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06.05.2017

12:07 Uhr

Dax-Ausblick

Alle Augen auf Frankreich

VonReiner Reichel

Wenn die Märkte tatsächlich künftige Entwicklungen vorwegnehmen, dann dürfte der Sieger der Frankreich-Wahl bereits feststehen: der europafreundliche Emmanuel Macron. Falls nicht, haben Experten tröstende Worte parat.

Vor der Wahl in Frankreich

„Ein Sieg von Le Pen würde die Märkte in Chaos stürzen“

Vor der Wahl in Frankreich: „Ein Sieg von Le Pen würde die Märkte in Chaos stürzen“

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DüsseldorfAn den Märkten gilt als sicher, dass der europafreundliche Emmanuel Macron bei der Stichwahl um die französische Präsidentschaft am Sonntag über Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National triumphiert. So verhalf der Optimismus der Investoren dem deutschen Börsenbarometer Dax am Freitag zu einem weiteren Kursplus von 0,6 Prozent und damit zu einem neuen Höchststand von 12.717 Punkten. Der Pariser Leitindex CAC 40 stieg um 1,1 Prozent auf 5.432 und erreichte damit den höchsten Stand seit mehr als neun Jahren. „Die Finanzmärkte haben die französische Präsidentschaftswahl bereits gebührend gefeiert“, kommentiert die Helaba.

Der Euro notierte nahe eines Sechs-Monatshochs bei 1,10 Dollar. Die Gemeinschaftswährung dürfte ihren Höhenflug in der kommenden Woche ebenfalls fortsetzen. Und die Risikoprämie der zehnjährigen französischen Staatsanleihen sind gegenüber der Bundesanleihe mit gleicher Laufzeit von zeitweise über 70 Basispunkten auf unter 50 Basispunkte auf Normalniveau zurückgefallen. Doch wenn der Sieger der Stichwahl laut Marktreaktionen bereits feststeht, kann es noch zu Überraschungen kommen, warnt die Helaba.

Das wirtschaftspolitische Programm von Emmanuel Macron

Steuern

Die Unternehmenssteuer soll von derzeit 33 auf 25 Prozent gesenkt werden. Die Steuergutschrift für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung (CICE) soll umgewandelt werden in eine dauerhafte Entlastung für Arbeitnehmer mit niedrigen Löhnen.

Arbeitszeit

An der 35-Stunden-Woche soll festgehalten werden. Allerdings könnte sie flexibler geregelt werden, indem Betriebe über die tatsächliche Arbeitszeit mit ihren Beschäftigten verhandeln.

Geringverdiener

Sie sollen von bestimmten Sozialabgaben befreit werden. Dadurch könnten Niedriglohnempfänger einen zusätzlichen Monatslohn pro Jahr in ihren Taschen haben.

Investitionen

Binnen fünf Jahren sollen 50 Milliarden Euro an öffentlichen Geldern investiert werden. 15 Milliarden Euro davon sollen in bessere Aus- und Weiterbildung gesteckt werden, um die Einstellungschancen von Jobsuchenden zu verbessern. Ebenfalls 15 Milliarden Euro sind geplant, um erneuerbare Energien zu fördern. Weitere Milliarden sind für die Landwirtschaft, die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung, für Infrastruktur und Gesundheitswesen geplant.

Einsparungen

60 Milliarden Euro an Einsparungen sind bei den Staatsausgaben vorgesehen, die in Frankreich traditionell hoch sind. Zehn Milliarden Euro soll der erwartete Rückgang der Arbeitslosenquote von derzeit etwa zehn auf sieben Prozent bringen, indem die Ausgaben für Arbeitslosengeld sinken. Durch eine verbesserte Effizienz soll das Gesundheitswesen zehn Milliarden einsparen, weitere 25 Milliarden Euro die Modernisierung des Staatsapparates.

