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11.02.2013

17:01 Uhr

David Einhorn

Der Mann, der Apple das Fürchten lehrt

VonJörg Hackhausen

Apple hat ein Problem. Das Unternehmen hat zu viel Geld – und es hat David Einhorn im Nacken. Der gefürchtete Investor hat es auf die Cash-Reserven von Apple abgesehen. Immer wenn er sich einmischt, wird es ungemütlich.

David Einhorn liebt Baseball und Poker - und er ist einer der berüchtigsten Männer der Wall Street. Sein Vermögen wird auf 1,2 Milliarden Dollar geschätzt.

David Einhorn liebt Baseball und Poker - und er ist einer der berüchtigsten Männer der Wall Street. Sein Vermögen wird auf 1,2 Milliarden Dollar geschätzt.

DüsseldorfWenn David Einhorn etwas haben will, dann setzt er alles daran, es zu bekommen. Der Mann ist kein angenehmer Gegner. Seine Methoden sind nicht zimperlich. Der Hedge-Fonds-Manager ist einer der unerbittlichsten Männer der Wall Street. Spitzname: „David the Goliath“. Jetzt hat er sich einen ganz dicken Brocken vorgenommen: Apple.

Einhorn will Apple zwingen, einen großen Teil seiner Reserven auszuschütten. Der Konzern aus Cupertino hat über die Jahre insgesamt 137 Milliarden Dollar an Cash angehäuft. Allein im Weihnachtsgeschäft kamen beinahe 16 Milliarden Dollar hinzu. Das ist einmalig. Doch das Unternehmen hat ein Problem: Es weiß nicht, was es mit dem ganzen Geld anfangen soll. Hier kommt Einhorn ins Spiel.

Die erste Attacke startete der Hedge-Fonds-Manager in der vergangenen Woche. „Es ist euer Geld“, schrieb er in einem offenen Brief, in dem er die Mitaktionäre aufforderte, sich seiner Kampagne gegen Apple anzuschließen. Dem folgten Fernsehauftritte und Zeitungsinterviews. „Apple hat ein Problem, ein Cash-Problem“, wiederholte er auf allen Kanälen. Apple horte einfach zu viel Bares. Einen psychologischen Befund lieferte er gleich mit: „Apple verhält sich wie jemand, der ein Trauma erlebt hat.“ Die Firma habe in ihrer Geschichte so viele Krisen erlebt, dass sie das Gefühl habe, man könne nie genug Cash haben – so wie seine Großmutter, die die Große Depression in den 1930er-Jahren miterlebt hätte.

Diese Aktien hält David Einhorn (Greenlight Capital)

Apple

Anzahl der Aktien: 1,3 Millionen

Aktueller Wert: 650 Millionen Dollar

Anteil im Portfolio: 12,1 Prozent

Stand: 30.09.2012, Quelle: SEC, stockpickr.com

Seagate

Anzahl der Aktien: 16,59 Millionen

Aktueller Wert: 514 Millionen Dollar

Anteil im Portfolio: 8,6 Prozent

General Motors

Anzahl der Aktien: 21,52 Millionen

Aktueller Wert: 491Millionen Dollar

Anteil im Portfolio: 8,2 Prozent

Cigna Corp

Anzahl der Aktien: 7,1 Millionen

Aktueller Wert: 335 Millionen Dollar

Anteil im Portfolio: 5,6 Prozent

Market Vectors ETF Trust

Anzahl der Anteile: 6 Millionen

Aktueller Wert: 323 Millionen Dollar

Anteil im Portfolio: 5,4 Prozent

Marvell Technologies

Anzahl der Aktien: 32,7 Millionen

Aktueller Wert: 299 Millionen Dollar

Anteil im Portfolio: 5 Prozent

Delphi Automotive

Anzahl der Aktien: 8,15 Millionen

Aktueller Wert: 252 Millionen Dollar

Anteil im Portfolio: 4,2 Prozent

Microsoft

Anzahl der Aktien: 7,66 Millionen

Aktueller Wert: 228 Millionen Dollar

Anteil im Portfolio: 3,8 Prozent

Steve Jobs, der legendäre Gründer und Ideengeber von Apple, rettete das Unternehmen im Jahr 1997 vor der Pleite. In den folgenden zehn, 15 Jahren machte er aus Apple den größten Technologiekonzern der Welt. Die Aktionäre durften sich über gigantische Kursgewinne freuen. Doch von einer Dividende hielt Jobs nichts. Sie passte nicht zur Philosophie einer Firma, die ständig in Wachstum investierte. Erst als Jobs im Oktober 2011 an Krebs starb, änderte das Unternehmen seine Strategie. Der neue Chef, Tim Cook, kündigte im Frühjahr 2012 an, Apple werde nach 17 Jahren erstmals wieder eine kleine Dividende zahlen. Zudem startete der Konzern den Rückkauf eigener Aktien.

