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22.10.2012

16:36 Uhr

DAB Depot Contest

Achtung, Blasengefahr!

VonChristian Panster

Die großen Notenbanken fluten die Märkte mit billigem Geld. Möglicherweise mit katastrophalen Folgen, warnen Experten. Wo die Gefahr von Vermögensblasen am größten ist – und wo der nächste Crash droht.

Händler an der Börse in Chicago. ap

Händler an der Börse in Chicago.

DüsseldorfDie Deutschen sind ängstlich. Und deshalb lieben sie Immobilien. Die eigenen vier Wände, ganz gleich ob Großstadtwohnung oder das Häuschen im Grünen, schützen Sie vor den Krisen dieser Welt. Vor Börsencrashs, vor allem aber vor der drohenden Enteignung, vor der Inflation. Zumindest glauben die Deutschen das. Oder besser: sie wollen das glauben.

Bestärkt werden sie in ihrer Haltung von Ben Bernanke und Mario Draghi, den beiden Chefs der großen Notenbanken Federal Reserve (Fed) und Europäischer Zentralbank (EZB). Seit Monaten fluten sie die Finanzmärkte mit frischem Geld, um die maroden Staatshaushalte zu sanieren und die Weltkonjunktur am Laufen zu halten. Die Strategie der laxen Geldpolitik ist womöglich ohne Alternativen, aber sie ist auch brandgefährlich.

Denn die vielen Dollar und Euro kommen nicht dort an, wo sie eigentlich gebraucht werden, in der Realwirtschaft, sondern wirbeln umher - immer auf der Suche nach Rendite. Sie fließen an die Aktienmärkte, in Agrarrohstoffe oder deutsche Immobilien. Mittlerweile sind selbst strukturierte Produkte wie Collateralized Debt Obligations, kurz CDOs, wieder heiß begehrt. Jene verbrieften Wertpapiere, die vor ungefähr fünf Jahren mitverantwortlich dafür waren, dass in den USA die Finanzkrise ausbrach und die Welt an den Rande des Abgrunds brachte. CDOs versprechen derzeit Renditen im zweistelligen Prozent-Bereich. Geld ist genug da. Und wenn genug Geld da ist, wird es auch für Schrott ausgegeben – und die Preise steigen.

Kritiker warnen seit längerem vor den Folgen der laxen Geldpolitik der Notenbanken. Sie fürchten, dass das billige Geld eine neue, eine riesige Blase nährt. Jeremy Grantham beispielsweise, Gründer des Bostoner Vermögensverwalters GMO und seit über vierzig Jahren im Anlagegeschäft tätig, wird nicht müde, die Strategie der US-Notenbank Fed zu verurteilen. Ein „Verbrechen“ sei die Politik der billigen Dollar.

Die schwärzesten Börsentage seit 1987

Vor 1987

Beim größten Crash der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987 - als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index um 23 Prozent einbrechen ließen - hatte es den Dax noch nicht gegeben. Der deutsche Index, in dem die 30 börsennotierten Top-Unternehmen abgebildet sind, wurde erst am 1. Juli 1988 eingeführt. Auf Dax-Basis zurückberechnet hatten sich die Verluste an diesem Tag in Frankfurt aber auf gut neun Prozent belaufen.

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

In Reaktion auf den später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow verliert der Dax gut neun Prozent.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise verliert der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent und schließt mit 3.567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

5. August 2002 und 3. September 2002

US-Rezessionsängste drücken den Dax um 5,7 beziehungsweise 5,8 Prozent in die Tiefe. Darüber hinaus sorgt die Unsicherheit über die Lage im Irak für Aktienverkäufe.

24. März 2003

Wenige Tage nach Beginn des Irak-Krieges wachsen die Zweifel an den Finanzmärkten. Viele Anleger fürchten, der Krieg könnte sehr viel länger als von den USA erwartet dauern. Der Dax stürzt um 6,1 Prozent ab.

21. Januar 2008

Angst vor einer Rezession in den USA drückt den Dax um sieben Prozent auf 6.790 Punkte ins Minus.

15. September 2008

Die Pleite von Lehman drückt den Dax um moderate 2,7 Prozent.

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

01. Dezember 2008

Konjunktursorgen lassen den Dax um rund sechs Prozent fallen.

15. März 2011

Vier Tage nach der Erdbebenkatastrophe flüchten die Anleger weltweit aus den Aktienmärkten. Die Kernschmelzen in Fukushima erschüttern das Vertrauen zusätzlich: Der Nikkei-Index schließt 10,6 Prozent im Minus, der Dax verliert zeitweise 5,6 Prozent.

