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28.07.2014

14:11 Uhr

Cynk-Aktie

Der pure Wahnsinn

VonJörg Hackhausen

In den USA sorgt ein spektakulärer Fall von mutmaßlichem Anlagebetrug für Schlagzeilen: Eine Internetaktie steigt erst um 36.000 Prozent, jetzt bricht sie ein. Ein Lehrstück über eine alte Masche in der neuen Börsenwelt.

Cynk-Aktie: Ein Kurssprung um 36.000 Prozent dürfte auch altgediente Haudegen an der Wall Street überraschen. Reuters

Cynk-Aktie: Ein Kurssprung um 36.000 Prozent dürfte auch altgediente Haudegen an der Wall Street überraschen.

DüsseldorfEigentlich ist es erstaunlich, dass sie überhaupt noch etwas wert ist. Die Aktie von Cynk Technology war von der US-Börsenaufsicht SEC für zehn Tage vom Handel ausgesetzt worden. Eine Art Schutzsperre. Nachdem der Handel mit dem Papier wieder möglich war, brach der Kurs sofort ein.

Am Freitag fiel die Aktie um 85 Prozent. Ein Anteilsschein kostet jetzt 2,10 Dollar – und das ist wohl immer noch ein Vielfaches dessen, was angemessen wäre. Cynk weist keinen Umsatz aus und hat nur einen Mitarbeiter. Es handelt sich um ein Online-Netzwerk, das anscheinend keine echten Mitglieder hat, und das bis vor kurzem kaum einer kannte. Jetzt hat die Firma zweifelhafte Berühmtheit erlangt. „Bei dieser Sache ließ sich wahrscheinlich eine Menge Geld machen und verlieren“, sagt Michael Block, Chefstratege bei Rhino Trading Partners.

Die besten Börsenfilme

Rang 1

Wall Street I

Hauptdarsteller: Charlie Sheen und Michael Douglas
Jahr: 1987
Der Klassiker der Börsenfilme, in dem der Wall-Street-Guru Gordon Gekko seinem Jünger beibringt, dass es immer „nur um die Kohle geht“. Ein Film der die Gier kritisiert - und ein bisschen vergöttert.

Rang 2

Wolf of Wall Street

Hauptdarsteller: Leonardo Di Caprio
Jahr: 2014
Aufstieg und Fall des Börsenmaklers Jordan Belfort. Mit krummen Börsengeschäften und Geldwäsche wird Belfort in den 1990er-Jahren zum Millionär. Er feiert eine einzige Orgie mit Parties, Sex und Drogen. Doch die Ermittler sind ihm auf der Spur. Basiert (weitgehend) auf wahren Begebenheiten. Regie führte Martin Scorsese.

Rang 3

High Speed Money

Hauptdarsteller: Ewan McGregor und Anna Friel
Jahr: 1999
Ein Film über die Pleite der Barings Bank und die Rolle, die die Börsengeschäfte des Nick Leeson dabei spielten. Basierend auf einer wahren Geschichte und dem Buch von Nick Leeson.

Rang 4

Margin Call – Der große Crash

Hauptdarsteller: Kevin Spacey und Paul Bettany
Jahr: 2011
Ein Mitarbeiter einer Großbank entdeckt eine Menge fauler Papiere bei seiner Bank. Damit die Bank nicht pleitegeht, müssen die „faulen Eier“ schnell das Nest verlassen - egal um welchen Preis.

Rang 5

American Psycho

Hauptdarsteller: Christian Bale und Justin Theroux
Jahr: 2000
Der Investmentbanker Patrick Bateman möchte zur Elite gehören. Nichts ist ihm wichtiger als materieller Reichtum. Doch er hat ein Problem: In seinen Depressionen tötet er wahllos Obdachlose und Prostituierte - denkt er.

Rang 6

Die Glücksritter

Hauptdarsteller: Dan Aykroyd und Eddie Murphy
Jahr: 1983
Die steinreichen und exzentrischen Gebrüder Duke, beides Warentermin-Börsenmakler, schließen eine Wette ab und wollen sehen, ob Erfolg angeboren ist. Dazu tauschen sie ihren Vorstandsvorsitzenden gegen einen Bettler ein. Doch der Bettler hat auch ein Wörtchen mitzureden.

Rang 7

Inside Job

Hauptdarsteller: Matt Damon (Erzähler im engl. Original)
Jahr: 2010
Ein Dokumentarfilm über die Finanzkrise 2007. Der Film bekam 2011 einen Oskar für den besten Dokumentarfilm. Der Name des Films verrät dabei schon, worum es geht: Inside Job ist die englische Bezeichnung für den Fall, wenn ein Insider seinem Unternehmen schadet.

Rang 8

Das Geld anderer Leute

Hauptdarsteller: Danny DeVito und Gregory Peck
Jahr: 1991
Eine Filmkomödie, in der der „Liquidator“ Konkurrenten aufkauft und ausschlachtet. Doch an einem Fall hat er besonders zu knabbern, denn er verliebt sich in die feindliche Anwältin. Schlüsselszene ist die Aktionärsversammlung der Firma, die übernommen werden soll.

Rang 9

Let’s make Money

Regie: Erwin Wagenhofer
Jahr: 2008
Dokumentarfilm über das System der Finanzwirtschaft - und wie man sein Geld für sich arbeiten lassen kann.

Rang 10

Enron – The smartest guys in the room

Hauptdarsteller: Peter Coyote (Erzähler)
Jahr: 2005
Ein Dokumentarfilm über eine der größten Firmenpleiten der USA. Eine Geschichte über Bilanzbetrug und geheime Machenschaften.

