Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.11.2016

09:07 Uhr

Dax an der Börse Frankfurt

Vom Börsenschreck zum Börsenliebling

VonIlias Stampoulis

Ein US-Präsident Trump war das Schreckensszenario der Anleger. Nun ist es eingetreten. Und bis auf einen kurzen Schock war nichts zu spüren. Der Dax drehte gar ins dicke Plus. Die Erklärung dafür wirft einige Fragen auf.

Dax-Ausblick

Trump-Schock scheint schon wieder überwunden

Dax-Ausblick: Trump-Schock scheint schon wieder überwunden

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtVon wegen Börsenbeben – der überraschende Wahlsieg von Donald Trump hat Europas Märkte kalt gelassen. Der befürchtete Totalabsturz bei einem Sieg des republikanischen Präsidentschaftskandidaten blieb nicht nur aus. Am Nachmittag wendeten die Kurse gar ins Plus. Am Ende schloss der Dax mit 10.646 Punkten 1,6 Prozent fester. Der Leitindex war mit einem Drei-Prozent-Minus in den Handel gestartet, das er stetig abbaute. Auch an den anderen Börsen Europas und am Devisenmarkt war der anfängliche Schock nur von kurzer Dauer. Ein Handelsverlauf, der weder vorherseh– noch nachvollziehbar ist.

Die Begründung, die man allerorten auf dem Parkett hört: Der für unwahrscheinlich gehaltene Sieg Trumps sorgt für weiterhin niedrige Zinsen in Amerika. Mit ihm als designiertem Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten ändert sich das politische Umfeld so sehr, dass die Notenbank die Leitzinsen kurz- bis mittelfristig nicht erhöhen wird. Darauf zumindest spekulieren die Börsianer. Sicher ist: Die auf Vorsicht bedachte US-Notenbank Federal Reserve wird alles andere tun wollen als Unruhe in die Finanzmärkte zu bringen.

Live-Blog - Der Tag nach der US-Wahl: Sanders bietet Trump Zusammenarbeit an

Live-Blog - Der Tag nach der US-Wahl

Sanders bietet Trump Zusammenarbeit an

Manche können es noch nicht fassen, andere wagen schon einen Ausblick. Während Politiker nach dem Trump-Sieg auf Versöhnung setzen, gehen in den USA Tausende auf die Straße. Die Reaktionen und Entwicklung im Live-Blog.

„Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember, gefolgt von zwei weiteren Zinssteigerungen 2017, ist nun stark gesunken“, schätzt Dominic Rossi, Anlageexperte beim Fondsanbieter Fidelity. Was zuerst wie ein Wehmutstropfen für das Parkettvolk klang, entwickelte sich zum Kurstreiber. Mit dem weiterhin billigen Notenbankgeld bleibt der Brennstoff für steigende Kurse erhalten. Mal wieder ist die Geldpolitik der Fed Trumpf. Dass sie in ihrer Wirkmächtigkeit gar einen politischen Umbruch in Washington überstrahlt, ist jedoch tatsächlich beeindruckend.

Vor allem, weil Donald Trump im Vorfeld des Wahltags als Börsenschreck gehandelt wurde. Bis zuletzt galt ein Sieg des republikanischen Kandidaten als Worst-Case-Szenario auf dem Parkett. Nach seinem Jahreshoch vor zwei Wochen, hatte der Dax mit dem Erstarken Trumps in den Umfragen kurz vor den Wahlen für eine Talfahrt gesorgt. Der deutsche Leitindex hatte seitdem bis zu fünf Prozent verloren, an der Wall Street gab es mit neun Verlusttagen infolge eine Serie, die zuletzt in den Achtzigerjahren zu bestaunen war. Die Abschläge waren so stark ausgefallen, dass ein Wahlsieg Trumps schon als größtenteils eingepreist galt.

Worüber die USA heute noch abstimmen

Kongress

Gewählt werden sämtliche 435 Abgeordnete des Repräsentantenhauses, deren Mandat über zwei Jahre läuft. Außerdem stehen 34 der 100 Senatssitze zur Wahl. Die Senatoren werden für sechs Jahre gewählt. Jeder der 50 Bundesstaaten hat unabhängig von seiner Bevölkerungszahl zwei Vertreter im Senat.

Gouverneure

In zwölf Staaten werden die Gouverneure, also die mit weitreichenden Befugnissen ausgestatteten Regierungschefs, gewählt. Acht dieser Posten werden derzeit von Demokraten, vier von Republikanern besetzt.

Regionalparlamente und andere Posten

Gewählt werden auch die Regionalparlamente in vier Bundesstaaten. Außerdem entscheiden die Wähler über tausende von Posten und Mandate auf der kommunalen und regionalen Ebene. Darunter sind Gemeinderäte, Richter, Staatsanwälte und Sheriffs.

Referenden

Die US-Amerikaner entscheiden heute auch über eine ganze Reihe von Referenden. Dabei geht es zum Teil auch um ziemlich skurrile Dinge.

Todesstrafe

Einige der wichtigsten Volksabstimmungen finden in Kalifornien statt. So wird im bevölkerungsreichsten Bundesstaat unter anderem über die mögliche Abschaffung der Todesstrafe abgestimmt. Zwar ist die Todesstrafe in Kalifornien seit zehn Jahren nicht mehr vollstreckt worden. Doch sitzen dort 740 verurteilte Häftlinge in den Todestrakten - mehr als in jedem anderen Bundesstaat.