8. August 2011

Die USA verlieren am Wochenende bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer. Obwohl dies keine Überraschung ist, reagieren die Anleger mit Aktienverkäufen in großem Stil. Als an der Wall Street der Dow-Jones-Index 3,4 Prozent abstürzt, beschleunigt der Dax seine Talfahrt und verliert bis zu 5,2 Prozent auf 5921 Punkte.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

Die Währungshüter liefern immer das gleiche Drehbuch. Zinsen runter, dazu Notenpresse an. Und wenn das nicht hilft, kaufen sie Wertpapiere, die sonst keiner haben will, Staatsanleihen aus Italien oder Spanien etwa. Damit nehmen sie die Risiken auf die eigenen Bücher und blähen ihre Bilanz auf. Die von den großen Zentralbanken gehaltenen Aktiva haben sich nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in den letzten vier Jahren mehr als verdoppelt und erreichten Ende 2011 rund 18 Billionen Dollar.

Nicht wenige fühlen sich an den Beginn des Jahrtausends erinnert, die Zeit, nachdem die Internetblase geplatzt war. Alan Greenspan, der damalige Fed-Chef, flutete die Märkte mit billigem Geld, wurde anfangs dafür von der Wall Street gefeiert. Doch die Party währte nicht lange, Greenspans Strategie führte geradewegs in die nächste Krise. Deren Auswirkungen versucht sein Nachfolger Ben Bernanke gerade zu bekämpfen - wieder mit billigen Dollars. "Die Parallelen zu 2003 sind sehr nah", sagte Stephen Stanley, früher einmal Analyst bei der Fed, vor einiger Zeit der Agentur Bloomberg. Die große Frage ist: Wo ist heute die Blasengefahr am größten?

Kommentare (14)

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WBoehme

22.10.2012, 17:33 Uhr

Davor warne ich schon seit Jahresbeginn - endlich einmal ein vernünftiger Beitrag!

Zitat Handelblatt: „Er warnt in der jetzigen Situation vor übereilten Haus- und Wohnungskäufen. Anleger unterschätzten die Risiken am Immobilienmarkt, sagt er. Auch Burkhard Wagner, Vorstand bei der Partners Vermögensmanagement AG, sieht Übertreibungen am Markt für Wohnimmobilien.“

In Berlin kann man seit geraumer Zeit zugucken, wie sich durch private Immobilienkäufe eine Blase bildet. Statt dessen wurde von interessierter Seite immer nur etwas von Nachholbedarf oder steigender Nachfrage gefaselt. Natürlich steigen die Preise, wenn die Nachfrage steigt. Deshalb wäre vernünftiger Weise zu fragen, warum die Nachfrage so gestiegen ist:

1. Die Anlageempfehlungen gewisser Magazine, das Gerede von „Betongold“, das panische Sachwertflüchter in die sog. gute Lagen, also insbesondere die Innenstädte, treibt. 2. Der billige Kreditzins, der als sog. monatliche Belastung, für viele Privatkäufer maßgeblich für ihre Bereitschaft ist, sich ohne jede Rücksicht auf vernünftige Ertragswertberechnung hoch zu verschulden, um dabei in Erwartung weiter steigender Preise irrwitzige Spekulationspreise zu bezahlen. Viele Privathaushalte gehen bei ihren Kaufpreisgeboten einfach bis in ihr Limit bei der Tilgungsfähigkeit des Kredits. Dieses Limit ist angesichts der niedrigen Zinsen für den Kredit inzwischen abenteuerlich hoch 3. Die noch nicht abgestürzte Konjunktur in D., aus der die derzeit gute Tilgungsfähigkeit der Käufer und/oder Mieter resultiert. Diese drei Ursachen zeigen bereits, wie wackelig die Spekulationspreise bei den Immobilien tatsächlich sind.

Hinzu kommt noch die immer geringer werdende Eigenkapitalquote bei vielen Neubesitzern -nur noch 13% sollen es sein -weshalb auch in Deutschlands Metropolen die Blase bald platzen könnte und dann viele mehr Schulden haben, als das Haus noch wert ist.

Account gelöscht!

22.10.2012, 17:46 Uhr

@WBoehme

Dazu kommt noch, dass der Steuerzahler dann die Banken retten darf, wenn es kracht.

WILHER

22.10.2012, 17:48 Uhr


Selbst wenn die Konjunktur mal schwächeln würde, das KGV steigen würde, weil die Gewinne einbrechen, dann würde ich annehmen, dass in absehbarer Zeit die Konjunktur wieder anzieht, das KGV wieder sinken würde, weil die Gewinne wieder steigen.
Ich persönlich würde nicht in Panik geraten und alle meine Aktien verkaufen.
Im Gegenteil, im Abschwung würde ich nachkaufen.
Es ist doch etwas irreal von den Märkten zu glauben, jeder Konjunktureinbruch leite den wirschaftlichben Weltuntergang ein. Bislang folgte auf jeden konjunkurellen Winter noch ein Frühling, selbst nach Weltkriegen.

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