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13.05.2017

16:26 Uhr

Dax-Ausblick

„Alle Ampeln auf grün“

VonAndrea Cünnen

Der Dax hat neue Rekordstände erreicht. Viele Experten sehen weiteres Potenzial und keinen Grund, Aktien den Rücken zu kehren. Kleine Rücksetzer würden sie zum Einstieg nutzen – „eher früher als später“.

„Angesichts der niedrigen Renditen am Geld- und Anleihemarkt fehlen die Alternativen zu Aktien“, sagt Aktienanalyst Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Imago

Ampel vor der Commerzbank

„Angesichts der niedrigen Renditen am Geld- und Anleihemarkt fehlen die Alternativen zu Aktien“, sagt Aktienanalyst Andreas Hürkamp von der Commerzbank.

FrankfurtRekorde, Rekorde! An zehn von 14 Handelstagen hat der Dax seit der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen am 24. April auf rekordhohen Ständen geschlossen. Dabei fielen die Zuwächse zwar zuletzt immer geringer aus, und sein im Tagesverlauf erreichtes Allzeithoch von 12.783 Zählern am vergangenen Dienstag konnte der Dax zuletzt nicht mehr erreichen.

Am Freitag schaffte er aber mit 12.770 Punkten ein weiteres Schlusshoch. Dass die Anleger trotz des enormen Dax-Zuwachses von mehr als 20 Prozent seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im November kaum Gewinne mitnehmen, wertet Andreas Hürkamp, Aktienstratege bei der Commerzbank, als positives Zeichen für den Aktienmarkt.

Viele andere Analysten sehen das ähnlich und bescheinigen dem Dax zumindest moderates weiteres Aufwärtspotenzial. „Nach der Frankreich-Wahl stehen alle Ampeln auf grün“, sagt Patrick Harms von der HSH Nordbank. Mit der Wahl des sozialliberalen und Europa-freundlichen Emmanuel Macron am vergangenen Sonntag reduziere sich das „politische Risiko in Europa spürbar“, meint auch Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege bei Blackrock.

Meilensteine des Dax

1. Juli 1988

Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

7. März 2000

Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Danach beginnt beim Dax eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

13. Juli 2007

Mit 8.152 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt hält sich der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab. 2009 beschleunigt der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Talfahrt des Dax.

9. März 2009

Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: Mit 3588 Punkten erreicht der Dax zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Am 25. Oktober schafft der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

5. Juni 2014

Erstmals in seiner Historie ist der Dax fünfstellig. Um 14:33 Uhr knackt der deutsche Leitindex die magische Marke und steigt bis auf 10.014 Punkte.

22. Januar 2015

EZB-Präsident Mario Draghi beschließt ein Anleihekaufprogramm im Stile der Federal Reserve. Die Zentralbank wird bis September 2016 Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 60 Millionen Euro aufkaufen. Insgesamt sollen so 1,14 Billionen in die Märkte gespült werden. Der Dax springt nach nervösen Pendelbewegungen auf ein Rekordhoch von 10.454 Punkten. In den folgenden Tagen hält die Hausse an, am 13. Februar springt der Dax das erste Mal über in seiner Geschichte über die 11.000-Punkte-Marke. Damit sollte die Rekordjagd aber gerade erst beginnen.

16.März 2015

Bereits wenige Wochen nach der Eroberung der 11.000-Punkte steht ein weiterer Meilenstein der Dax-Geschichte auf der Börsen-Agenda. Der Leitindex klettert zum ersten Mal über 12.000 Punkte. Weder der Konflikt in der Ostukraine noch der sich immer weiter zuspitzende Schuldenstreit scheinen die Börsenteilnehmer groß zu stören. Sie kaufen Aktien und befeuern die Hausse.

14. Juni 2017

In Erwartung einer positiven Zinsentscheidung der US-Notenbank knackt der Dax das erste Mal im Laufe seiner Geschichte die 12.900 Punkte und erreicht schließlich sein Allzeithoch von 12.921 Punkten. Schon in den Monaten zuvor hatte der Dax im Anschluss an den Erfolg des europafreundlichen Politikers Emmanuel Macron bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich seinen Höchststand mehrfach verbessert.

Michael Broes von Degroof Petercam Asset Management sieht die „europäische Kuh“ zwar auch jetzt noch nicht vom Eis, obwohl auch er froh ist, dass Macron sich gegen die rechtsextreme Euro-Gegnerin Marine Le Pen durchgesetzt hat. Macron müsse aber jetzt erst liefern. Mittelfristig machen Broes zudem auch die in diesem oder nächsten Jahr anstehenden Wahlen in Italien Sorgen. Dennoch: „Auf der Aktienseite erwarten wir in den kommenden Monaten steigende Notierungen.“ Ein Grund: Viele Investoren hätten zuletzt einen Bogen um Europa gemacht und sollten nun an die Aktienmärkte zurückkehren.

Nicolette MacDonald-Brown vom Fondshaus Schroders sieht das ähnlich. Seit sich am 24. April abgezeichnet habe, dass Macron das Rennen um den Einzug in den Élysée-Palast macht, habe es signifikante Zuflüsse aus dem außereuropäischen Ausland in europäische Aktien gegeben. Die Fondsmanagerin geht davon aus, dass dies noch eine Weile anhalten werde.

Märkte nach der Wahl: „Von Euphorie kann keine Rede sein“

Märkte nach der Wahl

„Von Euphorie kann keine Rede sein“

Die Börsianer knüpften an Emmanuel Macrons große Erwartungen – in den vergangenen Wochen bescherte er den Börsen Höhenflüge. Doch ausgerechnet am Tag nach dem Sieg ist die Wirkung verpufft. Der Dax notiert im Minus.

Nachdem die politischen Risiken so zunächst in den Hintergrund rücken – die deutsche Bundestagswahl im September gilt aus Marktsicht laut Strategen als „Non-Event“ – dürften sich die Investoren so nun zunächst einmal den Stimmungsindikatoren, der Entwicklung der Konjunktur und der Quartalszahlen von Unternehmen zuwenden. Und da sieht es gar nicht schlecht aus.

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