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31.08.2015

11:33 Uhr

Chinas Aktiencrash

Wie Peking Verschwörungstheorien pflegt

VonStephan Scheuer

Ein Reporter soll die Turbulenzen an Chinas Börsen verschlimmert haben. Im Staatsfernsehen wird er vorgeführt. Und gesteht. Er ist nicht der Einzige, den Chinesische Behörden als Sündenbock auserkoren haben.

Strafrechtliche Verfolgung

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PekingPeking sucht im Internet und unter Chinas Journalisten nach Schuldigen für den Börsencrash. 197 Menschen wurden wegen der „Verbreitung von Gerüchten“ bestraft, wie das Ministerium für Öffentliche Sicherheit am späten Sonntagabend mitteilte. Die Bürger sollen falsche Informationen über die Turbulenzen an den Börsen und die Explosion in der Hafenmetropole Tianjin verbreitet haben.
Ein Journalist des renommierten Finanz- und Wirtschaftsmagazin Caijing wurde im Staatsfernsehen vorgeführt. In einem Statement sagt er, er habe gemeinsam mit Komplizen mit falschen Informationen den Absturz der Börsen angetrieben.

Warum in China die Börse abstürzt

Wie tief fallen die Kurse noch?

Am 27. Juli erlebte Chinas Börse den größten Tageseinbruch seit acht Jahren. Wie weit es noch nach unten geht, kann niemand sagen. Doch der Einbruch wäre vermutlich noch schlimmer ausgefallen, wenn die Börsenaufsicht und die Zentralbank nicht neue Hilfen angekündigt hätten.

Welche Rolle spielt der Staat für die Entwicklung an den Börsen?

Indem die chinesische Regierung Privatanleger in Aktien drängt, versucht sie, das Finanzierungsproblem für Unternehmen zu lösen – und die Schwächen des Bankensektors zu vertuschen.

Welche Nachteile ergeben sich hieraus?

Einmal angefangen, kommt der Staat nun nicht mehr aus der Sache heraus: Damit die Strategie aufgeht, sich das Ersparte für Kleinanleger mehrt und Firmen an Geld kommen, müssen die Kurse oben bleiben. Einen Crash kann man sich schon wegen der Reputation im Grunde nicht leisten.

Warum greifen die staatlichen Maßnahmen nicht?

Die Hilfsprogramme der Regierung nutzen sich ab – oder besser: sie nützen nichts, wenn gleichzeitig immer mehr Anleger nicht mehr an die Börsen glauben.

Hat der Börsencrash in China Auswirkungen auf die Realwirtschaft?

Wenig. Der Aktienmarkt hat sich schon lange von der Realwirtschaft entkoppelt.

Wie hart trifft der Börsencrash die chinesischen Sparer?

Chinesen sind zwar emsige Sparer. Sie haben aber nur einen kleinen Teil ihres Geldes in Aktien investiert. Fünf Prozent der Ersparnisse stecken in Wertpapieren.

Welche deutschen Aktien geraten durch die Turbulenzen in China unter Druck?

Besonders exportorientierte deutsche Unternehmen. Für Volkswagen und Daimler ist China enorm wichtig. Auch Chemiekonzerne wie Bayer und BASF geraten unter Druck.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr an den Börsen der Welt?

Lange Zeit durften Ausländer nicht an Chinas Börsen handeln. Peking hatte seine Finanzmärkte weitgehend abgeschottet. Dadurch schlagen Turbulenzen in China nur sehr abgeschwächt auf internationale Börsen durch.

Welche Rollen spielen ausländische Anleger bei dem Börsen-Crash?

Seit den Turbulenzen ziehen viele internationale Anleger ihr Geld über die Börse in Hongkong wieder aus dem chinesischen Festland ab. Bis Wochenanfang waren auf diesem Weg bereits mehr als sechs Milliarden US-Dollar abgeflossen.

Finanzexperten übten scharfe Kritik an Pekings Vorgehen. „Das Regime scheint in der Öffentlichkeit Journalisten für den Aktien-Crash verantwortlich machen zu wollen“, schrieb Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. „Das ist im Westen nicht anders. Auch nach dem Aktiencrash Anfang des Jahrtausends sowie nach 2008 wurde immer ein Buhmann gefunden. Das Muster ist stets das gleiche und ist hinlänglich beschrieben.“
Das verhindere eine vernünftige Auseinandersetzung mit den Ursachen und Folgen des Crashs. „Langfristige Stabilität erreicht man so nicht“, kritisierte Leuchtmann.

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Der Caijing-Reporter hatte nach Darstellung der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua gefälschte Berichte über einen Rückzug der staatlichen Hilfen an den Aktienmärkten am 20. Juli veröffentlicht. Caijing und andere Finanzmedien hatten an dem Tag unter Berufung auf Regierungskreise über Pläne berichtet, dass Peking seine Staatsgelder zum Stützen der Aktienkurse zurückfahren könnte. Daraufhin waren die Kurse an den Börsen erneut eingebrochen.

Kommentare (9)

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Herr Tom Schmidt

31.08.2015, 11:52 Uhr

Diese Nachricht ist das i-Tüpfelchen. Ich möchte vor diesem Hintergrund bitte alle China-Wachstums-Gläubigen bitten mir zu erklären, warum sie glauben, dass irgendeine Wachstumszahl seit 2009 irgendetwas mit der Realität zu tun hat. Und wenn ja, woher sie das wissen.

Sehen wir den Tatsachen ins Auge, wahrscheinlich existiert die Hälfte der chin. Wirtschaftsleistung gar nicht, und Exportüberschüsse gab es auch nicht!

Herr Gerd St

31.08.2015, 12:11 Uhr

So unwahrscheinlich ist das garnicht. Natürlich werden die Medien geschlossen, versuchen solche Aktion ins lächerliche zu ziehen.
Wenn man aber sich ins Gedächtnis ruft, wie alle Medien (auch insbesondere das Handelsblatt) jede Gelegenheit genutzt hat, um Öl ins Feuer zu giessen und die Flammen anzuheizen, wäre es schon damals gut gewesen, wenn man wenn man drastisch gegen diese Methoden der "Berichterstattung" vorgegangen wäre.
Es ist nun mal ein Fakt, dass Medien eine gwaltige Power haben um Bewegungen in die eine oder andere Richtung zu verursachen.
Allerdings gehen sie mit dieser Macht nicht verantwortungsvoll um und dies alles unter dem Deckmantel der "Pressefreiheit". Im Regelfall betreiben die Medien einen klaren Missbrauch ihrer Macht.

Herr Tom Schmidt

31.08.2015, 12:31 Uhr

Da bleibt mir einfach die Spuke weg. Solange die Medien die Parteilinie vertreten ist alles super und wenn der Betrug auffällt ist es die Schuld der Medien.

VIEL ZU LANGE wurden die Lügen verbreitet! Das ist das einzige was man der Presse vorwerfen kann!

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