Bildung

In Gegenden mit niedrigem Einkommen soll die Schülerzahl auf zwölf pro Klasse begrenzt werden. Lehrer sollen als Anreiz für eine Arbeit in solchen Regionen einen Bonus von 3000 Euro pro Jahr bekommen. Mobiltelefone in Schulen sollen für Kinder bis 15 Jahren verboten werden. Alle 18-Jährigen sollen einen Kulturpass im Wert von 500 Euro erhalten, den sie beispielsweise für Kino-, Theater- und Konzertbesuche ausgeben können.

So sei auffällig, dass sich im Gegensatz zur Präsidentenwahl 2002 diesmal nicht alle ausgeschiedenen Bewerber hinter den Kandidaten gestellt haben, der gegen den Front National antritt. „Die Märkte haben sich klar auf einen Wahlsieg Macrons eingestellt. Ein Sieg Le Pens würde die Börsen und den Euro eiskalt erwischen“, betonte Stratege Robert Greil von Merck Finck gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Macron geht am Sonntag auch laut Umfragen als Favorit in die Stichwahl. Die sehen den linksliberalen Börsenliebling 24 Prozentpunkte vor seiner rechtsextremen Rivalin Le Pen, die Frankreich aus der Euro-Zone führen will. Für den Fall, dass die Prognosen so wie bei der US-Wahl und dem Brexit-Votum doch falsch liegen und bei Börsenöffnung am Montagmorgen Macron nicht als Wahlsieger feststehen sollte, hat Invesco-Chefökonom John Greenwood tröstliche Worte für die dann voraussichtlich von Verlusten gebeutelten Aktionäre auf Lager: „Kurzfristige politische oder protektionistische Schocks werden den globalen Aufschwung nicht stoppen.“

Die wirtschaftspolitischen Pläne von Marine Le Pen

Euro

Er soll zugunsten einer eigenen Währung aufgeben werden – sofern sich die Mehrheit der Franzosen in einem Referendum für einen Abschied vom Euro aussprechen. Zuletzt erklärte Le Pen jedoch, andere Projekte könnten Vorrang haben.

EU

Nach einem Wahlsieg soll mit den EU-Partnern binnen sechs Monaten eine radikale Änderung der EU-Verträge vereinbart werden. Die Union soll dabei in einen losen Verbund der Mitgliedsländer umgebaut werden – ohne Euro und von Brüssel überwachte Haushaltsregeln, aber wieder mit Grenzkontrollen. Schon in den ersten beiden Monaten nach einem Wahlsieg soll das Schengen-Abkommen aufgekündigt werden, mit dem Kontrollen an den Binnengrenzen abgeschafft wurden.

Zentralbank

Sie soll bei der Rückkehr zur Landeswährung helfen und deren Kurs verteidigen. Ihr soll dabei das Recht eingeräumt werden, französische Staatsanleihen von der Regierung abzukaufen.

Protektionismus

Bei öffentlichen Ausschreibungen sollen nur französische Unternehmen zum Zuge kommen, solange der Preisunterschied nicht allzu groß ist. Auf Importe soll eine Steuer in Höhe von drei Prozent erhoben werden. Arbeitgeber, die ausländische Mitarbeiter einstellen, sollen mit einer Extrasteuer belegt werden, die zehn Prozent des Gehaltes erreichen kann.

Rente

Das Renteneintrittsalter soll von 62 auf 60 Jahre gesenkt werden. Sehr arme Rentner sollen besser unterstützt werden.

Arbeitszeit

Die 35-Stunden-Woche soll erhalten werden. Überstunden sollen steuerfrei werden.

Steuern

Diese sollen für Privathaushalte gesenkt, die Sozialausgaben erhöht werden. Auch kleinere und mittelständische Firmen sollen weniger Steuern zahlen.

An der Wall Street herrscht ebenfalls noch immer Euphorie, die am Freitag durch den kräftigen Aufschwung am US-Arbeitsmarkt noch einmal zusätzlich belebt wurde. Die Arbeitslosenquote war in den USA in den vergangenen zehn Jahren noch nie so niedrig wie jetzt.

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