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05.03.2013

14:09 Uhr

Dank EU-Haushaltspolitik

Anleger interessieren sich wieder für Italien-Bonds

Das Treffen der EU-Finanzminister am Montag hat an den Anleihemärkten Spuren hinterlassen. Italienische Bonds stoßen bei Investoren auf neues Interesse. Bei Bundesanleihen sah es dagegen ganz anders aus.

Die Börse in Mailand. Reuters

Die Börse in Mailand.

Italienische Bonds haben am Dienstag deutlich zugelegt. Zuvor hatten die Finanzminister der Eurozone einer lockereren Haushaltspolitik den Weg geebnet. Eine angespannte wirtschaftliche Lage könnte in bestimmten Fällen eine Überprüfung des Zeitplans für die Korrektur exzessiver Defizite rechtfertigen, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn am späten Montag in Brüssel.

Dagegen gaben Bundesanleihen im Gefolge von überraschend guten Konjunkturdaten nach. Ein Einkaufsmanagerindex zu Dienstleistungen und verarbeitendem Gewerbe in der Eurozone ist im Februar weniger gefallen als erwartet, zudem stieg der Einzelhandelsumsatz im Euroraum im Januar stärker als erwartet. Das schmälert die Attraktivität von als besonders sicher angesehenen Anlagen wie Bundesanleihen.

Rating-Historie der Krisenländer

Portugals S&P-Rating

Rating: / Gültig seit:

BB / 13.01.2012

BBB- / 05.12.2011

BBB- / 29.03.2011

BBB+ / 24.03.2011

A- / 30.11.2010

A- / 27.04.2010

Portugals Moody's-Rating

Rating: / Gültig seit:

Ba3 / 13.02.2012

Ba2 / 05.07.2011

Baa1 / 05.04.2011

A3 / 15.03.2011

A1 / 21.12.2010

A1 / 13.07.2010

Aa2 / 05.05.2010

Irlands S&P-Rating

Rating / Gültig seit:

BBB+ / 13.01.2012

BBB+ / 05.12.2011

BBB+ / 01.04.2011

A- / 02.02.2011

A / 23.11.2010

AA- / 24.08.2010

Irlands Moody's-Rating

Rating: / Gültig seit:

Ba1 / 12.07.2011

Baa3 / 15.04.2011

Baa1 / 17.12.2010

Aa2 / 05.10.2010

Aa2 / 19.07.2010

Spaniens S&P-Rating

Rating: / Gültig seit:

BBB- / 10.10.2012

BBB+ / 26.04.2012

A / 13.01.2012

AA- / 05.12.2011

AA- / 13.10.2011

AA / 28.04.2010

Spaniens Moody's-Rating

Rating: / Gültig seit:

Baa3 / 16.10.2012

Baa3 / 13.06.2012

A3 / 13.02.2012

A1 / 18.10.2011

Aa2 / 29.07.2011

Aa2 / 10.03.2011

Aa1 / 15.12.2010

Aa1 / 30.09.2010

Aaa / 30.06.2010

Italiens S&P-Rating

Rating: / Gültig seit:

BBB+u / 31.01.2012

Au / 05.12.2011

Au / 19.09.2011

A+u / 17.02.2011

Italiens Moody's-Rating

Rating: / Gültig seit:

Baa2 / 13.07.2012

A3 / 13.02.2012

A2 / 04.10.2011

Aa2 / 17.06.2011

Griechenlands S&P-Rating

Rating: / Gültig seit:

B- / 18.12.2012

SD / 05.12.2012

CCC / 02.05.2012

SD / 27.02.2012

CC / 27.07.2011

CCC / 13.06.2011

B / 09.05.2011

BB- / 29.03.2011

BB+ / 02.12.2010

BB+ / 27.04.2010

BBB+ / 16.03.2010

Griechenlands Moody's-Rating

Rating: / Gültig seit:

C / 02.03.2012

Ca / 25.07.2011

Caa1 / 01.06.2011

B1 / 09.05.2011

Ba1 / 26.12.2010

Ba1 / 14.06.2010

A3 / 22.04.2010

Die Rendite zehnjähriger Bunds war zuletzt mit 1,44 Prozent drei Basispunkte höher. Der Terminkontrakt Bund-Future fiel um 33 Basispunkte auf 145,18 Prozent. Die Rendite zehnjähriger italienischer Bonds dagegen sank um elf Basispunkte auf zuletzt 4,78 Prozent. Zehnjährige spanische Anleihen rentierten bei 5,06 Prozent drei Basispunkte tiefer. In den USA gaben die Staatsanleihen leicht nach. Zehnjährige Treasuries rentierten mit 1,89 Prozent zwei Basispunkte höher.

Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

Wie hoch waren die Verluste privater Gläubiger bei Staatspleiten?

Die Rating-Agentur Moody's hat 13 staatliche Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 untersucht. Danach mussten die Gläubiger 30 Tage nach dem Zahlungsverzug einen durchschnittlichen Abschlag von rund 50 Prozent hinnehmen.

Der Zahlungsausfall schwankte in den einzelnen Ländern aber stark. Gläubiger der Dominikanischen Republik kamen mit einem Minus von fünf Prozent noch glimpflich davon. Für Zeichner russischer Anleihen lag der Verlust mit 82 Prozent um ein Vielfaches höher.

Wurden ausländische Gläubiger benachteiligt?

Grundsätzlich werden ausländische Investoren nicht schlechter behandelt als einheimische Gläubiger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Allerdings gibt es auch hier keine Regeln ohne Ausnahmen: Sowohl die Ukraine als auch Russland räumten den einheimischen Investoren „deutlich bessere Deals“ ein.

Wie schnell erholen sich Länder von einer Staatspleite?

„Sowohl die russische als auch die argentinische Wirtschaft konnten die Krise relativ schnell überwinden, profitierten dabei aber von außergewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen“, heißt es in einer Commerzbank-Studie. In Russland brach die Wirtschaftsleistung im Krisenjahr 1998 um rund 5,5 Prozent ein, ehe sie in den Folgejahren wegen des Rohstoffbooms um durchschnittlich etwa sieben Prozent wuchs.

Auch Argentinien erholte sich dank der steigenden Rohstoffnachfrage rasch. „Anleger sollten diese Erfolge daher nicht bedenkenlos auf andere Länder übertragen“, warnen die Experten der Commerzbank.

Sind Hilfen des IWF eine Garantie gegen Staatspleiten?

Neben den Euro-Ländern hilft auch der IWF mit Geldern aus: Sowohl in Griechenland als auch in Irland ist der erfahrende Krisenhelfer mit im Boot. Aber auch IWF-Hilfen waren in der Vergangenheit keine Garantie gegen Staatspleiten, wie das Beispiel Russland zeigt.

IWF und Weltbank sagten dem vor dem finanziellen Kollaps stehenden Land im Krisenjahr 1998 Hilfen von 22,6 Milliarden Dollar zu. Dennoch bediente der Staat ab August 1998 seine Schulden nicht mehr.

Was passiert, wenn IWF-Auflagen missachtet werden?

Bedingung für IWF-Hilfen sind strenge Auflagen, die aber nicht immer eingehalten werden. Der IWF schnürte 2000/2001 mehrere Hilfspakete für Argentinien - er erhöhte die Kreditlinien, organisierte Kreditzusagen der Weltbank und der spanischen Regierung.

Die Regierung aber sparte nicht wie vereinbart, sondern fuhr ihre Ausgaben im Kampf gegen die Wirtschaftskrise sogar hoch. Argentinien verfehlte damit die mit dem IWF vereinbarten Haushaltsziele.

Der Fonds setzte deshalb im Dezember 2001 die Zahlungen aus. Am 3. Januar 2002 konnte Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen.

Am Vormittag hatte Österreich für insgesamt 1,65 Mrd. Euro Anleihen mit Fälligkeit 2022 und 2044 begeben. Die Durchschnittsrendite für die 2022 fälligen Bonds lag bei 1,726 Prozent, nach 1,93 Prozent am 5. Februar. Bei den Papieren mit Fälligkeit 2044 lag die Durchschnittsrendite bei 2,648 Prozent. Griechenland begab für 1,1375 Mrd. Euro Schatzwechsel mit einer Laufzeit von 182 Tagen und einer Durchschnittsrendite von 4,25 Prozent. Vom Europäischen Stabilitätsmechanismus kamen dreimonatige Schatzwechsel um Volumen von 1,9733 Mrd. Euro. Großbritannien platzierte eine 2018 fällige Anleihe, das Volumen lag hier bei 4 Mrd. Pfund.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

05.03.2013, 17:47 Uhr

Die Anleger, die sich für italienische Anleihen interessieren kennen wir. Es ist eine sehr bekannte Zentralbank, typischerweise abgekürzt mit 3 Buchstaben, und ihre Komplizen in italienischen Großbanken.
Das Schlimme ist, WIR sind alle "Aktionäre" dieser Zentralbank!

pupo

05.03.2013, 17:58 Uhr

ja, und als Aktionär hast du im letzten Jahr ganz gut verdient.

Wegweiser

05.03.2013, 19:06 Uhr

Draghisch, sehr draghisch! LTRO, ELA, Target II, OMT.

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