bin ich geneigt mich darüber zu Freuen, wenn der ganze Finanzmisthaufen am Ende ist.

Heho

27.08.2012, 16:48 Uhr

Ich finde, Sie haben hier schon ziemlich übertrieben. Es gibt wesentliche Unterschiede zur US Immobilienblase:
In USA gab wurden ca 15 % der Immos mit 100 a 125% des Wertes beliehen.
In China ist die EK - Quote für die Finanzierung vorgeschrieben und lag zum Schluss bei 50%
Die ständige Refinanzierung über ganze Ketten von RMDO, CDO und das gleichzeitige "einmischen" von Alt-A hypotheken hat auch nicht statt gefunden. Nicht zuletzt sind viele der Landesbänker die sich noch 2007 für solche Papiere erwärmen konnten inzwischen arbeitslos, da die staatlichen Institute mehr oder weniger abgewickelt wurden.
Man sollte nicht ständig neues Öl ins Feuer gießen. Wir bekommen sonst noch genau die Republik, die das HB und andere herbei schreiben. Als regelmäßiger HB-Leser würde ich mir deutlich mehr Sachaufklärung wünschen. Das WSJ kriegt das ganz hervorragend hin!

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