Die Titanen der Hedge-Fonds

Alfred Winslow Jones

Das New York Magazin kürte Winslow 1968 zum „Big Daddy“ der Branche. 1949 hatte er den „abgesicherten Fonds“ erfunden und große Gewinne eingefahren. Er veränderte wie viele Hedge-Fonds-Titanen die Finanzbranche. Kapital wurde nicht mehr nur von Treuhändern verwaltet, sondern aktiv verwaltet.

Michael Steinhardt

Die erste Ära der Hedge-Fonds wurde von der Baisse Anfang der 70er-Jahre jäh beendet. Mchael Steinhardt war einer der Ersten, die danach wieder aufstanden und wurde zur Legende. Dank einer harten Kindheit in Brooklyn unter der Knute eines spielsüchtigen Vaters entwickelte er sich zum „heißesten Analysten der Wall Street“. 1994 verlor er Steinhardt aber sehr viel Geld bei einem „Blutbad“, das auf das Wirken vom damaligen Fed-Chef Alan Greenspan zurückging.

Jerold Fine und Howard Berkowitz

An Steinhardts Seite standen Jerold Fine und Howard Berkowitz. Das Trio gründete 1967 ihren Hedge-Fongs – vorher waren sie Broker gewesen. Die Drei stellten einen Poolbillard-Tisch in ihr Büro und verkündeten die „Überlegenheit der Jugend“. Ihr Erfolg demonstrierte eindrucksvoll die Möglichkeit der antizyklischen Vorgehensweise.

F. Helmut Weymar

Weymars Karriere begann mit seiner Doktorarbeit, in der er eine Methode entwickelte, Kakaopreise zu antizipieren. Er galt als äußerst ehrgeizig, aber auch ein wenig größenwahnsinnig. Doch der Mangel an Selbstzweifel hat ihm viel Geld eingebracht. Er gründete rasch seine eigene Firma – gemeinsam mit Frank Vannersen. Außerdem inspirierte Weymar den Nobelpreisträger Paul Samuelson.

Michael Marcus

Marcus hatte eine denkbar schlechte Eignung für einen Hedge-Fonds-Manager: Er hatte keine Ahnung von Computern und noch weniger von Mathematik. Aber als er in Weymars Firma kam, hatte er großen Erfolg. Marcus zeigte eine furchtsame Selbstkontrolle. Und setzte Weymars ursprüngliches Konzept außer Kraft. Er perfektionierte die Kunst des Tradings nach Chartsignalen.

George Soros

Der berühmteste, aber auch berüchtigste Hedge-Fonds-Manager aller Zeiten: Als der junge Ungar 1949 an der London School of Economics ankam, hatte er schon viel durchgemacht.: Der Jude entkam den Nazis nur mit Mühe und hatte die Grauen des Krieges intensiv mitbekommen. In London verschmolz er sein eigenes Wissen mit Karl Poppers Ideen. Erst 1973, nach vielen Jahren, wurde der Wirtschaftswissenschaftler zum Hedge-Fonds-Manager. 1978 wurde der Soros Fund in Quantum Funds umbenannt, der Rest ist Geschichte. Berühmt wurde Soros im Jahr 1992 mit seiner Spekulation gegen das britische Pfund.

Louis Bacon

Bacon war ein besonders stiller Vertreter der Hedge-Fonds-Branche, die ohnehin nicht mit Exzentrikern überfrachtet ist. Journalisten beschrieben ihn stets als „skurrile Figur hinter einer Wand aus Monitoren“. Am Ende seiner Karriere kaufte er sich eine Insel und hatte dann das geschafft, was vorher eigentlich auch schon galt: Er war maximal isoliert.

Julian Hart Robinson

Robinson war ein spezieller Typ: Er hatte den Charme eines Südstaatlers, aber auch das Netzwerk eines New-Yorkers. Voller Selbstvertrauen, extrovertiert und athletisch. Inspiriert von Steinhardt und Soros gründete er 1980 im fortgeschrittenen Alter von 48 Jahren den Hedge-Fonds „Tiger“. Bis zum Höhepunkt 1998 verdiente „Tiger“ nach Abzug der Gebühren 31,7 Prozent jährlich.

Paul Tudor Jones II

Die späten 80er-Jahre markierten einen Wendepunkt für die Hedge-Fonds. Die Branche war beinahe ausgelöscht, es gab nur noch wenige Fonds mit unbedeutenden Mengen an Kapital. Doch dann entstanden neue Titanen, einer von ihnen war Paul Tudor James II., Sohn eines Baumwollhändlers. Er hatte gelernt, Trading als psychologisches Spiel und als Bluff in hoher Geschwindigkeit zu begreifen.

