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28.05.2014

11:01 Uhr

Coco-Bonds

Investoren gieren nach Rendite

Banken wecken mit einer neuen Form von Wandelanleihen die Begehrlichkeit von Investoren. Die Papiere locken im Niedrigzinsumfeld mit hohen Renditen. Doch sie gibt es nicht zum Nulltarif.

In der deutschen Bankenmetropole sind Coco-Bonds noch nicht üblich. Doch das könnte sich bald ändern. Das potenzielle Marktvolumen dieser neuen Anleiheform beziffern Experten  in Deutschland auf zehn Milliarden Euro. dpa

In der deutschen Bankenmetropole sind Coco-Bonds noch nicht üblich. Doch das könnte sich bald ändern. Das potenzielle Marktvolumen dieser neuen Anleiheform beziffern Experten in Deutschland auf zehn Milliarden Euro.

Frankfurt.Sechs Jahre nach Ende der Finanzkrise scheint auf den Finanzmärkten wieder Normalität zu herrschen. Die meisten Staaten haben wieder auf einen Wachstumspfad zurückgefunden. Aber private und institutionelle Investoren bekommen die Folgen noch immer direkt zu spüren: sie leiden unter den niedrigen Zinsen. Und ein Ende des Zinstiefs ist nicht in Sicht.

Wer heute in Bundesanleihen investiert, bekommt bei zehnjährigen Papieren gerade mal 1,4 Prozent. Versicherungen oder Pensionskassen suchen händeringend nach Alternativen: doch auch Pfandbriefe oder Unternehmensanleihen bieten nur noch magere Renditen und entschädigen nicht ausreichend für das Risiko der Investoren.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Da sind neue renditeträchtige Anlageklasseklassen gefragt: Eine innovative Form von Wandelanleihen findet reges Interesse bei Investoren: Contingent Convertible Bonds, kurz Cocos, die von Banken emittiert werden. Dabei handelt es sich im Prinzip um Wandelanleihen.

Allerdings tritt die Wandlung von einer Anleihe in eine Aktie immer dann ein, wenn die emittierende Bank eine vorab festgelegte Eigenkapitalquote unterschreitet. Deswegen werden diese Papiere auch Pflichtwandelanleihen genannt. Wenn ein Geldhaus in Schwierigkeiten gerät, wird aus der Anleihe eine Aktie, die voll in der Haftung steht. Mit diesem Instrument sollen die Geldhäuser in Krisensituationen an Stabilität gewinnen und auch seltener staatliche Mittel in Anspruch nehmen.

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