Rang 11

Wall Street 2

Hauptdarsteller: Michael Douglas und Shia LaBeouf
Jahr: 2010
Die Fortsetzung des Klassikers „Wall Street“. Gordon Gekko tritt wieder auf den Plan, nur etwas älter. Schließlich hat er die letzten 23 Jahre im Gefängnis verbracht.

Rang 12

Risiko - Der schnellste Weg zum Reichtum

Hauptdarsteller: Giovanni Ribisi und Vin Diesel
Jahr: 2000
Um bei seinem Vater Eindruck zu schinden, übernimmt Seth Davis eine Stelle aus Börsenmakler. Dort erfährt er, dass die hohen Gewinne der Firma mit illegalen Methoden erwirtschaftet werden.

Rang 13

Kapitalismus – eine Liebesgeschichte

Regie: Michael Moore
Jahr: 2009
Dokumentarfilm des USA-Kritikers Michael Moore. Ganz im Stile Moores wird hier kein Blatt vor den Mund genommen und die USA mit dem alten Rom verglichen: Brot und Spiele, damit das Volk ruhig bleibt und die Finanzmachenschaften der Elite nicht mitbekommt.

Rang 14

The Bank

Hauptdarsteller: David Wenham und Anthony LaPaglia
Jahr: 2001
Der Chef einer Bank wird auf einen Mathematiker aufmerksam, der mit Hilfe einer Software die Börsentrends vorhersagen kann. Die beiden schließen ein Bündnis der Gier, das nicht lange halten kann.

Noch Anfang Juni kostete die Cynk-Aktie wie monatelang davor lediglich zehn US-Cent. Dann explodierte der Kurs. Allein am 17. Juni legte die Aktie um 3.650 Prozent zu. Doch das war erst der Anfang. Binnen drei Tagen sprang der Kurs von fünf auf zeitweise mehr als 20 Dollar. Innerhalb von zwei Monaten hatte die Aktie nämlich ein Kursplus von mehr als 36.000 Prozent. Das Unternehmen war zwischenzeitlich mehr als sechs Milliarden Dollar wert. Die Finanzblogger von „Zero Hedge“ fanden den richtigen Ausdruck dafür: „Purer Wahnsinn“.

Auf seiner Webseite theintrobiz.com bezeichnet sich Cynk als „Social Marketplace“ und verspricht unter anderem Zugang zu Kontaktdaten von Prominenten gegen Bezahlung. Als Geschäftsidee wird angegeben, dass Menschen für das Knüpfen sinnvoller Kontakte bereit seien, Geld zu bezahlen. Der Kontakt zu Angelina Jolie soll demnach 50 Dollar kosten. Die gelieferten Daten enthielten Telefonnummer, Mail-Adresse sowie Namen von Agenten und Anwälten der Promis, so jedenfalls das Versprechen.

Die Webseite wurde über einen Proxy-Server registriert – damit der Anmelder anonym bleiben kann. Die Firma hatte laut Börsenunterlagen seit 2008 vier Chefs. Aktuell ist ein gewisser Marlon Sanchez Vorstandschef, Finanzchef und Sekretär in Personalunion.

Gegenüber der SEC gab das Unternehmen an, der Firmensitz befinde sich in einem Bürogebäude im mittelamerikanischen Belize City. Doch dort kennt niemand die Firma. Nach Informationen von Bloomberg erklärte der Hausmeister, die Firma habe dort nie Büros unterhalten. Die Börsenaufseher zogen daraufhin die Notbremse und stoppten den Handel mit der Aktie. Sie verwiesen auf „Sorgen in Bezug auf Richtigkeit und Angemessenheit von Informationen und potenziell manipulativen Transaktionen“.

Kommentare (3)

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Privat Anleger

28.07.2014, 14:25 Uhr

Ich kann jeden nur warnen, nie, nie, nie Pennystocks oder andere Werte zu kaufen, die völlig unbekannt sind und in Werbemails empfohlen werden.

Herr Lev Itier

28.07.2014, 18:16 Uhr

Erinnert irgendwie an den Wolf of Wallstreet! Interessant dass die Masche durch die sozialen Netzwerke noch besser funktioniert.
Ich bin mal gespannt ob sich herausstellt, dass Bitcoin die nächste große Internet-Farce ist?

Herr Robert Behrendt

29.07.2014, 11:52 Uhr

Herr Netshadow,
Sie müssen ja eine richtige Ahnung haben von den Märkten und könnten sich bei der Deutschen Bank als Aktienanalyst bewerben. Facebook mit 800 Mio. Quartialsgewinn mit CYNK zu vergleichen, das ist schon ganz große Analysekunst.

Auch ich halte FB momentan für etwas überbewertet, aber das war auch bei Google der Fall, als sie 20% des heutigen Wertes hatten. Mein Tipp: Wenn man vom Geschäftsmodell nichts versteht: Klappe halten!

Bei Internetversendern schafft Google einen echten Werbe-Mehrwert, so dass Google hier die Messlatte für alle anderen Konkurrenten ist. Mit Hilfe von Google-Maps und der GPS Funktion und der Handyidentifikation können Konsumentendaten gesammelt werden, die von unschätzbarem Wert sind, solange das Sammeln von der Politik nicht verboten wird. Dieses Geschäftsmodell funzt!

Seit es Aktiengesellschaften gibt, spiegeln sich im Aktienkurs die zukünftigen Gewinnerwartungen wider. Da gehört es auch zum Geschäft, dass man sich verschätzen kann, bzw. eine Idee doch nicht so zukunftsweisend ist. Es ist auch niemand gezwungen, Aktien von GOOG oder FB zu kaufen.

In jedem Fall kann jemand 64 Jahre lang vor einer Finanzkatastrophe warnen und irgendwann wird er damit auch recht haben oder er erlebt seinen Triumpf nicht, weil er eine eigene ultimative Katastrophe (Tod) hatte.

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