Stan Druckenmiller

Im Herbst 1988 konnte Druckenmiller den Angeboten von George Soros nicht mehr wiederstehen und heuerte bei ihm an. Die beiden waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, passten als Investoren aber perfekt zusammen. Neben einem guten Gespür für Aktien brachte der gelernte Analyst ein starkes Verständnis für Währungen und Zinsen mit.

John Meriwether

Meriwether ist neben George Soros der bekannte Gründer eines Hedge-Fonds – nämlich des Long-Term Capital Management (LTCM). Er war in jungen Jahren einer der ersten Manager an der Wall Street, der das Potenzial neuartiger Finanzprodukte erkannte. Sein Rüstzeug lernte er als Star bei der Bank Solomon Brothers. 1994 gründete Meriwether dann seinen Fonds. Das spezielle Vorgehen – LTCM wette vor allem auf die Entwicklung der Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Anleihen – war zunächst äußerst lukrativ. Im Jahr 1998 kam jedoch die Wende, da sich LTCM in der Russland-Krise massiv verspekulierte. LTCM kollabierte und erschütterte die Kapitalmärkte. Der Fonds musste schließlich aufgefangen werden, um eine Finanzkrise zu verhindern. Meriwether wurde danach Selbstüberschätzung vorgeworfen.

David Swensen

Swensen war der Pionier des Ansatzes, Hedge-Fonds mit Stiftungen zu kombinieren. Der asketische Mann aus dem Mittleren Westen war besessen von seinem Sinn für Moral – und hatte eine große Leidenschaft für das Finanzwesen. Als Swensen die Yale-Stiftung übernahm, war diese zu über 80 Prozent in US-Aktien und –Anleihen investiert. Swensen war von der Gestaltung der Hedge-Fonds beeindruckt, wollte den Managern aber nicht dabei helfen, noch reicher zu werden. Er fand in Tom Steyer den richtigen Mann, um im Sinne der Stiftung viel Geld zu verdienen.

James Simons

Es mag an seinem Allerweltsnamen liegen: Simons war Mitte der 2000er-Jahre sicher nicht der berühmteste Milliardär der Welt, aber wohl der klügste von ihnen. Sein Hedge-Fonds Renaissance Technologies ist der wahrscheinlich erfolgreichste aller Zeiten. Der Vorzeigefonds Medaillon verdiente zwischen 1989 und 2006 eine jährliche Rendite von 39 Prozent.

James Chanos

Chanos leitete den Hedge-Fonds Kynikos Associates, dessen Spezialität es war, nach finanziellen Leichen im Keller von Unternehmen zu suchen und auf Leerverkäufe zu setzen. Der schwache Markt der 2000er-Jahre war für Chanos ein Paradies. Und natürlich boten auch die Jahre 2007 und folgende für ihn so manche Chance.

Einhorn reicht das nicht. Er verlangt, Apple müsse Vorzugsaktien im Wert von 50 Milliarden Dollar ausgeben, und darauf jährlich eine Dividendenrendite von vier Prozent zahlen. Und um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, klagt er vor dem Bezirksgericht in Manhattan. Damit will er eine geplante Satzungsänderung verhindern, die die Ausgabe von verzinsten Vorzugsaktien erschweren würde.

Greenlight Capital, der Hedge-Fonds von Einhorn, hält 1,3 Millionen Apple-Aktien, aktueller Wert: rund 600 Millionen Dollar. Damit zählt Einhorn zu den größten Anteilseignern.

Kommentare (9)

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Gast

11.02.2013, 17:47 Uhr

"Doch das Unternehmen hat ein Problem: Es weiß nicht, was es mit dem ganzen Geld anfangen soll."

Wer soll das denn bitte glauben?

KHKulbatzki

11.02.2013, 18:46 Uhr

Ein schlechteres Video mit so einseitiger und vorurteilsbehaftender Meinung habe ich bei Handelsblatt noch nicht gesehen. Wenn eine Kommentar/Meinung veröffentlich wird, dann macht es bitte zukünftig auch als solche kenntlich.
Schade sonst sind die Meldungen/Berichte für mich immer lesenswert, bzw. auch die Videos sind sehenswert.
Bitte, Bitte, Bitte Handelsblatt bleibt auf einem hohen Niveau und rutscht nicht ab auf die Zeitung mit den vier Buchstaben.

svenus

11.02.2013, 21:27 Uhr

Nur weil ein Unternehmen das Geld nicht in sinnlosen Übernahmen verpulvert, weis es nichts damit anzufangen? Langfristige Strategien sind immer noch nicht bei den Investoren angekommen. Gleichzeitig werden die "Milliardäre" für Ihre langfristigen Investmentstrategien bewundert. Mancher lernt's nie…

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