Marihuana

In dem Westküstenstaat entscheiden die Bürger zudem darüber, ob Marihuana generell legalisiert werden soll. Für den medizinischen Gebrauch ist es in Kalifornien bereits seit 20 Jahren erlaubt. Ebenso wird in Arizona, Maine, Massachusetts und Nevada über die Legalisierung der Droge für „Freizeitzwecke“ entschieden. Bislang ist Marihuana in vier Staaten sowie der Hauptstadt Washington allgemein legalisiert.

Kondome für Pornodarsteller

In Kalifornien geht es in den Wahllokalen auch um die Pornoindustrie. Die Bürger entscheiden darüber, ob die Sex-Darsteller künftig Kondome verwenden müssen.

Sklaverei

In Colorado stimmen die Menschen darüber ab, ob die Sklaverei abgeschafft wird – tatsächlich ist der Bundesstaat inmitten der Rockies der einzige, in dem Sklavenhaltung noch möglich ist. Derzeit gilt: Straftäter sind nicht vor Leibeigenschaft geschützt.

Waffengesetze

In Kalifornien könnten durch ein Referendum „Großraum-Magazine mit einer besonders großen Anzahl von Patronen“ verboten werden. In Nevada dürften, wenn das Referendum Erfolg hat, Waffen künftig nur noch in lizensierten Läden verkauft werden – ausgenommen sind Verkäufe unter Verwandten.

51. Bundesstaat

Bislang ist Washington D.C. Kongress unterstellt. Nun stimmen die Einwohner darüber ab, ob die Hauptstadt der USA der 51. Bundesstaat wird.

Die Börsianer hatten auf Hillary Clinton als 45. Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten gesetzt, auch wenn diese als Demokratin traditionell weniger wirtschaftsfreundlich ist als der republikanische Kandidat. Anlegern aber schien das zweitrangig, selbst mit der Aussicht auf höhere Steuern hatten sie sich arrangiert. Es sollte anders kommen. Denn mit Trump tritt jemand auf den Plan, von dem noch nicht sicher ist, welchen Kurs er wirtschaftlich und politisch einschlagen wird. Seine Ankündigungen im Wahlkampf kommen einer Zäsur gleich und die große Frage wird nun sein, wie viele seiner Vorhaben er umsetzten kann – und tatsächlich will.

Und dennoch steigen die Kurse. Man kommt nicht umher das Börsentreiben an diesem Mittwoch zu hinterfragen. Zieht man die schlüssige Erklärung mit der Hoffnung auf ein weiterhin lockeres Zinsumfeld heran, bleibt dennoch die Frage, warum ein Sieg Trumps im Vorfeld mit Ausverkäufen antizipiert wurde, nicht aber die Möglichkeit, dass damit die Geldpolitik so locker bleiben dürfte wie bisher.

Schon die rasche Erholung der Märkte nach dem Brexit-Votum, das anders als die heutigen Wahlen ein echtes Börsenbeben auslöste, hatte diesen Mechanismus präsentiert. Nach einer politischen Zäsur, die kurzfristig die Notierungen an den Wertpapierbörsen durchschüttelt, setzt der Glaube an die Notenbanken ein, und die Kurse steigen zurück auf ihr Ausgangsniveau. Als ob nichts gewesen wäre. Im Umkehrschluss müsste das heißen, dass weder Brexit-Referendum noch US-Wahlen das wahre Highlight des Jahres sind, sondern die nächste Fed-Sitzung. Und wenn nicht diese, dann die folgende, oder die wiederum darauf folgende. Die Regelmäßigkeiten von früher scheinen nicht mehr zu gelten.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr hartmut braune

09.11.2016, 16:54 Uhr

...........auch hier.....wie ich hier neulich schon schrieb......die von mir beschriebene Szene......kein Crash.....keine brutaler Abstieg in die Indianer-Abgründe.....nach Entscheid......daß es Trump macht.....

.......und so frage ich mich......und muß auch für die Allgemeinheit fragen.....was sind das für Kandidaten.....die Predigten von Untergangsszenarien hier und woanders abgaben...wenn es der Herr Unternehmer Trump es machen würde.....entlarvt sich eine Klientel.....der Dummköpfe und Schmarozzer.....die gefährlich sind.....für unbescholtene Anleger.....glaubt man diesen "Leuten"....daß sie doch von der Materie etwas verstehen müßten.....nichts ist....garnichts....rote Karten müssen diese Leute erhalten + nichts anderes......und sollten weiter diese Aspiranten in die Lehre gehen.......und nach 20 oder 25 Jahren sich wieder zu melden......wenn sie ihre Lehrzeit mit einem Briefing beendet haben....
es ist unglaublich.......beleuchtet man die Szene realistisch......was sich heute an den Märkten tummelt......Hauptsache.......auch mal etwas gesagt zu haben....und wenn es noch so unqualifiziert gewesen ist......
Ist die Kwintessenz......alleine sich auf den Weg machen.....und die Finger von diesen fachlich Halbgebildeten zu lassen......es ist so.....leider....

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×