Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2010

11:12 Uhr

DAI-Studie

Deutsche Anleger bleiben dem Aktienmarkt fern

Die meisten Deutschen machen um Aktien einen großen Bogen. Laut aktuellen Zahlen des Deutschen Aktieninstituts stagnierte die Zahl der Aktionäre in Deutschland im vergangenen Jahr - und das, obwohl die Kurse deutlich zulegten. Noch schlechter sieht die Bilanz für die Fondsbranche aus.

HB FRANKFURT. Trotz des Höhenflugs an den Börsen hält sich die Begeisterung der Bundesbürger für Aktien weiter in Grenzen. Die Zahl der Aktionäre und Aktienfondsanleger in Deutschland hängt auf dem tiefsten Stand seit zehn Jahren fest, wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) am Donnerstag in Frankfurt am Main mitteilte. Im Vergleich zu 2008 sank die Zahl um 5,4 Prozent auf 8,8 Millionen.

Während der Wert der Aktien im Deutschen Aktienindex (DAX) seit Anfang 2009 um gut ein Viertel gestiegen ist, legte dem Institut zufolge die Zahl der direkten und indirekten Aktienbesitzer im zweiten Halbjahr 2009 nur geringfügig um rund 19.000 auf 8,81 Millionen zu. Für das Gesamtjahr gab das Institut die Zahl mit 8,8 Millionen an, entsprechend 13,6 Prozent der Bevölkerung. Eine Umschichtung gab es allerdings zulasten der Aktienfonds hin zu mehr direktem Aktienbesitz.

Seit dem Höchststand von 12,9 Millionen Aktienbesitzern im Jahr 2001 war die Zahl der Bundesbürger, die ihr Geld an der Börse anlegen, rückläufig. Der aktuelle Stand 2009 bedeutet gegenüber dem Höhepunkt der Aktienbegeisterung einen Verlust von rund 4 Millionen Aktionären, entsprechend 31,4 Prozent. Dennoch investieren heute deutlich mehr Bundesbürger als früher in Aktien: Im Vergleich zu 1997 liegt die Zahl nach den Angaben des Instituts 57,3 Prozent höher.

Zahl der direkten Aktienbesitzer gestiegen

Eine Umschichtung findet nach den auf Umfragen beruhenden Beobachtungen des DAI innerhalb der verschiedenen Varianten des Aktienbesitzes statt. Die Zahl der direkten Aktienanleger nahm im zweiten Halbjahr um 6,8 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr auf nunmehr rund 3,6 Millionen zu, lag damit aber um 41,7 Prozent unter dem Höchststand von 6,2 Millionen, der im Jahr 2000 erreicht wurde. Im Gegenzug nahm die Zahl der Anleger in Aktienfonds um 3,5 Prozent auf 6,6 Millionen ab. Im Vergleich zum Höhepunkt von fast 9,8 Millionen im Jahr 2001 ist das ein Rückgang um 32,5 Prozent.

Die Zunahme der direkten Aktienanlage wertete Rüdiger von Rosen, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des DAI, als erstmaliges Anzeichen einer Trendwende nach zehn Jahren des Rückgangs. Rosen nannte es "nach wie vor unbefriedigend", dass "die Aktienakzeptanz der Deutschen im vergangenen Jahrzehnt deutlich rückläufig ist". Er gab dafür die Schuld auch der Politik.

Kritik an Abgeltungsteuer und Transaktionssteuer

Nach wie vor sei die Aktie als renditestarkes Element eines langfristigen Vermögensaufbaus gerade auch für mittlere Einkommensschichten unverzichtbar, erklärte Rosen. Die Bundesregierung müsse hierfür entsprechende Rahmenbedingungen schaffen. "Insbesondere muss die Diskriminierung der Aktie durch die Abgeltungsteuer beendet werden", fordert der DAI-Vorstand. Zudem verunsichere die Diskussion um die Einführung einer Finanztransaktionssteuer die Privatanleger und beeinträchtigt deren Bereitschaft, Aktien zu erwerben.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

steve

14.01.2010, 13:11 Uhr

Gott sei Dank ist dies so. Auch der Privatanleger wird professioneller und die Laien kehren nicht mehr zurück bis es wieder eine Hausfrauen Hausse geben wird.

Jonas

14.01.2010, 15:18 Uhr

Mich kotzt diese Desinformartionslaberscheisskampagne solcher Lobbyinstitute wie dem DAi gründlich an.

Der "Wert von Aktien". Hallo, jemand zu Hause beim DAi, welchen Wert hat eine Aktie? Diese Strunzdummen verwechseln Kurs mit Wert. Man kann nur glücklich sein, daß viele Deutsche klüger sind, aber leider 13% es immer noch nicht gelernt haben.

Leute, lasst die Finger von Aktien, sie sind dreifach überbewertet und der aktuelle Kurs ist eine blase, so wie die von 2007 und so wie die von 2000. Aktien sind mitnichten renditestark, sondern wie man 1970-1980 sieht sogar schlechter als die inflation. Die Kursexplosion der letzten Jahre, verursacht durch koksnasige investmentbankhändler, muss wieder abgebaut werden, dazu suchen die institutionellen Anleger Dumme Jungs, die ihnen die wertlosen Pakete für teures Geld abkaufen. Lasst sie an den Aktien ersaufen (selbst wenn wir befürchten müssen, daß wir die ver-spekulieren dennoch bezahlen müssen, durch die inzwischen geübte Sozialisierung der Verluste).

AJ

14.01.2010, 16:36 Uhr

Die Politik hat es den Aktienanlegern in Deutschland in den letzten Jahren sehr schwer gemacht. Das Halbeinkünfteverfahren wurde abgeschafft und die Aktionäre werden jetzt doppelt zur Kasse gebeten. Mit Abschaffung der Spekulationsfrist wurde der investor zum Spekulanten erklärt. Wahrscheinlich möchte unser Finanzminister, daß wir alle nur noch bundeswertpapiere kaufen! Wer sein Geld in Aktienfonds anlegt (6,6 Mio. Deutsche?), der wirft dieses den Fondsgesellschaften in den Rachen. Die verdienen wesentlich mehr als der Fondsanleger. Trotz aller Widrigkeiten sind gute Einzelaktien eines der besten investments. ich bin nur gespannt, was sich die Politik noch alles einfallen läßt, um mündige Anleger zu vergraulen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×