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01.09.2014

10:54 Uhr

China

Klamme Kommunen dürfen Kapitalmarkt anzapfen

Zur Rettung der arg gebeutelten chinesischen Kommunen setzt die Führung in Peking auf ein bewährtes Mittel: Anleihen. Insgesamt dürfen sie in diesem Jahr Anleihen über 109,2 Milliarden Yuan ausgeben.

Ein Anwohner vor dem Trommelturm in Peking: Klamme Kassen in China. ap

Ein Anwohner vor dem Trommelturm in Peking: Klamme Kassen in China.

ShanghaiDie von hoher Schuldenlast geplagten Städte und Regionen Chinas können künftig den Kapitalmarkt direkt anzapfen. Der nationale Volkskongress in Peking machte den Weg für die Ausgabe von kommunalen Anleihen frei. Die vom Parlament am Sonntag beschlossene Gesetzesänderung war durch ein laufendes Pilotprojekt in Shanghai und anderen Provinzen der Volksrepublik auf Praxistauglichkeit geprüft worden. Künftig können örtliche Verwaltungen frisches Geld am Kapitalmarkt einsammeln, falls sie es für Projekte benötigen, die im öffentlichen Interesse liegen. Allerdings dürfen sie diesen Weg nicht nutzen, um lediglich Lücken in ihrem Haushalt zu schließen. Zugleich müssen sie in einem Prospekt ihre Schuldensituation offenlegen und erläutern, wie sie das eingesammelte Geld verwenden wollen.

Mit der Gesetzesinitiative verschafft die kommunistische Führung den klammen Regionen, Städten und Gemeinden mehr Bewegungsfreiheit. Teilweise waren sie derart in Finanznot geraten, dass sie Land an Immobilienentwickler verkaufen mussten. Diese Praxis hat zu sozialen Problemen geführt, da es wegen der Verkäufe an mehreren Orten zu Zwangsräumungen kam.

Geldquelle Staatsanleihen

Was sind Staatsanleihen?

Staatsanleihen oder Schuldverschreibungen sind eine der wichtigsten Finanzierungsquellen von Staaten. Im Gegensatz zu Aktien sind diese Wertpapiere mit einem festen Zins ausgestattet und das Kapital wird zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückgezahlt.

Wie sicher sind Staatsanleihen?

Anleihen werden in verschiedenen Laufzeiten von zumeist 2 bis 30 Jahren ausgegeben. Lange Zeit galten sie als äußerst sichere Anlageform, da das Risiko eines staatlichen Zahlungsausfalls als sehr gering betrachtet wurde. Mit der Schuldenkrise in Europa ist dieses Bild aber ins Wanken geraten.

Woraus ergibt sich der Zins?

Als Zinszahlung erhält der Anleger die Rendite oder den Effektivzins. Dieser ergibt sich aus dem im Vorhinein festgelegten Zins der Anleihe (Kupon) und dem von ihm gezahlten Marktpreis (Kurs) des Papiers. Sinkt die Nachfrage und damit der Kurs der Anleihe, steigt die Rendite.

Die Summe, die eingesammelt werden kann, ist jedoch gedeckelt: Das Finanzministerium hat zehn lokalen Verwaltungsbehörden entsprechende Quoten zugeteilt. Insgesamt dürfen sie in diesem Jahr Bonds im Volumen von 109,2 Milliarden Yuan ausgeben. Die Schuldenlast der Lokalverwaltungen ist weit höher: Nach staatlichen Angaben lag sie Ende Juni bei 17,89 Billionen Yuan - rund 2,2 Billionen Euro.

Von

rtr

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